Rotlicht in Wien und der Welt

Nachrichten aus der Unterwelt – Pripfl-Prozess

Posted in Strafprozesse by rotlichtwien on 10. Januar 2011

(Wien, im Jänner 2011) Spontan fallen zu Franz Pripfl drei Dinge ein. Alle liegen in der Vergangenheit.

Franz Pripfl hatte einen Auftritt in der Fernseh-Talk-Show bei Puls TV mit Namen „Talk of Town“. Nachdem im Jänner 2006 Robert Mang überführt worden war, der die Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum gestohlen und das Museum erpresst hatte, holte Franz Pripfl das Salzfass aus einem Waldstück im 200 Einwohner-Ort Brand (Niederösterreich) nach Wien zurück. Danach ging er ins Fernsehen und war etwas gereizt. Der Moderator der Sendung machte eine oberflächliche Bemerkung, dass das Geschehen am 11. Mai 2003 während der Langen Nacht der Musik nur halb so wild sei und nur ein Gelegenheitsdiebstahl. Pripfl fuhr vor laufender Kamera aus der Haut: Stimmt nicht! Mang hat das Baugerüst an der Fassade erklommen, das Fenster eingedrückt, die wertvolle Pretiose von Benvenuto Cellini gestohlen, dann zwei Mal schriftlich bei der Uniqua-Versicherung Geldforderungen in Millionen-Höhe deponiert. Pripfl machte klar, was sein Rechtsverständnis ist: Das sind schwere Verbrechen. Es gäbe keinen Grund, das runterzuspielen, bloß weil Mang ein bubenhaftes Gesicht habe und Frauenschwarm sei. Das wirkte im Fernsehen übermäßig streng. Das Ergebnis gab ihm Recht. Der Saliera-Erpresser erhielt fünf Jahre Haft.

Weitere Episode: Sitzen im Februar 2007 einige Leute in einem Lokal im 10. Wiener Bezirk zusammen. Darunter Harald Hauke, Mitstreiter Haukes wie Laskaris, Reder und ein Schwung andere, die aufgeregt reden. Der Herausgeber dieser Seite saß ebenso in der Runde. Hauke war damals soeben aus Hirtenberg endgültig entlassen, er saß drei Jahre wegen „Vergewaltigungsvorwürfen“, die in einem Animierlokal mit Namen „No Name“ im Jahr 2003 stattgefunden haben sollen. Hauke bestritt verhement, er war normaler Kunde eines Mädchens. Das Lokal gehörte: „Repic, dem Zopf“. Repic der Zopf klagt seither alle Medien, die im Zuge von Berichten behaupten, er sei „die rechte Hand“ von Richard Steiner. Repic sieht sich heute als Opfer von Polizeiermittlungen. Andere sehen ihn als geschickten Verschwörer. Genau aus dem Lokal „No Name“ sagten zwei Prostituierte in einem katastrophal geführten Prozess unter dem Vorsitz von Richter Schrammel per Video aus, dass sie von Hauke vergewaltigt wurden. Für den Richter reichte das aus, um drei Jahre Haft auszusprechen. Die Zeuginnen waren nie da, verzogen sich nach Rumänien zurück. Inhalt des Gespräches im Februar 2007 war aber anderes: Die Spielautomaten. Richard Steiner nutzte das Vakuum der dreijährigen Abwesenheit von Hauke, sämtliche Spielautomaten der Hauke-Firma Ballgame aus diversen Gürtel- und gürtelnahen Lokalen entfernen zu lassen. Steiners Ziel war es, den Kontrahenten Hauke finanziell zu schwächen. In manchen Peepshows und auch Rotlicht-Lokalen standen ab 2003 dann andere Marken. Es gab zwar Standverträge, doch angeblich nur eine Klagsmöglichkeit von drei Jahren nach Verletzung dieser Verträge. Durch die Haft entstanden enorme Verzögerungen. Zum damaligen Zeitpunkt des Gespräches im Februar 2007 hatte Hauke nur mehr zwei Wochen Zeit, dann lief diese Frist für immer ab. Dementsprechend „heiß“ war die Stimmung. Hauke und seine Getreuen telefonieren aufgestachelt, um die Verträge zu finden, es wurde ins Telefon geschrieen und Tempo gemacht. Die Verträge waren aber angeblich nicht auffindbar. Mitten in dieses Gespräch im kleinen Lokal im 10. Bezirk platzte die Nachricht, dass „nun ein vierter, nach Horngacher, Frühwirth und Geiger fällt“. Seine Name: Franz Pripfl. Tatsächlich wurde Franz Pripfl im März 2007 dann suspendiert. Die Rede war dann auch noch von „einem Fünften“, dessen Name aber nicht genannt wurde.

