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Strichkrieg in der Linzerstraße beendet – Vier Rumänen verurteilt und enthaftet

Posted in Prostitution, Strafprozesse by rotlichtwien on 4. September 2010

Landesgericht Wien.

(Wien, im September 2010) Der Prozess rund um die vier Rumänen Csilla Badescu, Marian Margarit, Pavel Dimitru, Catalin Biscean, denen Körperverletzung sowie versuchte Erpressung vorgeworfen wurde und indirekt, dass sie „das Gesetz in der Linzerstraße machen“, endet am 2. September 2010 mit mehreren Überraschungen.

Alle vier werden von Richterin Susanne Lehr verurteilt. Alle werden enthaftet. Die Urteile lauten für alle vier 15 Monate teilbedingt, davon drei Monate fest, die mit der Untersuchungshaft ab Anfang Mai 2010 erledigt sind. Die restlichen 12 Monate werden zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt.

Drei Mal Körperverletzung, einmal versuchte Erpesssung

Die drei Männer Dimitru, Margarit und Frischimport Biscean (er reiste erst eine Woche vor dem angeklagten Ereignis nach Österreich ein) werden nach Körperverletzung verurteilt. Bei ihnen hatte man Stahlruten, Schlagringe und Baseballschläger im Auto gefunden. Die Aussage des Dimitru, der sich teilgeständig mit den Worten verantwortete „Ja, ich habe ihn geschubst“, wird in der Beweiswürdigung nicht als strafmildernd bewertet. Die beiden anderen Angeklagten hatten sich nicht geständig verantwortet. Diese drei Angeklagten werden vom „alten“ Philipp, Anwalt Peter Philipp verteidigt.

Die einzige weibliche Angeklagte, Csilla Badescu, ist von Martin Mahrer vertreten. Sie war laut Gericht an keinen Tathandlungen rund um Körperverletzung beteiligt, sie wird aber im Sinne der Anklage nach versuchter Erpressung verurteilt. Ihr schreibt die Richterin eine „Führungsrolle“ und ein „Geldinteresse“ zu. Sie war bestrebt, dass von Konkurrentinnen tägliche Standgebühren in der Höhe von 50 Euro und auf der Höhe Linzerstraße 110-115 eingehoben werden. Dort arbeitet auch die Frau des Erstangeklagten Pavel Dimitru.

Alle vier Zeuginnen bleiben fern

Jene vier Prostituierten, die am ersten Prozesstag am 22. Juli 2010 nicht bei Gericht als Zeuginnen erschienen waren, ziehen es auch beim sehr kurz gehaltenen, halbstündigen zweiten Prozesstag am 2. September 2010 vor, nicht bei Gericht zu erscheinen.

Die Richterin durchbricht dann etwas das Mündlichkeitsprinzip im Strafprozess, das ein „Befragungsrecht“ der Angeklagten an Belastungszeugen klar vorsieht und verliest – mit Zustimmung der beiden Anwälte Philipp und Mahrer – die vier Zeugenaussagen der rumänischen Huren, die vor der Wiener Polizei zu Protokoll gaben, dass Standgeld an den Familienclan rund um Csilla Badescu (ist seit sieben Jahren in Wien, geht seit sieben Jahren der Prostitution nach) in der Höhe von 50 Euro abzuführen war. Das genügt dem Gericht.

Das wackelt natürlich, da, wie gesagt, ein Grundpfeiler des österreichischen Strafrechts ist, dass ein Angeklagter ein direktes Befragungsrecht an einen Belastungszeugen hat und ferner auch das Gericht ein Befragungsrecht an einen Belastungszeugen hat. Nun erschienen diese Belastungszeugen gleich beide Mal nicht. Die Richterin beendet das Trauerspiel nach 30 Minuten und verhängt an alle Vier die gleiche Strafe: Sie werden sofort enthaftet.

Nun herrscht Ruhe in der Linzerstraße. Denn alle Vier haben sich zurück gezogen und sind unmittelbar nach dem Prozess nach Rumänien abgereist.

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Empfohlen:
Strichkrieg in der Linzerstrasse – Rumänen vor Gericht (22. Juli 2010)

(Ressort: Prostitution, Strafprozesse) – 2. September 2010, LG Wien, Saal 301.

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