Rotlicht in Wien und der Welt

Victor Hennemann kandidierte bei Wirtschaftskammerwahlen für FPÖ

Posted in Politik, Wien by rotlichtwien on 14. April 2010
Victor Hennemann FPÖ-Mitglied

Victor Hennemann, Betreiber des Swingerclubs Atlantis, ging im März 2010 für die FPÖ in die Wahl. (Foto: Kandiatenliste Februar 2010, Archiv Blaulicht und Graulicht)

(Wien, im April 2010) Zwischen den Webseiten Korepalast und FPÖ pro Mittelstand ist ein großer Unterschied. Die eine gehört Victor Hennemann und hat pornografische Züge, die andere gehört der FPÖ.

Bei der „Wirtschaftskammerwahl 2010“, die von 27. Februar bis 2. März 2010 lief, war man sich aber einig. Victor Hennemann kandidierte für die FPÖ. Am zweiten Listenplatz in der berüchtigten Fachgruppe 603, in der zum einen Gesundheitsambulatorien, zum anderen Swingerclubs erfasst sind und wirtschaftsseitig vertreten werden.

Zu erwähnen: Die Wahl ging für die FPÖ schlecht aus. Insgesamt siegte die ÖVP mit einer Gesamtzustimmung von über 70 Prozent. Die Freiheitlichen traten in zwei Gruppen an. „Ring Freiheitlicher Wirtschaft“ und die Gruppe „FPÖ pro Mittelstand“. Beide kamen in Gesamtösterreich nicht über neun Prozent hinaus.

Die Wahl zum Wirtschaftskammertag wurde für die FPÖ zur Schlappe. Nur vier von 172 Stimmen erhielt die Plattform, woraus zu schließen ist, dass der Mobilisierunggrad auf der Matratze wohl stärker ist als unter den Stimmgebern. (Foto: Wahlergebnis Fachgruppe 6; Tabelle WKÖ; Bearbeitung B&G)

Dass sich Victor Hennemann mit seinem unorthodoxen Lebensstil für die FPÖ aufstellen lässt, ist eine Analogie zu Richard Steiner, der am Wiener Gürtel Geschäfte machte und derzeit in der JA Josefstadt die Runden dreht. Dieser hielt zwar durch seinen veganischen Spleen Nähe zu Grünpolitikern und zu urban-liberalen Städtern, doch in seinem Clublokal „Pour Platin“ feierten Vertreter der FPÖ aus der Burschenschaft „Silesia“ feuchtfröhliche Geburtstagsparties.

Doppeltes Tischtuch

Dass freiheitliche Politiker immer wieder zu „harten Massnahmen“ gegen die Prostitution aufrufen, aber zugleich Personen wie Victor Hennemann als Kandidaten für diese Partei gehen, zeigt den medientauglichen Populismus der Partei, der genau solange standhält, bis man das Tischtuch umdreht und schaut, was darunter liegt.

Es könnte ein zweites Tischtusch zum Vorschein kommen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Wien, Politik)

Gaysaunas und Swingerclubs mit Ärzten in gleichem Dachverband der Wirtschaftskammer

Posted in Politik, Wien by rotlichtwien on 12. April 2010
Krankenhäuser und Singerclubs werden von einer Dachsparte vertreten

Die Wiener Ärzte protestieren, dass sie in einem Dachverband mit den Gaysauna und Swingerclub-Betrieben sind. (Mitgliederstatistik WKÖ Wien)

(Wien, im April 2010) Ärzte propagieren öffentlich die Vorsorge und das gesunde Leben und sorgen für das Wohl des Patienten. Niedergelassene Ärzte sowie private Krankenanstalten sind in der Wirtschaftskammer Österreich in der Fachgruppe 603 organisiert. Mit ihnen die Privatsaunas.

Das war nicht immer so. Bis vor Kurzem gab es die Fachabteilung „Private Krankenanstalten“ und die Fachabteilung „Sauna und Badeanstalten“. Im Zuge einer Straffung wurden diese Bereiche zusammengelegt und damit wurde auf der Ärzteseite Verwunderung bis Ärger ausgelöst. Die Ärzte befürchten nun, dass die Rotlicht-Betriebe das Regime im Fachverband 603 in der WKÖ (Wirtschaftskammer Österreich) übernehmen könnten. Zumindest im Wiener Teilverband.

5% der aktiven Betriebe der Abteilung 603 sind „Rotlichtbetriebe“

In Wien gibt es ungefähr 15 Swingerclubs und Spezialsaunas, die mit Krankenhäusern eher wenig zu tun haben. Doch sie sind deutlich in der Unterzahl und können keine Mehrheit in der Fachgruppe 603, die seit einem Jahr „Private Krankenanstalten und Kurbetriebe“ heißt, erzeugen.

Derzeit sind noch nicht viele einschlägige Betriebe angemeldet. Oswald Bacovsky, Fachsprecher der Wiener Wirtschaftskammer, weiß von knapp über zehn Swinger- und Saunaclubs, die in der Fachgruppe gemeldet sind. Da die Wiener Gruppe 300 aktive Betriebe im Gesundheitsbereich umfasst, habe in der Mehrheit die tatsächlichen Ärztschaft das Sagen. Die anrüchige Abteilung der Rotlichtbetriebe bleibt weit in der Unterzahl.

Auch Lebensberater und Astrologen in Abteilung 603

Ebenso in der Unterzahl sind die „Lebensberater“ und „Astrologen“, die auch der Gruppe 603 der Wirtschaftskammer angehören. Die Kammer will weiterhin starkes Lobbying für die Gesundheit aller Menschen machen. Auch wenn manche Dienstleister Quacksalber sind.

Marcus J. Oswald (Ressort: Wien, Politik)

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