Rotlicht in Wien und der Welt

Repic, der Zopf erstreitet 1.750 Euro von Medien

Posted in Richard Steiner by rotlichtwien on 8. Juli 2010

Landesgericht Wien.

(LG Wien, am 8. Juli 2010) Für Dragan J. ist am 8. Juli 2010 Großkampftag am Landesgericht Wien. Allerdings nur in Medienverhandlungen. Sein juristischer Helfer Andreas Duensing bringt gegen zwei Medien Klagen vor den Richter. Einmal um 11 Uhr 30 gegen die Zeitung „Österreich“ (Zahl: 111 Hv 56/10h) und um 12 Uhr 00 gegen die „Kronen Zeitung“ (Zahl: 111 Hv 55/10m).

Dragan J. wird der „Gürtel-Partie“ rund um Richard Steiner zugerechnet. Dann aber wieder nicht. Denn während ein Duzend Personen aus dem Freundeskreis des Richard Steiner am Ostersonntag 2010 verhaftet wurden, blieb Dragan J. von der Untersuchungshaft verschont.

Das ist der springende Punkt in den beiden heutigen Medienklagen gegen die Zeitungen „Österreich“ (Artikel vom 6. und 7. April 2010) sowie „Kronen Zeitung“ (Artikel vom 6. April 2010). Beide Blätter hatten geschrieben, dass auch Repic, der Zopf ins Netz der Fahnder gekommen sei und verhaftet wurde. Das wird nun ein für alle Mal in diesem Medienverfahren am 8. Juli 2010 im Saal 202 des Landesgerichtes Wien geklärt. Es ist unrichtig. Repic, der Zopf wurde nicht im Zuge der Großverhaftung des Steiner-Clans verhaftet. Gegen diese publizierten Behauptungen klagte Repic, der Zopf, wie man ihn in der Szene auf Grund seines Haarzopfes am Hinterkopf nennt, erfolgreich. Die beklagte Zeitung „Österreich“ wird für die beiden Artikel zu je 500 Euro Schadensersatz verurteilt. Die beklagte „Kronen Zeitung“ schliesst einen Vergleich und zahlt 750 Euro.

Repic: „Bin schockiert!“

Der 42-jährige Serbe (5. März 1968) spricht gut deutsch und er sitzt in schwarzer Hose und schwarzer Lederjacke vor Richterin Birgit Schneider, die ihn als Zeugen befragt. Die Richterin fragt ihn zu den Medienberichten zu seiner „Verhaftung“ im Zuge der Steiner-Razzien: „Hatten diese Berichte negative Auswirkungen?“ Er antwortet: „Nein.“ Sofort fällt ihm sein Anwalt Andreas Duensing ins Wort und sagt: „Ja!“ Richterin: „Ich will es aber von ihm hören!“ Repic, der Zopf korrigiert sich: „Ich bin schockiert (gewesen, Anm. Autor).“ Er war also schockiert. Schockiert waren vermutlich alle aus dem Kreis der Freunde des Richard Steiner, als am Ostersonntag (4. April 2010) bei gut zehn Personen die Handschellen klickten.

Der Akt Richard Steiner wird am Landesgericht seit 2008 geführt. Er läuft unter der Zahl 706 St 25/08w (352 Hr 410m). Doch Tatsache ist, dass Dragan J. nicht unter den Verhafteten am 4. April 2010 war. Und auch bei der zweiten Welle am 16. April 2010 war er nicht dabei. Das ergab eine Rückfrage der Medienrichterin Birgit Schneider bei der Staatsanwältin Kerbl-Kortella. Diese schickte eine kurze Stellungnahme, datiert vom 7. Juli 2010, an die Gerichtsabteilung der Medienrichterin Schneider mit folgendem Inhalt: Zum Ermittlungsverfahren gegen Richard Steiner „wird mitgeteilt, dass Repic, der Zopf nicht als Beschuldigter geführt wird. Er befand sich auch nicht in U-Haft.“ Da eine Zeitung („Österreich“) geschrieben hatte, dass Repic, der Zopf soeben aus der Haft entlassen war, ergänzt die Staatsanwältin: „Er befand sich auch nicht bis vor Kurzem in Haft. Seine Haftentlassung erfolgte am 20. Februar 2009.“ Das ergeben die Vollzugsdaten. Die Staatsanwaltschaft hat Einblick. Danach war keine Haft mehr.

