Rotlicht in Wien und der Welt

Peep 69 hat zugesperrt

Posted in Das war by rotlichtwien on 20. Mai 2011

Konnte aus dem Stand und ohne Aufwärmen 120 Kilo drücken, kam aber mit den Peepshows in bedrängende Rückenlage. Zuletzt nahm ihn auch die Finanz in den Schwitzkasten. Reder sperrte beide Peep 69 Filialen in Wien Anfang 2011 nach fünfzehn Jahren zu und macht nun in Immobilien. (Foto: Oswald)

(Wien, im Juni 2011) Zuletzt versuchte er es noch einmal mit protzigen Inseraten in der „Kronen Zeitung“ und in „Österreich“ im Kleinanzeigenteil. Nun hat er es sein lassen. 15 Jahre Peepshowbetrieb genügen. Die „Peep 69“ hat die letzten beiden Filialen zugesperrt.

Rotlicht-Mann Erich Reder ist keiner mehr. Nicht, dass es ihm an Eier für das Geschäft gefehlt hätte. Doch die Zeit der Peepshows und ihr Geschäftsmodell ist vorüber.

Schon 2006 sagte er: „Wenn ich den Schlüssel um 10 Uhr morgens ins Schloss stecke und umdrehe, steht es bei Minus 700 Euro.“ Bei zwei Geschäften waren es jeden Tag 1.400 Euro Strom-, Personal-, Betriebskosten. Jeder Kunde, der die niedere Schwelle der offenen Tür in der Davidgasse oder Nordwestbahnstraße betrat und einen Euro in den Schlitz warf, um einen Vorgeschmack auf Mehr zu bekommen, drückte das tägliche Leid des Inhabers Reder in kleinen Einheiten. Doch es war zu wenig. Der Druck der Massen blieb aus und die Zeiten, in denen der kleine Mann mit dem Napoleontrieb mit prallen Plastiksäcken voller Zehnschilling-Münzen nach Kassenschluss in sein Kaffeehaus „Lucy“ kam und sagte: „Die Leute machen mich reich“, wurden immer seltener. Der Euro wurde drei Mal umgedreht, ehe er in den Kassen des Reder verschwand.

Reder machte 15 Jahre das Peepshow-Geschäft in Wien, doch nun ist Schluss. (Foto: Oswald)

Zahllose Sexwebseiten im Internet, Gratisfilmportale und Escortservices lockten die Leute immer seltener in die Straßen Favoritens und in die Leopoldstadt hinaus. Vor allem das Internet grub in den letzten fünf Jahren den Peepshows immer mehr das Wasser ab. Da galt auch der Werbespruch Reders nur mehr wenig: „Bei uns kaufen sie keine Katze im Sack.“

Täuschungen, wenn bei Escortservices Supermodels fotografisch angekündigt sind und dann Hausfrauen mit drei Kindern zum „Hausbesuch“ kommen, gab es bei ihm nicht. Für einen schlappen Euro konnte die Besichtigung stattfinden. Doch immer weniger kamen ins Geschäft, in dem zumindest in diesem Punkt Ehrlichkeit herrschte.

2008 wollte er nicht mehr mit den vorhandenen „Tänzerinnen“ arbeiten, die in den vorhandenen Shows „im Radl“ monateweise tourneehaft weiterziehen, sondern einen „eigenen Ring“ mit Mädchen aufziehen, vornehmlich solche aus Rumänien. Rumänische Strizzis bulligen Zuschnitts, mit T-Shirt und Lederjacke, hielten regelmäßig bei Inhaber Reder Vorsprache. Doch er kam ins Alter.

Peepshowinhaber Reder wollte 2006 noch einmal durchstarten, fasste aber 2008 den Beschluss abzugeben. 2011 schloss er seine Peepshows endgültig. (Foto: Oswald aus dem Keller der Peep 69/1100)

Mit 53 bekommt das Leben andere Prioritäten als Zickenkriege unter Peepshowtänzerinnen zu schlichten. Mit 53 lässt vieles nach, das Testosteron, die Motivation. Vieles hängt durch.

