Rotlicht in Wien und der Welt

Fredi Kreuzer mit Geburtstag und Troubles mit „Club 28“

Posted in Prostitution by rotlichtwien on 17. September 2010

Alfred Kreuzer im Visier der Polizei.

(Wien, im September 2010) Der Wiener Barbetreiber und Noch-Immer-Spieler Alfred „Fredi“ Kreuzer zählt zu den Legenden im Wiener Rotlicht, die in die Jahre kamen, aber noch immer dabei sind. Am 14. September 2010 ließ er die Korken knallen und feierte Geburtstag. Den wievielten verheimlicht er. Er dürfte die Marke 60 kratzen. Doch seine Geburtstagsfreude ist getrübt.

Getrübte Freude

Kreuzer stand immer gut mit der Polizei und er stand in der „Hierarchie“ des Wiener Rotlichts in der dritten Ebene. Das muss man sich so vorstellen wie wenn ein Wirtshaus einen Eigentümer hat, der auf den Malediven lebt und das Wirtshaus verpachtet. Doch der Pächter will auch nicht hinter der Schank stehen, sondern auf den Malediven leben und verpachtet noch einmal. Kreuzer ist so etwas wie der Pächter des Pächters. Theoretisch gehört ihm ein Geschäft, doch er muss zwei Mal „abdrücken“, ehe er am Monatsende seine Einnahmen prüfend sichten kann.

Das war zumindest bis 2008 so. 2008 und 2010 haben sich in vielen Rotlichtlokalen die Besitzverhältnisse irgendwie geändert. Das hat in Wien mit zwei Personen zu tun. Irgendwie war es einigen Personen ein dringendes Anliegen, im Mai 2010 bei diesem Journal anzurufen und zu deponieren, „dass der scheene Edi bereits 2008 alles verkauft“ hat. Freilich wurde das Journal mit einer wesentlichen Information durch die Anrufer nicht ausgestattet. Die logische Anschlussfrage „an wen?“ blieb unbeantwortet. Damit schied – laut hochrangigen Anrufern aus der Wiener Szene – ein Mann aus: Der Oberverpächter. Der Wahloberösterreicher „Edi“ habe sich also, im Alter von 67 Jahren angekommen, komplett aus Wien auf seine diversen Latifundien zwischen München, Salzburg und Gutau zurückgezogen.

Im April 2010 geschah dann dies: Der erste Unterpächter wurde am Flughafen München bei der Einreise von der Dominikanischen Republik nach Wien verhaftet. Mit ihm die ganze Abteilung engster Mitarbeiter bis hin zum „Langen Peter“, für den die Justizanstalt Josefstadt sogar ein Bett aus zwei Betten zusammen schweisste, damit dieser seine Füsse ordentlich eine Weile durchstrecken kann. Mit der Verhaftungswelle im April 2010 fiel der Statthalter des Oberverpächters weg, der auch als Pächter auftrat.

Dritte Ebene

Fredi Kreuzer kannte beide. Den „Senior-Chef“ wie den „Junior-Chef“. Sein direkter Vorgesetzter war Richard Steiner, er kannte aber auch den „Alten“. Er blieb weiterhin Pächter des ersten Pächters des langjährigen Oberverpächters. Der sich 2008 komplett aus Wien zurück gezogen haben soll.

Lange Rede kurzer Sinn: Alfred Kreuzer ist die dritte Ebene. Diese Ebenendiskussionen ist legitim zu führen, weil im Rotlicht die Bedeutung der „Ordnung“ und des „Reviers“ eine andere Bedeutung hat als in freier Wildbahn oder Wirtschaft. Es gibt Niederlassungsbestimmungen in Wien, Sicherheitspolizeigesetze, Schutzzonenbestimmungen.

In Wien darf zum Beispiel, so das Landesgesetz, ein Peepshowbetreiber oder Barbetreiber in einem Bezirk nur eine Peepshow oder eine Bar halten. Das verhindert lokale „Machtanballung“. Will jemand in einem Bezirk „stärker auftreten“, muss er das Schachtelfirmenprinzip aktivieren und Pächter einsetzen. So entstand historisch im Rotlicht letztlich die Ebenendiskussion. In dieser Branche kann sein, dass ein Oberverpächter durchaus in einem Bezirk mehrere Lokale hat. Er muss sich einer zweiten, dritten und vierten Ebene bedienen, da der gesetzliche „Gebietsschutz“ durch Behörden das Ausbreiten eines Betreibers in einem Bezirk untersagt.