Um die Steiner-Gruppe rankt sich viel Mythos. Steiner, geboren am 27. Oktober 1970, also ein Hauseck jünger als der Herausgeber dieses Journals, hatte offenbar die Gabe, viele Leute temporär um sich zu gruppieren. Es gibt viele, die eine Zeit dabei waren und dann ausstiegen. Neue kamen hinzu, es wechselte sich ab wie bei den alten „Platten“ der 60er Jahre, die in fester Besetzung auch nur zwei, drei Jahre miteinander arbeiteten. Der Herausgeber kennt einen Mann, der ab Anfang 2007 in der JA St. Pölten einsaß und vier Jahre Haft erhielt. Bis kurz vor seiner Verhaftung war er ein gutes Jahr bei Steiner beschäftigt. Ab 2007 fiel er dann natürlich vier Jahre aus. Er lobte, dass Steiner ein Rotlichtunternehmer sei, der „seine Leute immer pünktlich zahlt“. Außerdem lese er Managementliteratur, Biografien zu Meyer-Lansky und könne das Internet bedienen. Das hebt ihn von den anderen Strizzis in Wien erheblich ab, für die man nur gegen Vorschuss oder gar nicht arbeiten kann und die andere Fertigkeiten nicht besitzen.

Nur Randfigur in Gruppe Steiner

Wie weit Dragan J., bekannter als Repic, der Zopf überhaupt zum Kern der Mannschaft der Steiner Gruppe gehört, ist mehr als fraglich. Dieses Journal meint: Fast gar nicht. Denn es geht sich zeitlich nicht aus. Er hatte 2006 ein Schwurgerichtsverfahren (Zahl: 410 Hv 03h) nach Schwerem Raub und wurde zu drei Jahren Haft nach Schwerer Körperverletzung verurteilt. Er saß von 20. Februar 2006 bis 20. Februar 2009 in Haft. Nach 2006 folgten zwei Freisprüche. Einmal nach Erpressung (Schutzgelderpressung) – Freispruch am LG Wien. Zuletzt hatte er noch einen Prozess nach Erpressung (Schutzgelderpressung) – es erfolgte vor Richter Wolfgang Fahrner erneut ein Freispruch. Zur Körperverletzung, die in diesem letzten Verfahren hängen blieb, wurde keine (!) zusätzliche Strafe verhängt. Seit 20. Februar 2009 (Haftentlassung) war nichts mehr.

Rechnet man hoch, dass er 36 Monate zwischen Februar 2006 und Februar 2009 weg war, kann er auch nicht einmal im legendären „Nokia-Club“ dabei gewesen sein, der seine Hochblüte in diesen Jahren gehabt haben soll. Also, wo Dragan J. für Richard Steiner genau tätig gewesen sein soll, was er gewusst haben soll, ist unklar. Daher wurde er auch nicht am Ostersonntag 2010 im Zuge der Massenverhaftung der Gruppe inkassiert.

Freilich wirft genau diese Nicht-Verhaftung ein schiefes Licht auf ihn – aus seiner Sicht. Im Verfahren gegen die Zeitung „Österreich“ deutet er etwas an, das dann auch in der Zeitung stand. Repic: „Eine Frau von Harald Hauke kam zu mir und sagte mir: Du, auf Dich ist ein Kopfgeld ausgesetzt.“ Allerdings nicht eines von der Polizei, die ihn ja nicht verhaftet hatte. Sondern, so zirkulierte es damals in der Zeitung „Österreich“, von einem reichen Araber. Die Abfolge, die man aus den beiden „Österreich“-Artikeln herauslesen könnte, war so, so sah es zumindest Repic, der Zopf: „Ich wurde verhaftet, wieder freilassen und bin nun Krone-Zeuge.“ So wäre der Eindruck entstanden. Noch einmal die Frage der Richterin Schneider zu Repic im Zeugenstand: „Was waren nun die Auswirkungen des Österreich-Artikels?“ Repic, der Zopf: „Wenn Richard Steiner und Rocky im Gefängnis die Österreich lesen, müssen sie glauben, ich bin Krone-Zeuge.“ Zopf holt tief Luft und bekräftigt: „Doch ich bin nicht Krone-Zeuge!“

Dragan J. (alias: Repic, der Zopf): „Bin nicht Kronzeuge!“

Er will damit sagen: Er wurde nie verhaftet. Daher wurde er auch nie gegen ein Geschäft mit der Polizei rasch wieder freigelassen und sei daher auch nicht Kronzeuge. Alle haben es verstanden.