Im Jahr 2006 geschah ein Mord in einem ebenso kleinen Lokal in einem anderen Bezirk Wiens: Im schönen Ottakring. Das Café hieß Cappuccino, heißt heute „Café Polo“. Wann immer man bei diesem Lokal vorbei fährt, der Herausgeber dieser Seite tut das ziemlich oft, fällt auf, dass kaum Gäste im Lokal sitzen. Es ist eine Kellnerin und ein Gast im Lokal. Entweder ist das Lokal ein Abschreibeposten für anderes wie Firmenautos oder sonstige Import-Export-Geschäft vom Balkan nach Wien oder es steht kurz vor dem Konkurs. Tatsächlich wurde das Lokal 2009, das geht aus einer Zeugenaussage eines Wirtschaftsprozesses rund um serbische Kredithaie hervor, der am Landesgericht Wien stattfand, bereits zum zweiten Mal nach der Umbenennung unterverpachtet. Man entfernt sich damit ziemlich weit vom Urspungsgeschehen. Das Ursprungsgeschehen: 2006 gab es im „Cafe Cappuccino“ eine Schießerei. Es gab einen Toten. Das Lokal ist so klein, dass man von jedem Sitzplatz einen guten Überblick hat, was im ganzen Lokal geschieht. Dennoch ist dieser Mordfall bis heute nicht aufgeklärt. Ein Mann kam nach 14 Monaten U-Haft (Verteidigung: Peter Philipp) frei. Eine Kellnerin wurde nach Falscher Zeugenaussage verurteilt. Doch der Fall stockt. Dann machte die Kriminalabteilung der Wiener Polizei etwas, was selten geschieht: Eine filmische Komplettnachstellung des Geschehens. Man wollte plastisch sehen, was ablief. Dennoch: Bis heute keine Aufklärung. Nun kommt man zu einer anderen Behörde: Die Staatsanwaltschaft. Diese Behörde ist nun beleidigt. Denn bisher gelang es nicht, den Mord aus 2006 aufzuklären.

Motivierter Staatsanwalt

Der Staatsanwalt im Fall Franz Pripfl ist motiviert. Er wirft ihm unter anderem vor, dass er damals einen falschen Täter aufgebaut hat. (Pripfl sagt aber im Jänner 2011 dem „Kurier“, dass der Mörder sehr wohl der Richtige war.) Staatsanwalt Wolfgang Wohlmuth ist stellvertretend für die gesamte Staatsanwaltschaft beleidigt, weil seine Behörde nach dem „Café Cappuccino-Fall“ nun als unfähig dasteht. Wohlmuth will für die Staatsanwaltschaft Wien die Kastanien aus dem Feuer holen. Denn er will auch Karriere machen. Freilich: Die Sache mit den Kastanien aus dem Feuer holen kann auch nach hinten losgehen. Sehr motiviert war im August 2006 auch ein anderer Staatsanwalt: Er hieß Friedrich König. Er klagte Ernst Geiger an – und scheiterte auf voller Linie. Das erste Urteil lautet drei Monate bedingt (Verteidigung: Manfred Ainedter). In der Wiederaufnahme wurde es Freispruch. König stieg trotzdem auf – er ist heute in der „Korruptionsstaatsanwaltschaft“.

