Rotlicht in Wien und der Welt

Josef Stern will durchstarten – Zeitung „Österreich“ hilft

Posted in Variete, Wien by rotlichtwien on 23. Mai 2010

Will mit dem Maxim noch einmal richtig durchstarten: Josef Pepi Stern (re.), heute 70 Jahre alt.
Im Archivbild mit seinem Anwalt Herwig Ernst aus Korneuburg.
(Foto: Marcus J. Oswald am 1. Dezember 2006 vom Landesgericht Korneuburg)

(Wien, im Mai 2010) Der unverbesserliche Josef „Pepi“ Stern träumt wieder von alten Zeiten. Von viel Plüsch, Mutzenbacher, den Grafen und Adeligen, die es nicht mehr gibt. Er ist nun 70 Jahre alt und wollte schon 2006 das Lokal „Maxim“ an der Kärntnerstraße 61 mit Tanz, Magie und Varieté beleben. Das scheiterte haarscharf und wohl an unfähigen Mitarbeitern in seiner Abwesenheit.

Just und auffälligerweise zu einem Zeitpunkt der kürzlichen Haftentlassung eben dieses unfähigen Mitarbeiters, über den er im Gerichtssaal am 13. Oktober 2006 zu dessen „Entlassung“ sagte „Wenn er wieder 10 Mädchen bringt, ist er wieder eingestellt“, will der Senior des Wiener Rotlichts noch einmal mit dem Maxim durchstarten. Wieso gerade jetzt, ist unklar. Jedenfalls hilft ihm die Zeitung „Österreich“.

Fest der Auferstehung

Pfingsten ist das „Fest der Auferstehung“. Passend zum Tag veröffentlichte am Pfingstsonntag die Zeitung einen launigen wie leicht deplazierten Artikel, auf jeden Fall einen mit Werbewert. Josef „Pepi“ Stern darf darin sein „Maxim“ ankurbeln und den Mund wässrig machen. Der Artikel heißt denn gleich auch: „Neuer Glanz im Wiener Nachtleben“ (!). Und er beginnt mit der neuen Erkenntnis: „Eine Weltstadt braucht mehr als 200 Bars und Bordelle, meint Nachtkönig Josef Stern“.

Schön gesagt. Und interessant, dass „Österreich“ offen Werbung für einen Rotlichtbetrieb macht, der neben der harmlosen Schmonzette wie Varieté, Zauberei und Separeé auch Haus- und Hotelbesuche und „Begleitungen“ anbietet. Stern ist durch sein smartes und durchaus altmodisch-einnehmendes Auftreten gut getarnt. Doch er arbeitete mit Franky Hohenberger zusammen, ist mit Werner „Donaudolls“ Schmuck und anderen Sex-Club-Betreibern bekannt (Schmuck sagte in seinem Prozess 2006 aus und stellte sich gekonnt dumm).

Operettenfreund

Vielleicht ist der Beitrag aber dann doch nicht eine so gute Werbung. Zum einen muss man die „Maxim“-Webseite einmal finden (wenn man sie nicht kennt, bedarf es dazu einiges Können). Und dann ist die Straßenadresse im Zeitungsbeitrag falsch angegeben. Schuld war ein Ziffernsturz. Das „Varieté“ ist nicht in der Kärntnerstraße 26, sondern auf 61. Stimmen mag aber, dass es das „einzige Varieté“ Wiens ist. Denn nach „Varieté“ ist nicht jedem. Die alten Renz- und Moulin-Rouge-Zeiten sind in den 70ern gewesen.

Sucht nach jungen Frauen

Josef Stern denkt einfach nicht ans Aufhören. Es ist seine Sucht nach jungen Frauen, mit denen er sich umgeben will. Und er ist Operettenfreund. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit zitiert er den Grafen Danilo aus der „Lustigen Witwe“. Der singt: „Dann geh‘ ich ins Maxim, dort werde ich intim“.