Zeuge Wolfgang Höllriegl, ein altes Schlachtross im Wiener Journalismus, durch viele Täler und Höhen gekommen, bekundet im Zeugenstand sein Beileid. Es „tut“ ihm „Leid“, dass in den beiden „Österreich“-Beiträgen behauptet wurde, dass Repic, der Zopf verhaftet wurde. Er habe „gute Kontakte“ zu Richard Steiner und seinen Leuten und berichte immer korrekt. („Österreich“, in dem Fall Mitarbeiter Florian Lems, brachte sogar Homestories von Rockys Liebesdrama einst rund um die erschossene Polin; das hängt damit zusammen, da Lems in der Märzstraße ums Eck beim Wiener Gürtel auf Höhe „Pour Platin“ wohnt und dort seine Frühstückssemmeln kauft und natürlich auch Rocky oft auf der Straße sieht).

Höllriegl: „Haben uns auf APA verlassen“

Wolfgang Höllriegl erklärt im Zeugenstand, dass man sich als Tageszeitung auf die „APA“ verlassen habe, die die Verhaftung von Repic berichtet hat. Man konnte es in der Geschwindigkeit der Tagesproduktion nicht überprüfen, da auch nicht bekannt war, wer der aktuelle Anwalt von Repic, der Zopf ist. So entstand der Bericht in dem (6. April 2010 mit Foto von Repic, Bilduntertitel „Mann fürs Grobe“, 7. April 2010 mit Bezeichnung „Mitglied der Gürtel-Mafia“) die Falschmeldung verbreitet wurde, dass Repic, der Zopf am Ostersonntag 2010 ebenso verhaftet wurde.

Richterin Birgit Schneider verurteilt „Österreich“ dafür nach „Üble Nachrede“ (§ 6 Medien G) zu 500 Euro Schadensersatz für jeden Artikel. Der Verfasser Wolfgang Höllriegl hat, so die Richterin Birgit Schneider, „sich entschuldigt“, „es war ihm unangenehm“. „Höllriegl war mit Richard Steiner bekannt“, so die Richterin in ihrem mündlichen Urteil, daher „reicht es nicht aus, dass man die APA zitiert“. Die „journalistische Sorgfalt wurde verletzt“. „Der Antragssteller wurde an diesem Tag nicht verhaftet. Die Staatsanwaltschaft betätigt, es gab keine Festnahmen von Zopf. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass eine Entlassung aus einer Haft nicht kurz vorher, sondern vor einem Jahr war.“ All diese Argument führen zu einer Verurteilung.

Repic hat den Beinamen der Zopf, weil er eigentlich Glatze trägt, aber am Hinterkopf einen kleinen Haarzopf führt. Rechts im Bild mit schwarzer Lederjacke und Begleitung. Über ihn zirkulierten im April 2010 Gerüchte, dass 40.000 Euro auf seinen Kopf ausgesetzt sind. Seither lebt er im Untergrund.

+++

Gleich im Anschluss folgt im selben Saal vor selbem Personal das zweite Medienverfahren, das Repic, der Zopf anstrengt. Der Anwalt der „Kronen Zeitung“, Michael Rami, hat in den Schlussminuten des ersten Verfahrens bereits im Publikum Platz genommen.

Auch die „Kronen Zeitung“ brachte am 7. April 2010 einen Bericht zur Verhaftungswelle am Wiener Gürtel rund um Richard Steiner. Doch wer die „Kronen Zeitung“ jahresabonniert hat (der Herausgeber dieses Journals tut das gegen 250 Euro Sold), merkt, dass die „Krone“ deswegen kaum Medienprozesse verliert, weil man medienrechtlich geschult arbeitet. Oft macht es die Wortwahl.

Das bestätigt der Zeuge der „Kronen Zeitung“ Christoph Budin (Jahrgang 1973), Verfasser des Artikels. Er betont folgendes: „Wir haben nie geschrieben U-Haft, sondern wir haben geschrieben Festnahme.“

Krone-Anwalt Michael Rami stellt an den Zeugen, wie immer punktgenau, nur zwei Fragen: „Ist Ihnen konkret gesagt worden: Verhaftet?“ Zeuge Budin: „Ja.“ Rami: „Wer?“ Budin: „Durch Quellen aus der Polizei.“

Die Kronen Zeitung hat traditionell sehr gut Kontakte in die Polizei. Da eine Festnahme etwas anderes als eine U-Haft ist (die erst 48 Stunden nach der Festnahme erfolgt), bleibt die „Kronen Zeitung“ bei ihrer Feststellung, dass Repic, der Zopf „festgenommen“ wurde. Aber eben nicht in „U-Haft“ genommen. Diesen feinen Unterschied beachtete die „Kronen Zeitung“ im Bericht vom 7. April 2010. Die Zeitung „Österreich“ schrieb hingegen von U-Haft. Und wurde verurteilt.