Wolfgang Wohlmuth listete – wie damals 2006 König – in einem dreistündigen Referat zu Prozessbeginn gegen Inspektor Franz Pripfl beim Prozessauftakt am 10. Jänner 2011 viele serbokroatische und bosniakische Namen, Männer wie Frauen und viele Details auf. Wer in der reinen Lehre der Juristen das Leben so sieht und den Zugang zum komplexen „Thema Kriminalität als Lebensstil“ so definiert, muss dies tun. Systematisch, tabellarisch, scheibchenweise, kausal und sehr geordnet. Ob es nach 14 Prozesstagen und ungefähr 50 Zeugen, vornehmlich aus Polizeikreisen, hält, steht auf einem anderen Blatt.

Rotlichtfehden seit 2003

Die vier Namen Horngacher, Frühwirth, Geiger und Pripfl standen ab 2006 in direktem Zusammenhang mit dem Wiener Rotlichtgeschehen und den Ermittlungen dazu. Kurz vor und nach der Hauke-Entlassung im Februar 2007 wurde immer wieder vom Umfeld des Hauke gesagt, dass die Retourkutsche für drei Jahre Haft folgen wird.

Horngacher (Nina Bar)

Auffällig exakt wurde durch Hauke-Assistent Laskaris damals jeder Fehltritt des Horngacher rund um das Innenstadt-Puff „Ninas-Bar“ dokumentiert und in Medien wie „News“ und „Österreich“ gekabelt und lanciert. Laskaris setzte sich auch an vorderster Front mit seinem Pressegeschick dafür ein, dass eine Medienkampagne gegen den Hausherrn der Immobilie begann (den zugegeben umstrittenen Immo-Hai Martin Lenikus), der „Ninas Bar“ den Mietvertrag kündigen und das Haus verkaufen wollte. Schließlich war „Ninas Bar“ die beste Quelle für Fehltritte des damaligen Polizeigenerals Horngacher, der auch dann in der Bar war, als zufällig der Saunaofen brannte und alle Bargäste ans Freie und auf den Gehsteig mussten (und zufällig fotografiert wurden).

Frühwirth (Kuvert)

Auffällig exakt wurde aus dem Umfeld des Hauke das Privatleben des Roland Frühwirth beleuchtet. Auf einmal tauchte das berühmte Foto in den üblichen Wiener Medien auf, das Frühwirth in einem Caféhaus zeigt, wie er an eine Frau ein Kuvert übergibt. Es wurde Geld vermutet. Die Frau stellte sich jedoch als seine Tochter heraus. Doch allein die Tatsache, dass der Polizist beschattet und fotografiert wird, war eine Machtdemonstration des Anti-Steiner-Lagers. (Nachtrag: Das Foto wurde nicht vom Hauke-Lager gemacht, sondern von einem mit Frühwirth verfeindeten Polizisten, der es dem Hauke-Lager zuspielte. Veröffentlicht wurde es auch nicht vom Hauke-Lager, sondern es tauchte plötzlich über andere Wege in Medien auf.)

Pripfl (Hochzeitsfoto)

Auffällig exakt wurden durch das Anti-Steiner-Lager Mittel und Wege gesucht, um gegen den Polizisten Pripfl vorzugehen. Erst wurde aus dem Umfeld des Hauke das berüchtigte Hochzeitsfotos mit „Rocky“ in den üblichen Wiener Medien gekabelt und lanciert (es ging über Hauke-Assistenten den Medien zu), das auch Franz Pripfl darauf zeigt. Damit war ein Stein der Entrüstung gezielt ins Rollen gebracht. Es knallten in der damaligen „Carat Bar“ in Wien-Favoriten die Korken, als Pripfls Suspendierung im März 2007 bekannt wurde. Man sagte damals voraus, dass das sein Ende sei. Denn die Wiener Gruppe, die sich mit Rotlicht befasste, wusste, dass Pripfl 2003 maßgeblich verantwortlich war, dass der immerhin einmal nach Schwerem Raub (Anklage 2006, Urteil 3 Jahre Haft nach Körperverletzung), einmal nach Schutzgelderpresseung (Freispruch) und noch einmal nach Schutzgelderpressung (Freispruch) angeklagte „Repic der Zopf“ von Inspektor Pripfl fast väterlich geschützt wurde.

