Rotlicht in Wien und der Welt

Repic, der Zopf erstreitet 1.200 Euro von „News“

Posted in Richard Steiner by rotlichtwien on 28. Juli 2010

Landesgericht Wien.

(LG Wien, am 28. Juli 2010) „Ich bin es nicht mehr gewöhnt, Vergleiche zu schließen. Ich habe nicht einmal das Vergleichsformular im Kopf“, so Richterin Karin Burtscher am 28. Juli 2010 im schmalen Saal 308 des Landesgerichts Wien um 9 Uhr in aller Herrgotts Früh vor zwei Zuhörern.

In letzter Zeit werden am Landesgericht Wien bei Medienrechtsverfahren kaum mehr Vergleiche geschlossen. Jeder will gewinnen. Man kann sagen, dass zu 90% die Medien verurteilt werden, wenn eine Klage eingebracht ist. Meist geschieht das nach einem längeren Klagsgezerre bis zum OLG Wien. Freiwillig geben große Medien selten nach.

Das geschieht in der Regel nur, wenn der Kläger gar keinen Anwalt hat, sondern Verfahrenshilfe. Dann sinkt die Lust zum Streiten bei Medienhäusern rapide ab. Die Eitelkeit ihrer Anwälte endet dort, wenn sie nicht bezahlt werden können. Dann schließen sie überraschende „Vergleiche“. Auch mit Unterweltlern.

Dragan Jovanovic alias „Repic, der Zopf“, ein Mann aus dem Umkreis des Wiener Rotlicht-Zampanos Richard Steiner, klagte am 28. Juli 2010 zum dritten Mal ein österreichisches Medium nach Üble Nachrede und Medienrecht, weil es geschrieben hatte, dass er in der ersten April-Woche verhaftet wurde. Laut seiner Ansicht stimmt das nicht, er wurde nicht im Zuge der Steiner-Festnahmen verhaftet, was auch die Staatsanwaltschaft bereits in einem früheren Medienverfahren bestätigt hatte. Polizisten informierten Anfang April Medien anders, die dann schrieben, dass auch „die rechte Hand der Gütel-Mafia“ Repic, der Zopf verhaftet wurde.

Medienkläger mit Verfahrenshilfe!

Der nahm sich Verfahrenshilfe für sein Medienverfahren. Verfahrenshilfen bei Medienprozessen sind selten, immerhin trat er als Kläger auf. Er bekam Andreas Duensing aus der Kanzlei Bernhauser zugewiesen, einen zurückhaltenden, aber täglich im „Grauen Haus“ tätigen Anwalt. Dieser klagte die Zeitung „Österreich“, die „Kronen Zeitung“ und „News“. „Österreich“ wurde zu zwei Mal 500 Euro verurteilt (für zwei Artikel Anfang April 2010), die „Krone“ schloss einen Vergleich und zahlte freiwillig 750 Euro. Am 28. Juli 2010 schloss der Anwalt von „News“ Gerald Ganzger mit Repic, der 2006 nach Raub angeklagt und nach Schwerer Körperverletzung drei Jahre im Gefängnis saß, einen Vergleich. Man gestand in News 14/2010 Fehlberichterstattung ein, wollte das aber nicht breit treten, eine Gegendarstellung verhindern und zahlt „Repic, dem Zopf“ freiwillig 1.200 Euro.

Der ist auch dieses Mal nicht mit der ausverhandelten Höhe einverstanden. Repic und Anwalt Duensing verlassen zur Beratung den Verhandlungssaal im nur zehn Minuten dauernden Medienprozess. Repic weiss, dass verurteilte Mörder wie Werner Neymayer oder Gerhard Steinbauer von Zeitungen pro Verurteilung zwischen 3.000 und 3.500 Euro erstritten hatten, weil vorverurteilend berichtet wurde.

Er bekommt auch dieses Mal nur 1.200 Euro zur Vergleichbereinigung seiner Klage. Gerald Ganzger sagt dem Journal im „Adam“, warum „News“ den Vergleich einstimmte. „Wir haben den Fall vom Tisch. Wir wollen ihn nicht aufwerten, er ist nicht so wichtig. Und als Anwalt bekomme ich meine Kosten nicht, da er Verfahrenshilfe hat. Da ist die beste Strategie der Vergleich, da der Fall eintritt, dass, selbst wenn wir am Oberlandesgericht gewinnen, wir unsere Anwaltskosten nie von ihm bekommen.“

Die Autorin des Artikels in News 14/2010, Martina Prewein wird als Zeugin nicht gehört, da die Verhandlung ohne Beweisverfahren nach zehn Minuten endet.

1.800 Seiten Abschlussbericht gegen Freundeskreis Richard Steiner

Dragan Jovanovic hat nun 2.950 Euro von Medien erstritten. Er tat das, um den Leuten von Richard Steiner mitzuteilen, dass er nicht Kronzeuge gegen sie ist. Eine Kombination aus einer berichteten Verhaftung und sofortigen Freilassung binnen weniger Stunden habe einen solchen Eindruck (Kronzeuge) entstehen lassen.

Am selben Tag als Repic, der Zopf den Endpunkt seiner drei Medienklagen setzte, wurde bekannt, dass der polizeiliche Abschlussbericht gegen den Steiner-Clan vorliegt und 1.800 Seiten lang ist. Laut einer Zeitung könnte dieser „das Ende seiner Hoch-Zeit in der Wiener Unterwelt“ einläuten. Aus diesem Abschlussbericht wird eine Anklageschrift folgen.

Mit einem Prozess gegen den „Gürtel-Paten“ von Wien ist nicht vor 2011 zu rechnen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Richard Steiner) – 28. Juli 2010, Saal 308, 9 Uhr 00 – 9 Uhr 12

Eine Antwort

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  1. […] (Print und Online) nur je 500 Euro und von der „Kronen Zeitung“ nur 750 Euro, sowie am 28. Juli 2010 von „News“ für die Behauptung, er sei „die rechte Hand von Richard Steiner“ 1.200 […]


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