Die „Kronen Zeitung“ schließt einen Vergleich. Davor zweifelt Anwalt Michael Rami noch die Glaubwürdigkeit des Klägers Repic, der Zopf an. Er fragt den Kläger, wie das mit dem „Kopfgeld“ auf ihn sei. „Ob wir hier darüber reden sollen?“, deutet Repic an, dass er nicht vor Gericht darüber reden will. Ja, wo dann – das Pour Platin hat leider zu! Rami bohrt nach: „Was waren die negativen Auswirkungen des Krone-Berichts?“ Repic: „Kopfgeld in der Höhe von 40.000 Euro auf mich.“ Rami: „Wo haben Sie das vom Kopfgeld überhaupt erfahren?“ Repic: „Eine Kriminalbeamtin der Gruppe Lagler sagte mir, dass Kopfgeld auf mich ausgesetzt ist. Davor kam schon jemand von Harald Hauke zu mir und sagte mir dasselbe.“ Danach machte er dann eine Polizeiniederschrift, in der das Kopfgeldthema angesprochen ist. Seither lebt Repic, der Zopf im Untergrund.

Rami bezweifelt das, er frägt: „Die Zeugenladung ging aber in die Adresse in der Quellenstraße?“ Und heute ist er ja auch hier. Repic: „Ich wohne versteckt.“ Und: „Die Gerichtsbriefe gehen an die Adresse meines Bruders. Der gibt sie an mich weiter.“ Die Richter blättert nach und stellt fest, dass es tatsächlich drei Zustellversuche gab.

Michael Rami beantragt eine Unterbrechung von zwei Minuten und bespricht sich am Gang mit dem „Krone“-Journalisten Budin. Er kommt zurück und sagt: „Wir glauben nachweisen zu können, dass er verhaftet wurde. Aber wir bieten einen Vergleich an: 750 Euro und die Gebühren und Prozesskosten.“

Zopf ist mit der Summe nicht einverstanden: „Es geht um mein Leben.“ Doch sein Anwalt Duensing wird ihm später nach dem Prozess am Gang erklären: „Die großen Summen, die man sich vorstellt, sind nicht mehr zu holen.“

Die Richterin Birgit Schneider schließt den Vergleich zwischen Repic, der Zopf und der „Kronen Zeitung“ ab: 750 Euro, 150 Euro Gerichtsgebühren, tarifmäßige Anwaltsgebühren, wobei Duensing angeblich nur Verfahrenshelfer von Repic ist. Wechselseitige Bereinigung durch Zahlen des Betrages bis 15. Juli 2010. Verzicht auf Urteilsveröffentlichung. Bis dorthin ist pro forma vertagt. Der Fall ist also abgeschlossen. In einer Woche hat Repic sein Geld.

Zeitungskläger Dragan Jovanovic, der in besseren Zeiten schon Fäuste fliegen ließ, den nun aber Berichte über seine Verhaftung „schockierten“, erhält somit am 8. Juli 2010 vom Medium „Österreich“ zwei Mal 500 Euro und von der Zeitung „Krone“ einmal 750 Euro für „Üble Nachrede“ an ihm. Er hat auch noch „News“ geklagt. Dieser Prozess folgt. Nach dem heutigen Prozess geht er mit einem Mann in sein Versteck, in dem ihn niemand finden soll.

Der Anwalt des Richard Steiner, Christian Werner, sitzt am 8. Juli 2010 zur selben Zeit im Restaurant Adam bei einem Mittagsmahl im Gastgarten und lässt sich nichts anmerken.

+++

Ergebnisse (8. Juli 2010 – 12 Uhr 00 sowie 12 Uhr 30):

  • Dragan Jovanovic (Anwalt Andreas Duensing) gegen Tageszeitung „Österreich“ (Anwalt Mathias Ettel): Zwei Artikel geklagt. Der Kläger erhält 2 x 500 Euro Schadensersatz, Gerichts- und Anwaltskosten zugesprochen.
  • Dragan Jovanovic (Anwalt Andreas Duensing) gegen Tageszeitung „Kronen Zeitung“ (Anwalt Michael Rami): Ein Artikel geklagt. Es wird ein Vergleich beschlossen und eine Zahlung von 750 Euro an den Kläger.

Medienanwalt Michael Rami geht auf einen Vergleich mit Repic, dem Zopf ein. (Foto: Redaktion)

Redaktioneller Bericht (Ressort: Richard Steiner) – 8. Juli 2010, LG Wien, Saal 202, 11 Uhr 30 – 12 Uhr 30.

Eine Antwort

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] mit Anwalt Andreas Duensing, für die publizierte Behauptung, er sei in U-Haft gesessen von am 8. Juli 2010 von „Österreich“ (Print und Online) nur je 500 Euro und von der „Kronen Zeitung“ nur 750 Euro, sowie am […]


Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: