Rotlicht in Wien und der Welt

Peep 69 hat zugesperrt

Posted in Das war by rotlichtwien on 20. Mai 2011

Konnte aus dem Stand und ohne Aufwärmen 120 Kilo drücken, kam aber mit den Peepshows in bedrängende Rückenlage. Zuletzt nahm ihn auch die Finanz in den Schwitzkasten. Reder sperrte beide Peep 69 Filialen in Wien Anfang 2011 nach fünfzehn Jahren zu und macht nun in Immobilien. (Foto: Oswald)

(Wien, im Juni 2011) Zuletzt versuchte er es noch einmal mit protzigen Inseraten in der „Kronen Zeitung“ und in „Österreich“ im Kleinanzeigenteil. Nun hat er es sein lassen. 15 Jahre Peepshowbetrieb genügen. Die „Peep 69“ hat die letzten beiden Filialen zugesperrt.

Rotlicht-Mann Erich Reder ist keiner mehr. Nicht, dass es ihm an Eier für das Geschäft gefehlt hätte. Doch die Zeit der Peepshows und ihr Geschäftsmodell ist vorüber.

Schon 2006 sagte er: „Wenn ich den Schlüssel um 10 Uhr morgens ins Schloss stecke und umdrehe, steht es bei Minus 700 Euro.“ Bei zwei Geschäften waren es jeden Tag 1.400 Euro Strom-, Personal-, Betriebskosten. Jeder Kunde, der die niedere Schwelle der offenen Tür in der Davidgasse oder Nordwestbahnstraße betrat und einen Euro in den Schlitz warf, um einen Vorgeschmack auf Mehr zu bekommen, drückte das tägliche Leid des Inhabers Reder in kleinen Einheiten. Doch es war zu wenig. Der Druck der Massen blieb aus und die Zeiten, in denen der kleine Mann mit dem Napoleontrieb mit prallen Plastiksäcken voller Zehnschilling-Münzen nach Kassenschluss in sein Kaffeehaus „Lucy“ kam und sagte: „Die Leute machen mich reich“, wurden immer seltener. Der Euro wurde drei Mal umgedreht, ehe er in den Kassen des Reder verschwand.

Reder machte 15 Jahre das Peepshow-Geschäft in Wien, doch nun ist Schluss. (Foto: Oswald)

Zahllose Sexwebseiten im Internet, Gratisfilmportale und Escortservices lockten die Leute immer seltener in die Straßen Favoritens und in die Leopoldstadt hinaus. Vor allem das Internet grub in den letzten fünf Jahren den Peepshows immer mehr das Wasser ab. Da galt auch der Werbespruch Reders nur mehr wenig: „Bei uns kaufen sie keine Katze im Sack.“

Täuschungen, wenn bei Escortservices Supermodels fotografisch angekündigt sind und dann Hausfrauen mit drei Kindern zum „Hausbesuch“ kommen, gab es bei ihm nicht. Für einen schlappen Euro konnte die Besichtigung stattfinden. Doch immer weniger kamen ins Geschäft, in dem zumindest in diesem Punkt Ehrlichkeit herrschte.

2008 wollte er nicht mehr mit den vorhandenen „Tänzerinnen“ arbeiten, die in den vorhandenen Shows „im Radl“ monateweise tourneehaft weiterziehen, sondern einen „eigenen Ring“ mit Mädchen aufziehen, vornehmlich solche aus Rumänien. Rumänische Strizzis bulligen Zuschnitts, mit T-Shirt und Lederjacke, hielten regelmäßig bei Inhaber Reder Vorsprache. Doch er kam ins Alter.

Peepshowinhaber Reder wollte 2006 noch einmal durchstarten, fasste aber 2008 den Beschluss abzugeben. 2011 schloss er seine Peepshows endgültig. (Foto: Oswald aus dem Keller der Peep 69/1100)

Mit 53 bekommt das Leben andere Prioritäten als Zickenkriege unter Peepshowtänzerinnen zu schlichten. Mit 53 lässt vieles nach, das Testosteron, die Motivation. Vieles hängt durch.

