Rotlicht in Wien und der Welt

Richard Steiner und Freunde weiter in Haft – nächste Chance in einem Monat

Posted in Richard Steiner, Wien by rotlichtwien on 23. April 2010

1.300 Personen befinden sich derzeit im Landesgericht Wien. Ein Duzend davon gehört zu Richard Steiner und seiner Truppe. (Foto: B&G vom Landesgericht)

(Wien, im April 2010) Die Jüngeren unter den Lesern werden sich nicht mehr erinnern. Heinz Bachheimer sagte einst, sein legendärer Spruch, wir schreiben 1978: „Mit reellen Geschäften ist weit mehr zu verdienen als mit jeder Hackn. Aber der Weg zur weißen Weste ist halt furchtbar lang.“

Was der „rote Heinz“ mit diesen Worten meinte: Man möchte gerne legal wirken, aber man kann halt nicht immer.

Der „Rote“ fiel dann über den strengen Staatsanwalt Robert Schindler, der zusammen mit seinem Polizeipräsidenten Karl Reidinger alte Mafiageschichten in Hamburg und München, goldene Revolver und Gemälde merkwürdiger Provenienz zur Disposition stellte. Damals sprach ganz Wien davon, dass die „größte Mafiaorganisation der Wiener Kriminalgeschichte“ zerlegt wurde. Das war 1978. Nachsatz: Alle Beteiligten waren Wiener und in einer Weise Lebemänner und „Originale“.

Legale Geschäfte und weiße Westen

Heinz Bachheimer ist heute geläutert, macht noch seinen „Queens Club“ am Wiener Gürtel, sitzt jeden Tag bei seiner Kassafrau, zählt das Geld und wenn ihn das Herz zieht, fährt er raus zu Dr. Ewald Priessnitz nach Korneuburg und lässt sich von seinem Leibarzt den Puls fühlen.

Heute spricht man wieder von einer „Mafia“. Eine viel größere. Internationaler. Fremder. Die Besetzung der Truppe besteht nicht mehr aus Österreichern. Selbst der Capo Richard Steiner heißt erst seit einem Jahrzehnt so, davor hieß er Barisic, kam aus Kroatien oder Serbien nach Wien und nahm viele Freunde mit.

Parallen zur Alten Unterwelt

Zur „alten Zeit“, zur „alten Unterwelt“ gibt es drei Parallelen.

  • Im Jahr 1978 wurde den „Gentlemen mit kleinen Fehlern“ (AZ) „Erpressung“ vorgeworfen. Der heutigen „Mafia“ vom Wiener Gürtel wird ebenso Schutzgelderpressung und die Gründung eines Clubs in der Art einer Privatarmee (Nokia) zur Last gelegt.
  • Zweitens: Ein Zeuge im Bachheimer-Prozess im Oktober 1978 stöhnte vor Gericht: „Das sind fürchterliche Leut‘, die auch foltern“. Der nunmehrigen Gang rund um den ehemaligen Berufssoldaten Steiner wird wohl ebenso vorgeworfen werden, dass er sich nur mit der Kickboxerszene umgab. Dass diese keine Schachweltmeister hervorbringt, ist bekannt.
  • Dritte Parallele: Schon damals sagte der Anwalt des „Roten Heinz“, Wilhelm Philipp, im übrigen der Vater des 2010 in dieser Causa nun auch engagierten Peter Philipp, in seinem Schlussplädoyer: „Es gibt keine Beweise.“ Der Anwalt des 2010er-Capo Richard Steiner, Christian Werner, sagt das nicht erst zum Schluss. Er sagt das schon zu Beginn und am Anfang. Er sollte vielleicht irgendwann eine neue Platte auflegen.

Insoweit ist nur eines zu sagen: Die Haftprüfungsverhandlung am 21. April 2010 verlief im Landesgericht Wien für alle elf oder zwölf Beteiligten negativ. Es gibt keine einzige Enthaftung. Man muss nicht so weit gehen wie Staatsanwalt Schindler, der 1978 im letzten großen „Mafiaprozess“ am Landesgericht Wien sagte: „Das ist der Bodensatz der Gesellschaft“. Das war grob.

Einzelzelle und Sonderbett

Doch klar ist: Der Gang wird „Bildung einer kriminellen Organisation“ (§ 278a) vorgeworfen. Und damit sitzen alle einmal in U-Haft. Richard Steiner wurde bei seiner Ankunft eine Einzelzelle reserviert. Das geschieht nicht, weil er in der Justizanstalt Josefstadt in Gefahr sei, sondern damit keine Absprachen möglich sind. Ausgeschlossen werden können diese nicht: Briefeschreiben kam zwar in Freiheit außer Mode, doch Kassiber schicken und Pendeln mit der Schnur ist einigermaßen Geübten auch im Grauen Haus möglich.

Für einen, der sein Leibwächter war, den ehemaligen Briefträger „Langer Peter“, wurde auch gesorgt. Wegen seiner unmenschlichen Körpermaße von 2 Meter 13, wurde ihm ein Sonderbett aus zwei Betten zusammengeschweißt. Auch die Matratze wurde angestückelt. Es ist nicht so modisch wie der rote Plüsch im „Pour Platin“. Doch damit kann der „Riese“ auch in Haft zum ruhigen Schlaf kommen.

Den Seinen besorgts die Staatsanwaltschaft. Der nächste Wiederherstellungspunkt für eine Rückkehr in die bürgerliche Gesellschaft ist in einem Monat (21. Mai 2010). Scheitert auch diese (zweite) Haftprüfung vor dem Haftrichter, geht es im Zweimonatstakt weiter (21. Juli 2010; 21. August 2010; 21. Oktober 2010). Das Journal rechnet mit gar nichts. Sondern mit einem Strafprozess im November 2010. Bis dahin wird wohl alles ausermittelt sein und dann werden die Fakten am Tisch liegen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Richard Steiner, Wien)

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