Man weiß (nicht erst) seit dem 23. Mai 2010, dass er alte Zeiten wieder beleben will. Mit Ostprostituierten und Animierdamen aus der Tschechei oder Moldawien und Litauen. Mit letzteren beiden Nationalitäten ging das 2006 furchtbar in die Hosen. Doch Alter macht weise und leise. Nur leise ist der Werbebeitrag nicht.

Pepi Stern denkt nicht ans Aufhören und will neuerlich - nach 2006 - das Maxim medial anfeuern. Damals verbrannte er sich die Finger. Auch diesmal hofft er auf Adelige und Grafen als solvente Abendgäste im Varieté. (Foto: Oe, 23. Mai 2010, s. 20)

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Aus dem Geschichtsbuch:

Fall Franz Hohenberger: Unterhaltung, Tanz, Vorführung, Separée
(Archivbeitrag von Vorgängerseite „Blaulicht und Graulicht“/gerichtlive, 13. Oktober 2006)

Fall Franz Hohenberger – Unterhaltung, Tanz, Vorführung, Separée

Posted in Variete, Wien by rotlichtwien on 13. Oktober 2006

Franz Franky Hohenberger am 13. Oktober 2006. (Foto: Marcus J. Oswald im Landesgericht Korneuburg)

Richter Neumar: „Wie sind Ihre Vermögensverhältnisse?“ –
Franz Hohenberger, 49: „Ich habe eine Million Euro Schulden.“

(Wien/Korneuburg, im Oktober 2006) Franz Hohenberger, der Plauderer. Franz Hohenberger, der Wohltäter. Franz Hohenberger, der mutmaßliche Mädchenhändler. Im Sommer 2005 füllte er die Titelseiten der Wiener Wochenzeitungen „Falter“ und „News“ mit seiner Geschichte rund um litauische Mädchen aus dem „Maxim“ in der Wiener Kärntnerstraße 61.

Seit Jänner 2006 darbt er in Korneuburger Untersuchungshaft, hat sich aber seine Redseligkeit nicht nehmen lassen. Gesprächig waren auch die litauischen Mädchen. Acht Bände umfasst der Akt (431 Ur 62/05f) mit Aussagen der Mädchen, in denen es durchaus um Schlüpfriges geht, etwa die berühmte „Unterwäsche- und Intimrasurkontrolle“.

Richtige Intimrasur – „Manchmal schon gschaut, keine Frage“ (Hohenberger)

Hohenberger wies das auf richterlichen Vorhalt gar nicht zurück, erklärte es aber – ein echter „Hohenberger“ eben – redselig: „Wenn ich das den ganzen Tag gemacht hätte, hätte ich den ganzen Tag nichts anderes tun können. Manchmal hab ich schon gschaut, keine Frage.“ Gschaut darauf, dass die Mädchen im „Maxim“ keine Unterwäsche trugen und eine gute Intimrasur hatten.

Franz Hohenberger muss für gestandene Rotlicht-Erprobte, die das Geschäft seit zwanzig Jahren kennen, die reinste Nervensäge gewesen sein. Der Bruder des Bezirksvorstehers im 3. Wiener Bezirk, der zuletzt auch als selbstständiger Versicherungsmakler arbeitete, fiel mit seinem Fall erstmals Mitte 2005 auf. Bis damals kannte ihn in Wien keiner, er war eine Randfigur. Plötzlich tauchte der Akt aus seinem Prozess 2004 – durch Peter Laskaris lanciert – bei Zeitungen auf und aus den Telefonprotokollen wurde Delikates zitiert. Über Hohenbergers „Escort-Agentur“ mit Namen „Netmodels“ buchten Personen der Gesellschaft junge Russinnnen. Bis in die Parlamentsdirektion, das Straflandesgericht Wien und zu Ed Fagan gingen die Bestellungen, für die Liebeshungrige bei Hohenberger (angeblich) gut zahlten.