Club 28. (Foto: rotlichtwien)

Alfred Kreuzer lenkt den Club 28 auf der Felberstraße. Am Abend ist das Lokal mit Neonreklame auch bei dichtestem Nebel und für dicht Benebelte von Weitem gut sichtbar. Es liegt an der Fussgängerbrücke „Rustensteg“, die über die Geleise des Westbahnhofs führt. Andere Anschrift: Felberstraße 28. Im Lokal arbeiten großteils junge Rumänninnen. Es wird als „Stundenhotel“ geführt.

Ärger im Revier mit Heh

Doch seit drei Monaten ärgert sich Kreuzer sehr. Denn die Polizei ist ihm im Genick. Der starke Mann in der Wiener Polizei ist offiziell Peter Mahrer (ÖVP-nahe). Doch der inoffizielle starke Mann ist Ernst Geiger, der zwar nun offiziell im Bundeskriminalamt werkt, dort aber im Sektor der Abteilung III, die unter anderem für die „Organisierte Kriminalität“ zuständig ist. Ernst Geiger hatte durch Roland Horngacher zwei zähe, öffentliche und anstrengende Strafprozesse (2006 und 2008), die nach einer kompletten Wiederaufnahme nach Nichtigkeit beim zweiten Mal zu einem Freispruch führten. Solche Prozesse hinterlassen an jedem Mann Narben. Selbst wenn es so wäre, dass Geiger Mönch bei den Benediktinern wäre, würde er auf Rache sinnen.

Fredi Kreuzer wurde im April 2010 im Zuge der Richard Steiner-Verhaftungswelle nicht kassiert. Das deshalb, weil er eben nur die „dritte Ebene“ ist. Doch seit drei Monaten steigt man ihm auf die Zehen. Die Felberstraße wird in drei Sektoren per Planquadrat überwacht und zufällig ist ein Planquadrat genau zehn Meter von seinem Lokal entfernt. An vielen Tagen im Monat steht ein weißer Polizeibus genau auf der gegenüberliegen Straßenseite der Felberstraße 28 vor seinem Lokal. Die Polizei hätte Alternativen, Position zu beziehen: Bei der Esso-Tankstelle, bei der Schmelzbrücke, bei der Auffahrt Johnstraße. Man hat diesen Platz gewählt.

Kreuzer war mit Horngacher gut – Nun Retourkutsche durch Geiger-Orchester

Fredi Kreuzer war in der Ära Roland Horngacher mit dem Wiener Polizeichef gut. Die beiden verstanden sich und das tat auch Richard Steiner und Freunde. Dann fiel der Polizeigeneral über eine Verurteilung rund um die BAWAG, den Prater, läppische Ruefa-Gutscheine und Schlaff-Indiskretionen aus dem Amt und in ein Loch. Das war 2008. 2010 fielen Richard Steiner und seine Freunde aus dem Sattel und ebenso in ein Loch.

Kreuzer blieb, wo er ist: In seinem Lokal Club 28 oder hinter dem Spielautomaten, den er in Bestzeiten mit bis zu 4.000 Euro am Tag fütterte. Doch die Polizei hat ihn nun im Visier. Ein Beamter sagte zu ihm einmal, darauf angesprochen, warum das Planquadrat genau vor dem „Club 28“ beginnen muss: „Du hast unterm Horngacher zu eng mit diesem kooperiert.“

Somit behält ihn die Polizei eng im Auge. Sie macht Wegweisungen nach Sicherheitspolizeigesetz, wenn eine Schutzzonenverletzung vorliegt. Kreuzer schickt seine Mädchen zum Anwalt, der eine Massnahmenbeschwerde macht. Das Ringelspiel dreht sich.

Sein Geburtstag hätte fröhlicher verlaufen können. Soviel Widerstand gegen seine Geschäfte hat der altgediente Rotlicht-Senior in den letzten zwanzig Jahren nicht erlebt. Und so blickt auch er gebannt in die Zukunft, was das Verfahren gegen Richard Steiner und Freunde erbringen wird. Seine Vorgesetzten in zweiter Ebene sind nun bereits seit einem halben Jahr in U-Haft.

Marcus J. Oswald (Ressort: Prostitution, Wien)

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