Reder verlegte sich aufs Fischen in Pachfurth, Ausfahrten mit der Harley und die Pflege seiner Langzeitehe, die auch mit einschließt, dass er einmal pro Jahr die Schwiegereltern in Rumänien zu besuchen hat. 2006 erfolgte die Änderung in den Shows, dass Samstag und Sonntag komplett geschlossen blieb. 2008 war der Absprung innerlich durchdacht und schließlich beschlossen. Der Rest war nur mehr eine rechtliche Analyse.

Da es zwei Firmen gab, eine Peepshowbetriebsfirma und eine Immobilienverwaltungsfirma, bekam der Ottakringer ÖVP-Anwalt Werner Suppan Arbeit. Es galt, die Peepshowbetriebsfirma für einen Verkauf schriftreif zu machen und die Immobilienfirma auszubauen. 2009 suchte Reder Käufer für die Peepshow. Es schwebte ihm eine Verpachtung vor. Er wollte sich aus dem Geschäft zurückziehen. Gespräche gab es mit einigen Personen, doch die Gespräche brachten kein Ergebnis.

Mehrere Shows sperrten in den letzten zwei Jahren

Peepshows sind eine untergehende Geschäftssparte. 2010 sperrten die lange existierende Show beim Naschmarkt zu, jene in der Hernalser Hauptstraße, die zur Movieline gehörte und im selben Jahr jene in der Sechtergasse, die die Movieline-Zentrale war. Dem Peepshowgewerbe ergeht es wie dem Kohlenhändlergewerbe. Einst ein blühendes Gewerbe ist damit heute keine Kohle mehr zu machen.

2011 drehte Erich Reder seine verbliebenen beiden Peepshows in der Davidgasse und in der Nordwestbahnstraße, die er seit 1996 und 1997 in Betrieb hatte, zu. Beide Shows hatten Modernisierungen wie Euro-Zählerumstellung, DVD-Player, Musikanlage nur gezwungermaßen und schleppend mitgemacht.

Sie hielten den Milieubezug hoch, da in jedem Geschäft ein meist glatzköpfiger Bugl osteuropäischer Herkunft (Ungarn oder Rumänien) am Barhocker sein wachsames Auge nach dem Rechten ausrichtete und im Stillen dafür sorgte, dass ein Übergriff nicht stattfand. Die Bugln hatten bei Reder Wohnrecht, aber auch die Trainingspflicht im Keller der Davidgasse, wo sich ein voll ausgestatteter Boxring befindet und eine Kraftkammer.

Inhaber Erich Reder nahm damit Abschied von der Rotlicht-Szene. Fasziniert vom Milieu, ausgestattet mit dem gerade richtigen Maß Paranoia und Misstrauen (gegenüber eigenen Leuten und Behörden), einst schlagfertig nicht nur als Amateurboxer, nie mit Spielsucht und Lastern in Berührung, schaffte er den Ausstieg am Höhepunkt der Verhaftungswelle gegen Richard Steiner. Man kann nicht sagen, dass er im Stillen mit einer Zusammenarbeit mit Steiner nicht kokettiert hätte. Die Kontakt zum Mann, der ihn wegen seiner Medienpräsenz und ausgestrahlten Kraft faszinierte, blieb zu zart, dass man darüber überhaupt reden sollte.

Zeit aufzuhören

Reder merkte, dass die Zeit des Abschieds nun richtig war. Er schloss seine Peepshows kurzerhand und startete ein Umbauprogramm. Der Benz-Fahrer (320 TDI), 2006 noch geplagt von einer satten Steuernachzahlung (Steuerschuld in zweiter Instanz 360.000 Euro; 9.000 Euro monatlich Nachzahlung), dazu 20.000 Euro Personalkosten im Monat, räumte sein Unternehmen auf. Er nahm die Leuchtreklame von den Hauswänden im 10. und 2. Bezirk, riss Innenmauern heraus und machte Mietwohnungen aus den beiden Zinshäusern.

Er vermutet nun, dass ihm das weniger Arbeit bereitet, die Fixkosten gegen Null setzt und seine Lebensqualität hebt.
Das wird wohl stimmen.

Lenkte 15 Jahre in Wien zeitweilig drei Peepshows, darunter eine am Gürtel, mit harter Hand. Prinzip war immer, dass er die ganze Erdgeschossetage oder gleich das ganze Haus kauft. Seine Frau managte mit Geschick die Mädchen, Reder verwaltete die Häuser, den Abschreibeposten Gastro mit den beiden Cafehäusern sowie die zahlreichen Wohnungen in den Immobilien. Nun, 2011, tut er neben Australienreisen und Fischen in Pachfurth nur mehr dies, wovon er sich mehr Lebensqualität verspricht. (Foto: Oswald)

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Das war die Peep Show „Peep 69“. Sie hatte so etwas wie „Themenräume“:

Die Autozimmer-Solo sollte Autofahrer stimulieren. Der einzige Sitz war ein pelziger Autositz. (Foto: Oswald aus Peep 69/1020)

Die Dark Room-Solokabine sollte Freunde des Dunklen anheizen. (Foto: Oswald aus Peep 69/1100)

Die Nostalgie-Solokabine war für traditionelle Gemüter angelegt. (Foto: Oswald aus Peep 69/1020)

Bereits 2008 begann der erste Umbau. Reder reagierte auf die geänderte Marktsituation und ließ einen Kreisel in der Davidgasse auf. Dieser wurde zur Super-Solokabine umgebaut, genannt Mirror-Solo, da die Spiegel von Kreiselzeiten noch vorhanden waren. Diese Solo-Kabine sollte 2008 das Herzstück in der Davidgasse werden. Doch der Kundenstrom im zehnten Bezirk wurde immer weniger. Die Leute hatten nach der Euro-Umstellung kein Geld mehr oder verspielten es lieber in den zahlreichen Wettcafés in der Umgebung. (Foto: Oswald aus Peep 69/1100)

Die Blue Star-Solokabine in der Davidgasse war ganz in Blau gehalten. (Foto: Oswald aus Peep 69/1100)

Blue Star-Solokabine aus anderer Perspektive. (Foto: Oswald aus Peep 69/1100)

An der Wahlautomaten konnte man Nummern für die Solokabine bestellen.

Es ist time to say goodbye. (Foto: Oswald aus Cafe Lucy/1100)

Marcus J. Oswald (Ressort: Das war)

Peepshow Raaberbahngasse halbiert sich

Posted in Peepshow by rotlichtwien on 13. Dezember 2008

(Wien, im Dezember 2008) Der Sexmarkt in Österreich steht auf vierzehn Füßen. Das Fundament ist, wie es Unternehmer nennen, „breit aufgestellt“.

1. Seit Mutzenbacher gibt es klassische Rotlicht-Plüsch-Bars. 2. Es folgten amerikanische Table-Dance-Bars (meist in Innenstädten). 3. Vor 13 Jahren begannen in Wien die Kennedy-Zwillingsbrüder (nicht: John F. und Robert) mit Escortservice. 4. Es gibt den Wiener Straßenstrich (nach 90er Jahre-Reform fast verschwunden; im Prater, wo die Bäume blühn, noch vorhanden). 5. Die Kontakt-Cafés (mit Hinterzimmer). 6. Die klassische Wohnungsprostitution (gegen „Körberlgeld“ an „Hausfrauen“). 7. Die Massage-Salons (Boom seit den 90er Jahren mit vornehmlich schweigsamen Asiaten). 8. Die FKK-Saunas in großen Hallen und umgebauten Supermärkten als Supermärkte der Erotik (siehe das „Goldentime“ des verstorbenen Wolfgang Bogner oder das geschlossene „Donaudolls“ des Werner Schmuck. Betriebsmotto: zuerst ein Sonnenbad, dann ein Dampfbad, dann ein Schwimmbad, dann ein Schaumbad, dann ein Lustbad.) 9. Die Swingerclubs und „Familiensaunas“ (Pionier Viktor Hennemann mit „KORE-Palast“, nun „Atlantis“ oder „Traumland“ und andere). 10. Die flexiblen Haus- oder Hotelbesuche durch flexible Prostituierte. 11. Die elitären Fetisch- und Domina-Studios, die weniger wurden, aber teurer. 12. Die Laufhäuser, die in Wien als die Zukunft gelten. 13. Die Online-Kontaktbörsen (parship, love, websingles, partner und wie sie heißen). 14. Die niederschwelligen Peepshows in alter Tradition, die keine Katzen im Sack verkaufen. Nur mehr sechs Stück gibt es in Wien.