Hohenberger zum Gericht: „Nur ausgesuchte Mädchen, keine Mädchen von der Straße“

Medien sprachen damals entrüstet von „Ausbeutung der Frauen“. Mag sein, ist ein anderes Thema. Auffällig
war nur, was folgte: Eine Selbstinszenierung. Hohenberger lud etwa „NEWS“ ins „Maxim“ ein, ließ in den Räumlichkeiten die Mädchen ablichten – das NEWS-Titelcovergirl der entsprechenden Ausgabe
(37/05 – 15. September 2005) war laut Auskunft von Insidern erst 17. Zugleich wurde begleitend leise Kritik laut, dass Hohenberger in seinem Prozess 2004 zwar 30 Monate teilbedingte Haft bekam, aber nach 10 Monaten im
Mai 2005 wieder frei war, und dort weitermachte, wo er aufgehört hatte: Im Import-Export-Biz von „Tänzerinnen“. Die er wörtlich so definiert: „Prostituierte, die auch tanzen“ (c / Hohenberger). Wert gelegt wurde auf viele Dinge: Sie sollen „entsprechend gut aussehen“, „Englisch sprechen“, „gutes Auftreten haben“. Kurz, es sollten sein:
„Schöne Mädchen, die man auch auf den Laufsteg bringen kann.“ (c / Hohenberger).

Die neuen Pläne wurden in der Haft geschmiedet. Der Richter von damals war heute derselbe. Der ungefähr 40-jährige Rat, in seiner geduldigen Verhandlungsführung ein Musterbeispiel für einen qualifizierten Richter, begrüßte den Wiener bei seinem nunmehrigen Verfahren fast familiär: „Herr Hohenberger, na lang haben sie’s nicht ausgehalten. Haben Sie sich nach dem ersten Scheitern nicht überlegt, die Finger davon zu lassen?“ Solche Fragen sind für Franz Hohenberger, der von alten aristokratischen Zeiten des Varietés träumt, Steilvorlagen: „Irgendwo muss ich auch zu meinem Geld kommen. Laskaris (sein Geschäftspartner aus 2004, Anm.) hat mir Geld geschuldet.“

„Wurde bedrängt“

Dazu drückten alte Lasten. Franz Hohenberger mischt erst seit 1995 in der Wiener Rotlicht-Szene mit. Davor war er in einer Bank beschäftigt. Bei der er sich freimütig und elegant, wie er ist, bediente. Der „Sir“ im Nadelstreif musste von 1992 bis 1995 eine dreijährige Strafe wegen Veruntreuung von mehreren Millionen Schilling absitzen. Gleich danach stieg er in das Escort-Service-Geschäft ein, „weil dort etwas zu verdienen war.“ Zu Beginn war er mit der ehemaligen Missen-Macherin Cornelia Süss partnerschaftlich aktiv. Später gründete er die Agentur „Netmodels“, die dann ins Internet ging.

2004 unterbrach die teilbedingte Haft von einem knappen Jahr seine Planung. Der Richter wollte noch einmal wissen: „Haben Sie nicht für sich einmal in Erwägung gezogen, vom Rotlicht Abschied zu nehmen?“ Hohenberger: „Wenn Laskaris nicht so gedrängt hätte, wäre ich nie wieder ins Rotlicht eingestiegen.“ Hohenberger hat übrigens in der Branche den Spitznamen „Franky“. „Franky“ ist heute ein Litauen-Experte. An seinem Wissensschatz ließ er auch das Gericht teilhaben – und erlaubte sich weit auszuholen. In einem fünfminütigen Vortrag zeichnete er seine Sicht vom Land der tausend Kirchen: „Litauen ist ein ganz spezielles Land“, hob er an. „Die Litauerinnen sind zu 80 Prozent Prostituierte ab 14“, sagte er. Hier verhaspelte er sich jedoch, denn das hieße, dass 80 Prozent der litauischen Frauen ab dem 14. Lebensjahr der Prostitution nachgingen. Gemeint war natürlich: Aus der Summe derer, die der Prostitution nachgehen, sind 80 Prozent ab dem 14. Lebensjahr dabei.

Loblieb auf Litauen

Zu Litauen kam „Franky“ im Zeugenstand ins Schwärmen. Litauische Frauen sind attraktiv, wegen des Frauenüberschusses im Land willig, reisebereit und „geldfixiert“. Westeuropa sei für die jungen Litauerinnen ein interessantes Feld. „In Großbritanien entsteht gerade ein neuer Markt für Litauerinnen“, erklärte „Franky“ in seiner Expertise dem Richter. „Die Mädchen“, so Franz „Franky“ Hohenberger, „wissen ganz genau, warum sie kommen.“ Nämlich: „Die wollen verdienen.“

Ein Herz und eine Seele, wie es zwischen Anwalt und Mandant sein soll: Der Gentleman im Wiener Nachtgewerbe, Josef Pepi Stern - links als Zweitangeklagter, und sein Korneuburger Anwalt Dr. Herwig Ernst.
(Foto: Marcus J. Oswald im LG Korneuburg am 13. Oktober 2006)

Bald war es auch für Hohenberger wieder soweit. Er kam aus Korneuburg zurück. Nach Haftende, im Mai 2005, wurde er Josef „Pepi“ Stern in Wien vorgestellt. Dieser suchte gerade für seinen Club „Maxim“ am Kärntnertor in der Wiener City einen Manager. Dr. h.c. Stern, der in der Wiener Rotlichtbranche als der „Professor im Nachtgewerbe“ bezeichnet wird, wollte Schwung in das soeben von „Crazy Cats“ auf „Maxim“ umbenannte Lokal bringen. Hohenberger erinnert sich, was sein sollte: „Laut Stern auch Varieté, auch Unterhaltung, auch Separées, keine Frage.“

Der Herr Professor Dr. Stern

Franz „Franky“ Hohenberger und Josef „Pepi“ Stern waren sich sofort sympathisch. Hohenberger hatte ein Faible für Geld und schöne Frauen. Stern imponierte an ihm, dass er sich gewandt ausdrücken konnte, durchaus im altmodischen Sinn Stil hatte. Stern schwebte vor, an die alte Wiener Innenstadt-Tradition der Varieté-Clubs anzuschließen. Die alte Casanova-Bar, das Kabarett Renz, Schimankos Moulin Rouge waren die Vorbilder.

„Pepi“ Stern ist ein Urgestein des Wiener Nachtlebens. Es ist seit 1966 dabei, führte ab 1977 den Tanzclub „Pigalle“ beim Auge Gottes-Kino. Danach bis 1997 das alte „Maxim“ in der Operngasse. Heute gehört ihm die „Monaco Bar“ im 7. Wiener Bezirk. Eine Weile betrieb er in Kroatien „den schönsten Gogo-Club“ (Eigendefinition Stern). Zudem gehört ihm an bester City-Adresse das „Crazy Cats“ (nun „Maxim“) sowie ein „Lavazza“ Cafe und ein Spielautomatenlokal an selber Adresse. Und ein „Maxim“ im ungarischen Grenzgebiet bei Hegeyshalom.

Während Josef „Pepi“ Stern das aufzählte, wurde der Richter stutzig. In der Vermögensangabe gab Stern an, „Pensionist“ zu sein und von „1.100 Euro Pension“ zu leben. „Was verdienen Sie denn da zur Pension dazu, wenn Sie so viele Geschäfte betreiben?“ Stern: „1.000 Euro im Monat.“ Der Richter blickte ungläubig. Stern ergänzte: „Und die 1.000 Euro gehen direkt an die Bank für eine Hypothek für ein Haus.“ Also de facto kein Zuverdienst, nur die Armenrente. Immerhin besser als „eine Million Euro Schulden“, die Hohenberger in seiner Vermögensdarstellung angab.

Große Ziele – Abfahrtshocke – böse Zungen

Hohenberger sah sich bestens geeignet für das große Ziel „Varietéclub“. „Das Ganze hat sich entwickelt“, erzählte er Richter Neumar. Er war als operativer Manager eingesetzt. Eigentümer war die „Stadtgespräche AG“, eine Balkanfirma, in der Stern Aufsichtsratspräsident war. Am 5. Juli 2005 war Maxim-Eröffnung. „Pepi“ träumte von 1.000 Gästen zum Startschuss, doch es kamen nur rund zwanzig. Das blieb der stärkste Abend an der Kärntnertorpassage. Ein Lokal dieser Größe frisst im Monat 8.000 Euro Miete, dazu Strom für die aufwendigen Lichtanlagen und die Heizung. Zu Beginn waren nach Angaben Hohenbergers 23 Mädchen, großteils aus Litauen anwesend. Es waren großteils Studentinnen, die das Ferien-Abenteuer im Westen suchten. Ab September 2005 sollten Moldawierinnen nach rücken, da in Litauen das Studiensemester wieder anfing.

Franz Hohenberger, 49, ist de facto pleite und seit einem Jahr in Haft. Einen Rechtsanwalt hat er trotzdem und zwar keinen Verfahrenshelfer: Der elegante Berliner in Wien Dr. Thomas Nirk, der jedoch bereits am zweiten Prozesstag durch einen Verfahrenshelfer ersetzt wird, da ihn Hohenberger nicht zahlen konnte.
(Foto: Marcus J. Oswald im LG Korneuburg, am 13. Oktober 2006)

Das Korneuburger Schöffengericht interessierte im Wesentlichen vier Themenkreise:

  • Lag Menschenhandel bei der Anwerbung, Einfuhr, Einquartierung der Mädchen vor?
  • Lag Vergewaltigung durch die Chefität des Clubs vor oder sexuelle Nötigung?
  • Lag Drohung und Nötigung durch die Organisationsstruktur des Lokals vor, etwa durch Abnahme der Pässe oder Knebelverträge?
  • Lag eine kriminelle Organisation vor?

Das sind die vier rechtlichen Fragen und diese sind, neben der launigen Darstellung Hohenbergers, der sich zu allen Punkten nicht schuldig bekannte, ernsthaft.

Böse Zungen behaupten in Einvernahmeprotokollen, dass Franz „Franky“ Hohenberger mit einigen Damen selbst Sex hatte. Das bestreitet er nicht. Im Club hatte er quasi die Funktion des Hausstiers. Laut schriftlichen Zeugenaussagen sagte er den Mädchen, er müsse jede „testen“. Sonst könne er sie keinem Gast empfehlen.

Diese Dinge werden erst in den nächsten Verhandlungstagen analysiert. Auf Video werden einige Duzend Einvernahmen angesehen. Der Richter analysierte – ohne vorgreifen zu wollen – vorab: „Ich mache Vergewaltigung (Verhandlungen zum § 201er StGB-Delikt, Anm.) schon lange. Die meisten Frauen schildern Vergewaltigungen sehr ausgeschmückt. Hier nicht.“

Am ersten Prozesstag gab Hohenberger nur zu, dass er mit einigen Mädchen im Separée des „Maxim“ Sex hatte. In den Polizeiprotokollen steht etwas von „Oralverkehr“.

Shoppen, Big Apple, Verdienstspannen

Hohenberger betonte hingegen, dass er den Mädchen Kleider um 400-500 Euro kaufte und mit ihnen Essen ging. Er nahm sie auch ins „Big Apple“ mit, ein Table-Dance-Club in der Wiener Innenstadt, saß mit ihnen beim Sekt, um Werbung für das „Maxim“ zu machen. Hohenberger genoß sein Leben. Genau in diese Zeit fällt auch eine Vermittlung über seine „Netmodels“, die als „Prinzen-Gesellschaft in Ibiza“ bekannt wurde. Im August 2005 vermittelte er eine Litauerin auf ein Boot zu einem Prinzen. Die Litauerin „verdiente dort 8.400 Euro“, so Hohenberger vor dem Korneuburger Richter. Als sie nach Wien zurück kam, blieben 3.000 Euro bei der Agentur und rund 5.400 Euro dem Mädchen.

„Franky“ war stets um das Wohl der Mädchen bedacht. So sagte er zum Korneuburger Richter: „Mir war immer lieber, sie geht nicht aufs Zimmer (Separée im „Maxim“), sondern bleibt hier und trinkt Sekt um 200 Euro, als sie geht aufs Zimmer um 85 Euro, von denen das Mädchen 45 Euro hat.“ Die gleiche Philosophie vertrat er bei seiner „Netmodels-Begleitagentur“: „Wir machten gehobenen Escort ab 200 Euro. Weil andere machen das ab 80 Euro, aber da verdient das Mädchen ja nichts mehr und das wollte ich nicht.“ Er bestritt auch verhement, je Gewalt angewendet zu haben: „Brutalität könnt ich net, dazu bin ich net erzogen worden.“

Kaufmann Josef Pepi Stern. (Foto: Marcus J. Oswald)

Am ersten von zumindest drei Prozesstagen im „Fall Hohenberger“ ist die Rolle des mitangeklagten Josef „Pepi“ Stern (66) noch nicht klar. Sein Anwalt Dr. Herwig Ernst aus Korneuburg rechnet mit Freispruch, da er als Besitzer des „Maxim“ in den Monaten Juni 2005 bis September 2005, jener Zeitraum, in dem Hohenberger als Manager eingesetzt war, gleich über drei volle Monate im Ausland gewesen sein soll und auch sonst nicht täglich über die Vorgänge Bescheid wußte, die seinen Club betrafen. Sterns Vorteil: Er ist nicht vorbestraft, was ihn schonen könnte.

Drei Dinge wurden am ersten Verhandlungstag noch angesprochen. Ein Faktum war: Wer kontrollierte die Pässe und stellte die Visa-Anträge? Kurz gesprochen: Diese Aufgabe hatte „Maxim“-Barkellner Ludwig Pollak Inne. Er meldete die Mädchen an und kontrollierte die Personaldaten. „Sowohl der Stern oder meine Wenigkeit kümmerten sich nicht darum“, so Hohenberger vor dem Richter.

Ludwig Pollak war der Barchef im „Maxim“. „Wir haben ihn alle Wickerl genannt, bitte mein Bonmot zu entschuldigen“, so „Franky“ Hohenberger. Pollak war nur für die Bar und die Verpflegung der Mädchen im Club zuständig. Die Wohnungen betreute Hohenberger. „Maxim“-Eigner Stern verfügt über mehrere Wohnungen in Wien, unter anderem in der Lindengasse im 7. Wiener Bezirk und in der Bösendorferstraße im 1. Wiener Bezirk, hinter dem „Maxim“. In diesen Bleiben wohnten die Mädchen aus Litauen im Sommer 2005.

In der Tat dürfte man um Korrektheit bemüht gewesen sein. Bei der Hausdurchsuchung fand man 9 Visa-Anträge und 16 Reisekrankenversicherungen, die sich ab September 2005 auf Moldawierinnen und Rumäninnen bezogen. „Doch die Mädchen kamen nicht“, so Hohenberger leicht enttäuscht. Mit den Visa sei es heutzutage nicht mehr so einfach wie früher, da es kein Tänzerinnenvisum mehr gibt. Hohenberger erfuhr über einen onimösen Zwischenhändler, einen Barbesitzer namens „Ramosa“, dass in Niederösterreich und Burgenland noch „Prostituiertenvisa“ vergeben werden.

Prostituiertenvisa sind dann auszutellen, wenn die Frau nachweislich auch im Heimatland bereits den Beruf der Prostitution ausübt. Dann ist in Österreich eine Abgaben- und Sozialvorauszahlung in der Höhe von drei Monaten zu leisten. Der niederösterreichische Barbetreiber aus Baden bei Wien hätte vier Mädchen aus Rumänien bei sich angemeldet – für das „Maxim“. Dies entspricht Kosten von rund 750 Euro pro Person. Laut Hohenberger sagte „Maxim“-Chef zu und übergab ihm 3.000 Euro zur Beschaffung von vier solcher Visa. Doch die Mädchen kamen dann nicht, da zu diesem Zeitpunkt Prostitution in Rumänien verboten wurde. Das Geld versiegte.

Wieviel verdiente Hohenberger?

Ursprünglich war in diesem Verfahren um mutmaßlichen Menschenhandel aus Litauen nur „Maxim“-Manager Franz Hohenberger angeklagt. Er ist seit 13. Jänner 2006 in U-Haft. Er machte eine Menge divergierende Aussagen im Akt. Der Richter forderte ihn einmal zu einer Linie auf: „Herr Hohenberger, Sie haben ja schon viele Aussagen gemacht, was stimmt denn nun?“

Auf gemeinsamer Linie waren „Pepi“ Stern und „Franky“ Hohenberger zwischen Mai 2005 und September 2005. Nachdem vier Monate lang sein Telefon abgehört wurde, kam Hohenberger in U-Haft. Hohenberger galt lange als Alleinangeklagter. Dann zog er Stern mit hinein. Ab Juli 2006 meldeten sich ungefragt plötzlich auffällig viele Leute bei der Polizei und äußerten sich zu Diversem. Das ist der Grund, warum nun auch Stern auf der Anklagebank sitzt. Er kam von „freiem Fuß“ und die beiden sind auch nicht bös aufeinander. Sie unterhielten sich in der Verfahrenspause. Im kleinen Gerichtssaal waren sie auf einer Linie. Einmal sagte der Richter: „Na schön, dass sie einig san.“

Nur in einem Punkt gab es offenbar keine gemeinsame Linie. Als es ums Geld ging. Hohenberger sagte aus, er habe im „Maxim“ 1.000 Euro Fixum und 5% vom Umsatz (Getränke) verdient. An den Mädchen habe er „nicht mitgeschnitten“. Die Mädchen wiederum verdienten so: „50% vom Zimmer“ und „10% vom Getränk“.

Auf der Ebene der „Netmodels“-Escort (situiert an selber Adresse) war der Schlüssel laut Hohenberger „50% bei Maxim“ und „50% bei Mädchen“. Wobei sich die „50% Maxim“ laut seiner Darstellung so aufteilten: „50% Stern“ und „50% Hohenberger“. Auf die Frage des Richters: „Sie haben also nicht ihr eigenes Süppchen gekocht“ – Hohenberger: „Kann ich ja nicht. Ohne den Inhaber geht nichts.“

Stern-Anwalt Herwig Ernst im Pausengespräch mit dem Staatsanwalt, als die Richter einen Enthaftungsantrag zu Hohenberger beraten. Mit kleinen Gerichten wie Korneuburg verhält es sich wie mit kleinen Fussballstadien: Gewaltenteilung und Spielregeln sind die gleichen, doch die Atmosphäre ist vertrauter. Man ist näher am Geschehen. Im Saal 7 am LG Korneuburg gibt es nicht einmal einen Computer. Schriftführerin ist eine Stenografin, eine beleibte, ältere Frau im rosa Pulli, die den gesamten Prozessverlauf mit der Hand mitschreibt.
(Foto: Marcus J. Oswald im LG Korneuburg am 13. Oktober 2006)