Reder verlegte sich aufs Fischen in Pachfurth, Ausfahrten mit der Harley und die Pflege seiner Langzeitehe, die auch mit einschließt, dass er einmal pro Jahr die Schwiegereltern in Rumänien zu besuchen hat. 2006 erfolgte die Änderung in den Shows, dass Samstag und Sonntag komplett geschlossen blieb. 2008 war der Absprung innerlich durchdacht und schließlich beschlossen. Der Rest war nur mehr eine rechtliche Analyse.

Da es zwei Firmen gab, eine Peepshowbetriebsfirma und eine Immobilienverwaltungsfirma, bekam der Ottakringer ÖVP-Anwalt Werner Suppan Arbeit. Es galt, die Peepshowbetriebsfirma für einen Verkauf schriftreif zu machen und die Immobilienfirma auszubauen. 2009 suchte Reder Käufer für die Peepshow. Es schwebte ihm eine Verpachtung vor. Er wollte sich aus dem Geschäft zurückziehen. Gespräche gab es mit einigen Personen, doch die Gespräche brachten kein Ergebnis.

Mehrere Shows sperrten in den letzten zwei Jahren

Peepshows sind eine untergehende Geschäftssparte. 2010 sperrten die lange existierende Show beim Naschmarkt zu, jene in der Hernalser Hauptstraße, die zur Movieline gehörte und im selben Jahr jene in der Sechtergasse, die die Movieline-Zentrale war. Dem Peepshowgewerbe ergeht es wie dem Kohlenhändlergewerbe. Einst ein blühendes Gewerbe ist damit heute keine Kohle mehr zu machen.

2011 drehte Erich Reder seine verbliebenen beiden Peepshows in der Davidgasse und in der Nordwestbahnstraße, die er seit 1996 und 1997 in Betrieb hatte, zu. Beide Shows hatten Modernisierungen wie Euro-Zählerumstellung, DVD-Player, Musikanlage nur gezwungermaßen und schleppend mitgemacht.

Sie hielten den Milieubezug hoch, da in jedem Geschäft ein meist glatzköpfiger Bugl osteuropäischer Herkunft (Ungarn oder Rumänien) am Barhocker sein wachsames Auge nach dem Rechten ausrichtete und im Stillen dafür sorgte, dass ein Übergriff nicht stattfand. Die Bugln hatten bei Reder Wohnrecht, aber auch die Trainingspflicht im Keller der Davidgasse, wo sich ein voll ausgestatteter Boxring befindet und eine Kraftkammer.

Inhaber Erich Reder nahm damit Abschied von der Rotlicht-Szene. Fasziniert vom Milieu, ausgestattet mit dem gerade richtigen Maß Paranoia und Misstrauen (gegenüber eigenen Leuten und Behörden), einst schlagfertig nicht nur als Amateurboxer, nie mit Spielsucht und Lastern in Berührung, schaffte er den Ausstieg am Höhepunkt der Verhaftungswelle gegen Richard Steiner. Man kann nicht sagen, dass er im Stillen mit einer Zusammenarbeit mit Steiner nicht kokettiert hätte. Die Kontakt zum Mann, der ihn wegen seiner Medienpräsenz und ausgestrahlten Kraft faszinierte, blieb zu zart, dass man darüber überhaupt reden sollte.

Zeit aufzuhören

Reder merkte, dass die Zeit des Abschieds nun richtig war. Er schloss seine Peepshows kurzerhand und startete ein Umbauprogramm. Der Benz-Fahrer (320 TDI), 2006 noch geplagt von einer satten Steuernachzahlung (Steuerschuld in zweiter Instanz 360.000 Euro; 9.000 Euro monatlich Nachzahlung), dazu 20.000 Euro Personalkosten im Monat, räumte sein Unternehmen auf. Er nahm die Leuchtreklame von den Hauswänden im 10. und 2. Bezirk, riss Innenmauern heraus und machte Mietwohnungen aus den beiden Zinshäusern.

