Rotlicht in Wien und der Welt

Josef Stern will durchstarten – Zeitung „Österreich“ hilft

Posted in Variete, Wien by rotlichtwien on 23. Mai 2010

Will mit dem Maxim noch einmal richtig durchstarten: Josef Pepi Stern (re.), heute 70 Jahre alt.
Im Archivbild mit seinem Anwalt Herwig Ernst aus Korneuburg.
(Foto: Marcus J. Oswald am 1. Dezember 2006 vom Landesgericht Korneuburg)

(Wien, im Mai 2010) Der unverbesserliche Josef „Pepi“ Stern träumt wieder von alten Zeiten. Von viel Plüsch, Mutzenbacher, den Grafen und Adeligen, die es nicht mehr gibt. Er ist nun 70 Jahre alt und wollte schon 2006 das Lokal „Maxim“ an der Kärntnerstraße 61 mit Tanz, Magie und Varieté beleben. Das scheiterte haarscharf und wohl an unfähigen Mitarbeitern in seiner Abwesenheit.

Just und auffälligerweise zu einem Zeitpunkt der kürzlichen Haftentlassung eben dieses unfähigen Mitarbeiters, über den er im Gerichtssaal am 13. Oktober 2006 zu dessen „Entlassung“ sagte „Wenn er wieder 10 Mädchen bringt, ist er wieder eingestellt“, will der Senior des Wiener Rotlichts noch einmal mit dem Maxim durchstarten. Wieso gerade jetzt, ist unklar. Jedenfalls hilft ihm die Zeitung „Österreich“.

Fest der Auferstehung

Pfingsten ist das „Fest der Auferstehung“. Passend zum Tag veröffentlichte am Pfingstsonntag die Zeitung einen launigen wie leicht deplazierten Artikel, auf jeden Fall einen mit Werbewert. Josef „Pepi“ Stern darf darin sein „Maxim“ ankurbeln und den Mund wässrig machen. Der Artikel heißt denn gleich auch: „Neuer Glanz im Wiener Nachtleben“ (!). Und er beginnt mit der neuen Erkenntnis: „Eine Weltstadt braucht mehr als 200 Bars und Bordelle, meint Nachtkönig Josef Stern“.

Schön gesagt. Und interessant, dass „Österreich“ offen Werbung für einen Rotlichtbetrieb macht, der neben der harmlosen Schmonzette wie Varieté, Zauberei und Separeé auch Haus- und Hotelbesuche und „Begleitungen“ anbietet. Stern ist durch sein smartes und durchaus altmodisch-einnehmendes Auftreten gut getarnt. Doch er arbeitete mit Franky Hohenberger zusammen, ist mit Werner „Donaudolls“ Schmuck und anderen Sex-Club-Betreibern bekannt (Schmuck sagte in seinem Prozess 2006 aus und stellte sich gekonnt dumm).

Operettenfreund

Vielleicht ist der Beitrag aber dann doch nicht eine so gute Werbung. Zum einen muss man die „Maxim“-Webseite einmal finden (wenn man sie nicht kennt, bedarf es dazu einiges Können). Und dann ist die Straßenadresse im Zeitungsbeitrag falsch angegeben. Schuld war ein Ziffernsturz. Das „Varieté“ ist nicht in der Kärntnerstraße 26, sondern auf 61. Stimmen mag aber, dass es das „einzige Varieté“ Wiens ist. Denn nach „Varieté“ ist nicht jedem. Die alten Renz- und Moulin-Rouge-Zeiten sind in den 70ern gewesen.

Sucht nach jungen Frauen

Josef Stern denkt einfach nicht ans Aufhören. Es ist seine Sucht nach jungen Frauen, mit denen er sich umgeben will. Und er ist Operettenfreund. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit zitiert er den Grafen Danilo aus der „Lustigen Witwe“. Der singt: „Dann geh‘ ich ins Maxim, dort werde ich intim“.

Man weiß (nicht erst) seit dem 23. Mai 2010, dass er alte Zeiten wieder beleben will. Mit Ostprostituierten und Animierdamen aus der Tschechei oder Moldawien und Litauen. Mit letzteren beiden Nationalitäten ging das 2006 furchtbar in die Hosen. Doch Alter macht weise und leise. Nur leise ist der Werbebeitrag nicht.

Pepi Stern denkt nicht ans Aufhören und will neuerlich - nach 2006 - das Maxim medial anfeuern. Damals verbrannte er sich die Finger. Auch diesmal hofft er auf Adelige und Grafen als solvente Abendgäste im Varieté. (Foto: Oe, 23. Mai 2010, s. 20)

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Aus dem Geschichtsbuch:

Fall Franz Hohenberger: Unterhaltung, Tanz, Vorführung, Separée
(Archivbeitrag von Vorgängerseite „Blaulicht und Graulicht“/gerichtlive, 13. Oktober 2006)

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