Dem widersprach Stern. „Nein, Herr Hohenberger hat vom Maxim gar nichts verdient.“ Wohl hatte er ein Fixum, aber keine Umsatzbeteiligung. Er verdiente nur beim „Auslösen“ an „Netmodels-Escort“. Das heißt, wenn er als Vermittler einen externen Auftrag an Land zog, etwa die Ibiza-Prinzen-Geschichte. Insgesamt verdienten im „Maxim“ offenbar die Mädchen mehr als die Inhaber. Ende September 2005 kam es zum Zerwürfnis. Im Club „Maxim“ waren nur mehr zwei Mädchen, „Tänzfähige“ (c / Stern) da. Franz Hohenberger wurde gekündigt. Stern zum Richter, wie er das begründete: „Wenn er wieder 10 Mädchen bringt, ist er wieder eingestellt.“

Wer bezahlte die Flüge und Einfuhren?

Klare Linie herrschte unter den Anklagten in einem Punkt. Zur Kernfrage in jedem Menschenhandels-Prozess: Wer bezahlte die Flüge der litauischen, reisewilligen Mädchen nach Österreich? Wer holte sie vom Flughafen ab? Beide, Hohenberger und Stern, bestritten, damit etwas zu tun zu haben. Die Flüge wurden von den Litauern vorfinanziert. Ein Dokument der Kreditkartenfirma belegt, dass der Flug und Aufenthalt einer litauischen Frau im August 2005 mit der Kreditkarte des „Maxim“ bezahlt wurde. Verteidigungslinie: Ja, das stimmt. Aber besagte „Delara“, die im August 2005 nach Wien kam, war keine Prostituierte, sondern eine „Vermittlerin“. Litauen-Experte Hohenberger konkretisierte: „Sie war früher einmal eine Prostituierte. Heute ist sie Vermittlerin.“ Diese Frau arbeitete nicht für das „Maxim“, sie war nur als Gast in Wien.

Polizeiliche Überwachungen von Hohenberger ergaben, dass er viele Fahrten zwischen Flughafen und Wien erledigte – und wie aufgezogen telefonierte. Diese Bänder werden teilweise in den nächsten Verhandlungstagen angehört. In den nächsten Verhandlungstagen wird sich dann auch klären, was Stern wußte. Sein Anwalt sagt, er war in der Hohenberger-Zeit von Juni 2005 bis September 2005 „über drei Monate im Ausland“. Kroatien bis Brasilien. Er konnte nicht alles wissen. Hohenberger arbeitete sehr eigenständig und nach eigenen Ideen.

Mit Hohenberger wird auch weiterhin zu rechnen sein. Dem Richter erklärte er das neue Europa: „Wenn Rumänien und Bulgarien bald zu EU kommen, gibt es die Probleme mit den Visa nicht mehr so sehr wie heute.“ Auch sonst war der Mann mit dem taillierten Nadelstreifsakko selbst im kleinen Korneuburg bei der Sache.

„Was einen guten Club ausmacht?“, wollte der Richter wissen. Hohenberger brachte es von der Anklagebank in einen Satz: „Unterhaltung, Tanz, Vorführung, Separée.“

Fall Hohenberger: 1. Prozesstag (13. Oktober 2006)

Die Richter Helmut Neumar (rechts im Bild) und Beisitzer Rainer Klebermaß verhandelten vier Prozesstage gegen Franz Hohenberger und Josef Stern. Die Urteile wurden von beiden Angeklagten so nicht erwartet: Vier Jahre unbedingt für Hohenberger und 18 Monate bedingt auf drei Jahre für Stern. (Foto: Marcus J. Oswald für B&G)

Die weiteren Prozesstage fanden in Anwesenheit des Journals statt: 2. Prozesstag (30. November 2006), 3. Prozesstag (1. Dezember 2006), 4. Prozesstag und Urteil (7. Dezember 2006)

Marcus J. Oswald (Ressort: Wien, Variete)

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