Er vermutet nun, dass ihm das weniger Arbeit bereitet, die Fixkosten gegen Null setzt und seine Lebensqualität hebt.
Das wird wohl stimmen.

Lenkte 15 Jahre in Wien zeitweilig drei Peepshows, darunter eine am Gürtel, mit harter Hand. Prinzip war immer, dass er die ganze Erdgeschossetage oder gleich das ganze Haus kauft. Seine Frau managte mit Geschick die Mädchen, Reder verwaltete die Häuser, den Abschreibeposten Gastro mit den beiden Cafehäusern sowie die zahlreichen Wohnungen in den Immobilien. Nun, 2011, tut er neben Australienreisen und Fischen in Pachfurth nur mehr dies, wovon er sich mehr Lebensqualität verspricht. (Foto: Oswald)

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Das war die Peep Show „Peep 69“. Sie hatte so etwas wie „Themenräume“:

Die Autozimmer-Solo sollte Autofahrer stimulieren. Der einzige Sitz war ein pelziger Autositz. (Foto: Oswald aus Peep 69/1020)

Die Dark Room-Solokabine sollte Freunde des Dunklen anheizen. (Foto: Oswald aus Peep 69/1100)

Die Nostalgie-Solokabine war für traditionelle Gemüter angelegt. (Foto: Oswald aus Peep 69/1020)

Bereits 2008 begann der erste Umbau. Reder reagierte auf die geänderte Marktsituation und ließ einen Kreisel in der Davidgasse auf. Dieser wurde zur Super-Solokabine umgebaut, genannt Mirror-Solo, da die Spiegel von Kreiselzeiten noch vorhanden waren. Diese Solo-Kabine sollte 2008 das Herzstück in der Davidgasse werden. Doch der Kundenstrom im zehnten Bezirk wurde immer weniger. Die Leute hatten nach der Euro-Umstellung kein Geld mehr oder verspielten es lieber in den zahlreichen Wettcafés in der Umgebung. (Foto: Oswald aus Peep 69/1100)

Die Blue Star-Solokabine in der Davidgasse war ganz in Blau gehalten. (Foto: Oswald aus Peep 69/1100)

Blue Star-Solokabine aus anderer Perspektive. (Foto: Oswald aus Peep 69/1100)

An der Wahlautomaten konnte man Nummern für die Solokabine bestellen.

Es ist time to say goodbye. (Foto: Oswald aus Cafe Lucy/1100)

Marcus J. Oswald (Ressort: Das war)

Erich Reder zahlt 150 Euro nicht

Posted in Peepshow, Prostitution by rotlichtwien on 10. Juni 2009

Erich Reder begutachtet, welches Mädchen für sein Geschäft am meisten Geld bringt. Die Dame im Vordergrund ist eine Anfängerin aus Rumänien, sie überzeugt ihn nicht. Bild von Fotoprobe im Boxraum der Peepshow. (Foto: Marcus J. Oswald, am 12. Jänner 2007)

(Wien, im Juni 2009) Als sein Lokal „E/A-Cafe“ im Jahr 1996 in der Wiener Muhrengasse eröffnet wurde – es war ein Bordell -, gab es akkurat am Eröffnungstag eine Razzia. Gesucht wurde nach Waffen und Koks.

Einer der damals 40 Eröffnungsgäste hatte eine Waffe im Bund. Sie wurde beschlagnahmt. Koks hatten mehrere dabei. Darunter, wie er heute noch gerne im Rückblick erzählt, er selber. Weniger geschickt versteckte das Cola Werner Tomanek, der sofort verhaftet wurde. Die Meldung ging durch alle Medien. Er saß rund zwanzig Stunden im Polizeiarrest auf der „Liesl“. Und knüpfte dort angeblich Kontakt zu Tony Wegas.