In Summe, so Schätzungen, finden in Wien pro Tag 11.000 Prostituierten-Kontakte statt.

Konkurrenz durch Internet

Die Peepshows sperren derzeit in Wien der Reihe nach zu. Ihre schärfste Konkurrenz sind alle Rotlicht-Sektoren, in denen Frauen am Werk sind, die über Internet anbieten. Stehende Infrastruktur und der hohe Kostenfaktor des Tagesbetriebs (Strom, Heizung, Personal) einer Peepshow machen den Betreibern zu schaffen. In virtuellen Zeiten gehen sie am Grat zum Abgrund.

Zu Siggi Köhlers Zeiten, bis 2006, wurde das Marketing aktiv und solide betrieben. (Foto: Oswald)

Eine Wiener Peepshow macht nun etwas, was man als letztes Ausatmen deuten muss. Man halbierte die Preise. Die Peepshow Raaberbahngasse senkte im gesamten Dezember den Preis für Dienstleistungen um die Hälfte ab. Statt einen Euro verlangt man nur 50 Cent.

Halbpreis auf Alles!

Die Minute „Peepen“ in den Kreisel kostet 50 Cent statt einen Euro, die Minute „Videofilm“ kostet nur 50 Cent statt einen Euro. Andere Dienstleistungen: Halbiert.

Dumping: Bekommt man in einer Peepshow für weniger Geld das Gleiche, weniger oder mehr? Gültig und gesehen im Dezember 2008. (Foto: B&G)

Dem Besucherschwund im Geschäft der Peepshow Raaberbahngasse tut das keinen Abbruch. Im Lokal herrscht gähnende Leere. Die schöne Webseite aus Siggi Köhlers Zeiten (online: 2001) will darüber hinweg täuschen.

Preiselastiziät

In der Sprache der Ökonomie nennt man das Preiselastizität. Nach diesem Modell werden Preise für Dienstleistungen nach unten gezogen. Dem Dumping wird Tür und Tor geöffnet. Erfahrene Geschäftsleute wissen, dass dieser Weg falsch ist und Schlußverkauf kurz vor der Schließung steht, da der Dienstleistung kein Wert mehr gegenüber steht.

Der Peepshowsektor reduzierte sich in den letzten Jahren in Wien von elf auf sechs Anbieter. Im long run einer Geschäftstätigkeit garantiert nur Preisstabilität eine kaufmännische Performance. Salopp gesagt heißt es im Geschäftsleben: Ist der Preis erst einmal über die Knie, dann rutscht er auch über die Knöchel und man bringt ihn nicht mehr hoch.

Abverkauf

Dieses Journal behauptete schon Mitte 2008, dass die Peepshow Raaberbahngasse bald zusperrt und den teuren Geschäftsraum (Miete: 8.000 Euro) in eine lukrativere Table-Dance Bar umwandelt. Die Aldi-Methoden der deutschen Inhaber, Kessler-Brüder, weisen in diese Richtung.

Noch einmal Massen-Abverkauf von DVD-Ware aus Deutschland (Deutscher Video Ring). Die Peepshow Raaberbahn in Wien-Favoriten gleicht schon lange mehr einem Erotiksupermarkt. Und nächstes Jahr? Im Jänner 2009 werden die wenigen verbliebenen Kunden sagen: Im Dezember zahlten wir pro Minute Peepen nur 50 Cent und nun wieder einen Euro? Nicht mit uns. Die Taktik ist insgesamt unklug. Kein Taxilenker käme auf die Idee, nur weil Weihnachten ist, die Fuhre um den halben Preis zu fahren.

Es sind Geschenke, die an Selbstaufgabe grenzen. Die „Raaberbahn“ hat sich im Dezember 2008 selbst aufgegeben.

Aldi unter den Wiener Peepshows: Peepshow Raaberbahngasse. Noch einmal zum Ansehen, denn Bestand hat das Geschäftsmodell nicht. Bald herrscht tiefe Nacht. (Foto: Sepp Zaunegger für B&G)

Marcus J. Oswald (Ressort: Peepshow)

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