Der Schutz der Steiner-Gruppe und der Jugoslawen im Wiener Rotlicht, war man in Wiener Kreisen überzeugt, geschah zu Lasten Harald Haukes und wie das so ist im Rotlicht: Das Langzeitgedächtnis ist dauerhaft und gut. Man vergisst schlecht. Vor allem, wenn es drei Jahre Haft für angebliche Vergewaltigung gab. Eine Vergewaltigung, die gerade im Lokal von Repic, der Zopf („No Name“) stattgefunden haben soll.

Geiger (geschont – Mann der Ehre)

Von den vier genannten Polizisten wurde nur Ernst Geiger geschont. Er gilt im Wiener Rotlichtkreisen wieder als Hero und Guter. Er genießt bis heute Respekt.

Insoweit kann man sagen: Die Rotlichtfehde zwischen Harald Hauke und Richard Steiner, die seit 2003 andauert und die sich einerseits um – damals – Rotlichtlokale, aber auch um Glücksspielautomaten und daher um Geld und drittens natürlich um viel persönliche Eitelkeit drehte, hat zumindest temporär einige Ermittler, die in dieses Minenfeld der gegenseitigen Vernaderung einstiegen, Blutgeld gekostet.

Horngacher wurde nach einer starken Medienkampagne gegen ihn, die bald Eigendynamik gewann, demissioniert. Frühwirth taumelte zeitweise, wurde privat abfotografiert und stand mehr im öffentlichen Interesse, als ihm Recht war. Er wurde von seiner Behörde aber beschützt und nur versetzt. Geiger musste „in die Privatwirtschaft“ zu Frank Stronach ausweichen, eh er vor einem Jahr im Bundeskriminalamt wieder aufgenommen wurde und seither dort als medialer Gottseibeiuns immer dann zitiert wird, wenn es um „Organisierte Kriminalität“ geht. Pripfl hat aktuell einen 14-tägigen Prozess, wo es plötzlich wieder um Repic, den Zopf und andere geht.

Alle vier waren 2003 in die Ermittlungen gegen Harald Hauke eingebunden. Daher ist der aktuelle Prozess gegen den Polizisten Pripfl zweierlei: Die Großanstrengung Harald Haukes, zu seiner Wiederaufnahme im damaligen Strafverfahren aus 2004 zu kommen. Er hat noch immer Bestrebungen in diese Richtung. Hierzu braucht sein Verteidiger (nicht mehr Peter Philipp, von dem sich Hauke trennte) „Gefallene“ unter den einstigen Polizisten. Und: Der Prozess ist auch ein „Vorprozess“ zum späteren Richard Steiner-Prozess. Die Aktivität des Staatsanwaltes Wohlmuth betreibt eine Art „Vorglühen“ zum Steiner-Prozess. Wie man hört, ist der Ermittlungsbericht zu Steiner 1.600 Seiten lang. Was nur bedeuten kann, dass bei dessen „Unterweltsprozess“ der Eröffnungsvortrag dann drei Tage dauert.

Der Prozess gegen den Polizisten Franz Pripfl ist übersichtlicher. Er soll in einem Monat am 11. Februar 2011 mit erstinstanzlichem Urteil enden. Interessantes am Rande: Franz Pripfl wird von Karl Bernhauser verteidigt. Neben Bernhauser agiert als zweiter Verteidiger Andreas Duensing. Duensing, der mit Bernhauser die Kanzlei teilt, verhalf in drei Medienklagen im Jahr 2010 Repic, dem Zopf zu Entschädigungen gegen Medien, die behaupteten, dass er die „rechte Hand“ von Richard Steiner sei.

Marcus J. Oswald (Ressort: Strafprozesse)

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