Erich Reder ist heute 53 und sein „E/A-Cafe“ heißt nun gemütlicher „Stüberl“: Das Bordell in diesem Lokal ist weg, das Zimmer mit dem roten Riesenbett im ersten Stock wurde als Wohnung vermietet. Mittlerweile macht Reder Peepshows mit vornehmlich rumänischen Tänzerinnen. Zwei hat er noch in Betrieb, in der Zentrale hat er umgebaut und macht nun auch ein „Laufhaus“. Im ersten Stock sind zwei Liebeswohnungen. Der Unternehmer: „Warum soll ich 300 Euro im Monat durch Vermieten der Wohnung einnehmen, wenn ich so 300 Euro am Tag machen kann?“

Erich Reder sieht sich als Geschäftsmann. Laut eigenen Angaben nimmt er im Monat 4.000 Euro aus seiner Firma. „So viel brauche ich für meinen Lebensstil.“ Er unterhält drei Autos, eine Harley, ein Haus in Pachfurth und eine Fischerhütte. Dazu Caféhäuser, Büros und Wohnungen.

Er war in erster Ehe mit einer Chinesin verheiratet. Im Scheidungsverfahren war seine Prozessgegnerin Helene Klaar von „Klaar-Marschall“ (wie schon bei: Ernst-Peter Hauser, Dipl. Ing. Richard Kaiser, Gottfried Divos und Erich Subcik).

Der Mann, der in seinem Büro in der Davidgasse 20 eine Schrotflinte unter seinem Schreibtisch jederzeit griffbereit hat, und sich damit rühmt, dass er über 90 Boxkämpfe absolviert hat, sich vom Straßenraufer zum Taxifahrer in den 80er Jahren zum späteren „Stichgeldkassierer“ (mit dem Taxi) bei Straßenhuren hochgearbeitet hat und so in das Geschäft mit der Roten Laterne „hineingewachsen“ ist, hatte 2005 erhebliche Probleme mit der Finanz.

Das Finanzamt machte im Sommer des Jahres 2005 eine zehnstündige Hausdurchsuchung in der Davidgasse (Café Stüberl, Bürozentrale, Peepshow). Man suchte Schwarzgeld, Suchtgift und Waffen. Gefunden wurde wenig. Die Steuernachzahlung wurde 2006 auf 150.000 Euro festgelegt. Finanzbeamtin war eine Evalinde Dorner-Tazreiter vom Finanzamt Wien-Wieden. Reder erhob über seinen ÖVP-Anwalt Werner Suppan Einspruch. Nach dem Einspruch machte die Steuernachzahlung 380.000 Euro aus. Das ist immer noch in Schwebe. Bezahlt wurde nichts.

Es begannen dann Recherchen im Leben der Finanzbeamtin. Es kam heraus, dass diese mehrere Wohnungen in Wien unterhält, ein Eigenheim in Admont. Ihr Gatte ist mit vier Konkursen am Handelsgericht Wien zwischen 2001 und 2006 anhängig gewesen. Sie selbst war in den späten 90er Jahren seine Betriebsprüferin und heiratete ihn schließlich. Der Gatte Frank Dorner kündigte alle 80 Mitarbeiter und überschrieb ihr (1/2/3/4) kurz vor dem ersten (und größten) Konkurs zu Sylvester 2000 die Hälfte seines Hauses im Beisein eines Anwalts am Semmering.

Nach den Steuerfahnungen rüstete Reder auf. Er installierte mit einem von Conny Haupt (Detektivverband) vermittelten Sicherheitsunternehmen ein 16-Kamerasystem in seinen Büroräumlichkeiten das jeden Schritt visuell und akustisch aufnimmt. Als einmal die KIAB und einmal die BIA im Büro des Reder war, wurden alle Gespräche aufgezeichnet.

Ende 2006 spritzte sich Erich Reder so viele Anabolika in den Oberarm, dass er Magenprobleme bekam. Er lag im Frühjahr 2007 mehrere Wochen im Privatsanatorium Döbling auf Einzelbett, um die Ursachen für die Erkrankung herauszufinden. Es war wohl eine zu hohe Dosis des Testosteron-Präparats. Er spritzte es sich deshalb gleich direkt in den Muskel, weil es so schneller wirkt, wie er dem Spitalsbesucher (Herausgeber) sagte.

Mitte 2008 wurde ein Strafverfahren gegen Erich Reder eingestellt. Seinen Erzählungen nach habe jemand aus der Umgebung einer rivalisierenden Rotlichtgruppe in der Peepshow in der Nordwestbahnstraße „25 Prozent Anteil“ kassieren wollen. Er ist der festen Überzeugung, dass es die Steiner-Partie war. Fast war es ein Aufflackern alter Zeiten. Der Mann, der sagte, er sei „am Teil“, fiel am Gehsteig im 2. Bezirk ungeschickt auf die Nase, sodaß sie brach. Die Anzeige gegen Erich Reder nach Körperverletzung wurde Ende 2008 eingestellt.

2008: Die Firma Reder Liegenschafts- und Vermögensverwaltungs KEG, situiert in Davidgasse 20, 1100 Wien, machte im Jahr 2008 laut Jahresabschluss rund 70.000 Euro Reingewinn. Er lachte über die Unternehmer der benachbarten Peepshow, die Kessler-Brüder aus Glonn (D), die mit ihrer Unternehmung „Peepshow Raaberbahn“ laut öffentlich im Firmenbuch nachlesbaren Zahlen Null Euro Gewinn machen. Trotzdem suchte er wieder näheren Kontakt im Jahr 2008 mit der Konkurrenz und bahnt eventuell gemeinsame Projekte an.

Vor Weihnachten 2008 sperrte er seine beiden Peepshows drei Wochen zu und flog für zwei Wochen nach Australien in Urlaub. Warum? „Ich will einmal Kangaroos sehen.“

Anfang 2009 bauten ihm in der Nordwestbahnstraße Russen direkt neben seiner zweiten Peepshow drei „Massage-Studios“ und „Mikro-Bordelle“ vor die Nase. Seither trägt er sich mit dem Wunsch, seine Unternehmung, die ein Gemischtwarenladen aus Wohnungsvermietung, Gastronomie und Peepshow ist, „an die Russen zu verkaufen“.

Im Frühjahr 2009 besuchte Ernst Walter Stummer das Büro des Erich Reder, um ihn um ein kleines Inserat für seine Startnummer der Sicherheitszeitschrift „Öffentliche Unsicherheit“ zu ersuchen. Erich Reder zahlte ihm ein Bier und schickte ihn wieder weg. „Er ist ein alter Mann“, wird er später sagen.

Im Frühjahr 2009 ging er mit seinem Anwalt Werner Suppan das Ziel an, die Firma zu spalten. Er will eine „Liegenschaftsverwaltungsfirma“ und eine „Betriebsstättenfirma“ gründen und die zweitere verkaufen.

Im Herbst 2008 gründete Erich Reder, inspiriert durch „Blaulicht und Graulicht“, ein eigenes Internetmedium. Es ging im Oktober on air. Das Medium ist fachlich relativ indifferent. Er gibt aber hohe Einschaltziffern an. „Bis zu 10.000 Zugriffe täglich“, tönt er. Im Februar 2009 kam doch glatt der ORF in sein Büro und filmte ihn für die Sendung „Hohes Haus“. Am Tag der Abstrahlung brachte das bis zu 35.000 Seitenzugriffe. Doch die Sache hatte einen Schönheitsfehler und kleinen „Haken“. Obwohl sich Erich Reder zur „Troika“ der drei gewichtigsten, einflussreichsten, aktiven Rotlichtunternehmer Wiens zählt, erwähnte der ORF in der Sendung mit keinem Wort, womit Erich Reder sein Geld verdient. Dass er seit 1996 drei (offene) Peepshows in Wien besitzt, so viel wie kein anderer in Wien, wurde nicht gesagt. Er wurde bloß als „Webmaster“ einer Webseite vorgestellt und durfte in der wichtigsten Parlamentssendung des ORF zu „Politik und Wirtschaft“ sprechen.

Nach dieser Sendung wurde er in einem Wiener Internetforum von Forumsschreibern scharf attackiert. Indirekt wurde der ORF scharf attackiert, weil es nichts mit sauberem Journalismus zu tun habe, dass man über einen exponierten Rotlichtunternehmer in der Parlamentssendung „Hohes Haus“ einen Bericht bringt und mit keinem Wort erwähnt, dass er „Rotlicht“-Unternehmer sei. Reder wurde „Möchtegernrotlichtimperator“ geschumpfen und „Glatzenschlumpf“. Darauf reagierte Erich Reder, der keine Kritik gelten lassen will.

Er wollte das Forum dechiffrieren. Der Strafverteidiger Roland Friis wurde für 3. März 2009 um 16 Uhr in das Büro bestellt, damit man einen Schriftsatz – nach Anraten des Herausgebers – entweder nach Exekutionsordnung, nach ABGB oder nach StGB gegen die Urheber des Forums gerichtlich inittiert. Der Herausgeber dieses Journals wurde in der Folge bedrängt, „alle Daten“ herauszugeben, wer in diesem Forum wer ist. Reder wollte sich bei seinen Kriminalbeamten des Vertrauens wichtig machen und ihnen Zund geben. Der Herausgeber hingegen gab die Daten ausschließlich mit dem Hinblick, dass ein guter, sauberer gerichtlicher Schriftsatz entwickelt wird. Nach der Besprechung am 3. März 2009 verkündete Reder, dass er nach Einzug der gesamten Daten des Forums die Sache nicht gerichtlich, sondern „nach alter Milieuart“ lösen werde. Zeugen dieses Gespräches waren Strafverteidiger Mag. Roland Friis, Marcus J. Oswald und Heinrich Schmatz. Alle waren überrascht. In sein Caféhaus gelockt, gerichtliche Schritte zu machen, war nun von ganz anderem die Rede. Vor dieser Beschlussfassung hatte Reder noch in Spanien Richard Steiner am Handy angerufen und von diesem Vorhaben in Anwesenheit des während des Telefonats gegenübersitzenden Herausgebers unterrichtet.

Seither versucht der Herausgeber bisher erfolglos die Daten zu diesem Forum wieder zurückzubekommen, da auf gerichtliche Schritte bekanntlich verzichtet wurde. Am selben Abend schickte er einen Bugl in die Guntherstraße zu einem der Forumsmanager – doch dieser, auch nicht belämmert, fotografierte den Bugl, der am Laternenmast unten beim Haus lehnte, mit dem langen Teleobjektiv und stellte das Fotos ins Internet. Mittlerweile wurde auch Reders Auto, sein Wohnhaus in Pachfurth und seine beiden Stammlokale in Wien ausfotografiert. Reder handelte in der Sache Webforum nicht aus einem höheren Interesse, sondern aus Eigennutz: Er suchte die Nähe zu seinen Kriminalbeamten des Vertrauens und wollte ihnen Material liefern, damit er gut dasteht. Erich Reders weitere Schritte, das besagte Forum durch einen angeblich gekauften „Hacker“ von Außen zu zerstören (im März 2009 gab er sich zwei Wochen Zeitrahmen) scheiterten.

Die netteste Episode über den Charakterkopf des Wiener Rotlichts ist diese: Bereits im Februar 2009 wurde der Herausgeber dieser Seite von Erich Reder gefragt, ob er ihm für dessen Seite täglich einen Beitrag schreiben könne. Die heißen Themen seien aktuelle Dinge aus aller Welt, Wien-Bezug solle es haben. Gesagt, getan. Erich Reder vereinbarte mündlich 280 Euro pro Monat. Von 1. bis 13. März 2009 lieferte der Herausgeber dieses Journals dem Erich Reder per Email täglich einen sachlichen Beitrag, der nicht auf den eigenen Journalen erschienen war, aber thematisch von Interesse ist. Nach dem 13. März 2009 begannen leider die Vorkehrungen für den größten Gerichtsprozess Österreichs gegen eine Einzelperson: Josef Fritzl (16. März bis 19. März 2009). Der Herausgeber fuhr täglich nach St. Pölten. Die Arbeit für Reder musste abgebrochen werden und wurde eingestellt. Erich Reder sagte nach dem 13. März 2009 zu, dass er für 14 gelieferte Beiträge 150 Euro zahlt. Das waren dann pro Beitrag: 10 Euro 71 Cent.

Heute ist: 10. Juni 2009. Erich Reder hat 14 Beiträge, die er erhalten hat, die vollinhaltlich für seine Webseite gestaltet waren (Überschrift, Fließtext, Zwischenüberschriften, Tiefenverlinkungen, teilweise Fotos) und die er zum Großteil zur Entlastung seiner eigenen Kreativität alle veröffentlicht hat, bis heute nicht bezahlt.

Erich Reder fährt täglich mit einem Mercedes Benz 320 CDI, der 65.000 Euro kostet, zur Arbeit. In seinem Tresor im Büro in der Davidgasse 20 liegen 35.000 Euro Bargeld! Er zahlt monatlich 20.000 Euro in Bar an Huren-Personal aus. Er trägt täglich 4.000 Euro Bargeld in seiner Brieftasche. Das ist das, was er sich für seinen „Lebensstil“ monatlich aus seiner Firma „herausnimmt“. Er nimmt sich viel heraus.

Reder linkt Leute ab. Das muss man sich merken.

Marcus J. Oswald (Ressort: Peepshow, Prostitution)

Peepshow Raaberbahngasse halbiert sich

Posted in Peepshow by rotlichtwien on 13. Dezember 2008

(Wien, im Dezember 2008) Der Sexmarkt in Österreich steht auf vierzehn Füßen. Das Fundament ist, wie es Unternehmer nennen, „breit aufgestellt“.

1. Seit Mutzenbacher gibt es klassische Rotlicht-Plüsch-Bars. 2. Es folgten amerikanische Table-Dance-Bars (meist in Innenstädten). 3. Vor 13 Jahren begannen in Wien die Kennedy-Zwillingsbrüder (nicht: John F. und Robert) mit Escortservice. 4. Es gibt den Wiener Straßenstrich (nach 90er Jahre-Reform fast verschwunden; im Prater, wo die Bäume blühn, noch vorhanden). 5. Die Kontakt-Cafés (mit Hinterzimmer). 6. Die klassische Wohnungsprostitution (gegen „Körberlgeld“ an „Hausfrauen“). 7. Die Massage-Salons (Boom seit den 90er Jahren mit vornehmlich schweigsamen Asiaten). 8. Die FKK-Saunas in großen Hallen und umgebauten Supermärkten als Supermärkte der Erotik (siehe das „Goldentime“ des verstorbenen Wolfgang Bogner oder das geschlossene „Donaudolls“ des Werner Schmuck. Betriebsmotto: zuerst ein Sonnenbad, dann ein Dampfbad, dann ein Schwimmbad, dann ein Schaumbad, dann ein Lustbad.) 9. Die Swingerclubs und „Familiensaunas“ (Pionier Viktor Hennemann mit „KORE-Palast“, nun „Atlantis“ oder „Traumland“ und andere). 10. Die flexiblen Haus- oder Hotelbesuche durch flexible Prostituierte. 11. Die elitären Fetisch- und Domina-Studios, die weniger wurden, aber teurer. 12. Die Laufhäuser, die in Wien als die Zukunft gelten. 13. Die Online-Kontaktbörsen (parship, love, websingles, partner und wie sie heißen). 14. Die niederschwelligen Peepshows in alter Tradition, die keine Katzen im Sack verkaufen. Nur mehr sechs Stück gibt es in Wien.

In Summe, so Schätzungen, finden in Wien pro Tag 11.000 Prostituierten-Kontakte statt.

Konkurrenz durch Internet

Die Peepshows sperren derzeit in Wien der Reihe nach zu. Ihre schärfste Konkurrenz sind alle Rotlicht-Sektoren, in denen Frauen am Werk sind, die über Internet anbieten. Stehende Infrastruktur und der hohe Kostenfaktor des Tagesbetriebs (Strom, Heizung, Personal) einer Peepshow machen den Betreibern zu schaffen. In virtuellen Zeiten gehen sie am Grat zum Abgrund.

Zu Siggi Köhlers Zeiten, bis 2006, wurde das Marketing aktiv und solide betrieben. (Foto: Oswald)

Eine Wiener Peepshow macht nun etwas, was man als letztes Ausatmen deuten muss. Man halbierte die Preise. Die Peepshow Raaberbahngasse senkte im gesamten Dezember den Preis für Dienstleistungen um die Hälfte ab. Statt einen Euro verlangt man nur 50 Cent.

Halbpreis auf Alles!

Die Minute „Peepen“ in den Kreisel kostet 50 Cent statt einen Euro, die Minute „Videofilm“ kostet nur 50 Cent statt einen Euro. Andere Dienstleistungen: Halbiert.

Dumping: Bekommt man in einer Peepshow für weniger Geld das Gleiche, weniger oder mehr? Gültig und gesehen im Dezember 2008. (Foto: B&G)

Dem Besucherschwund im Geschäft der Peepshow Raaberbahngasse tut das keinen Abbruch. Im Lokal herrscht gähnende Leere. Die schöne Webseite aus Siggi Köhlers Zeiten (online: 2001) will darüber hinweg täuschen.

Preiselastiziät

In der Sprache der Ökonomie nennt man das Preiselastizität. Nach diesem Modell werden Preise für Dienstleistungen nach unten gezogen. Dem Dumping wird Tür und Tor geöffnet. Erfahrene Geschäftsleute wissen, dass dieser Weg falsch ist und Schlußverkauf kurz vor der Schließung steht, da der Dienstleistung kein Wert mehr gegenüber steht.

Der Peepshowsektor reduzierte sich in den letzten Jahren in Wien von elf auf sechs Anbieter. Im long run einer Geschäftstätigkeit garantiert nur Preisstabilität eine kaufmännische Performance. Salopp gesagt heißt es im Geschäftsleben: Ist der Preis erst einmal über die Knie, dann rutscht er auch über die Knöchel und man bringt ihn nicht mehr hoch.

Abverkauf

Dieses Journal behauptete schon Mitte 2008, dass die Peepshow Raaberbahngasse bald zusperrt und den teuren Geschäftsraum (Miete: 8.000 Euro) in eine lukrativere Table-Dance Bar umwandelt. Die Aldi-Methoden der deutschen Inhaber, Kessler-Brüder, weisen in diese Richtung.

Noch einmal Massen-Abverkauf von DVD-Ware aus Deutschland (Deutscher Video Ring). Die Peepshow Raaberbahn in Wien-Favoriten gleicht schon lange mehr einem Erotiksupermarkt. Und nächstes Jahr? Im Jänner 2009 werden die wenigen verbliebenen Kunden sagen: Im Dezember zahlten wir pro Minute Peepen nur 50 Cent und nun wieder einen Euro? Nicht mit uns. Die Taktik ist insgesamt unklug. Kein Taxilenker käme auf die Idee, nur weil Weihnachten ist, die Fuhre um den halben Preis zu fahren.

Es sind Geschenke, die an Selbstaufgabe grenzen. Die „Raaberbahn“ hat sich im Dezember 2008 selbst aufgegeben.

Aldi unter den Wiener Peepshows: Peepshow Raaberbahngasse. Noch einmal zum Ansehen, denn Bestand hat das Geschäftsmodell nicht. Bald herrscht tiefe Nacht. (Foto: Sepp Zaunegger für B&G)

Marcus J. Oswald (Ressort: Peepshow)

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