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Zeitung – Gürtel-Boss Richard Steiner wird nicht auspacken

Posted in Richard Steiner, Wien by rotlichtwien on 9. April 2010

In der Kronen Zeitung nutzt der Anwalt Christian Werner die Gunst der Stunde für einen PR-Auftritt und gibt sich trotzig: Sein Mandant werde gar nichts auspacken. Dass es so bleibt, ist freilich unwahrscheinlich. (Foto: Archiv B&G, Krone, 8. April 2010)

(Wien, am 8. April 2010) Zwei Tage nach der Verhaftung großer Teile des Steiner-Clans (schwankend zwischen neun und 12 Personen in Burgenland, Niederösterreich, Wien, München und Spanien) wollen Insider und neugierige Zeitungsleser mehr zur Causa Nummer eins der Wiener Unterwelt lesen. Doch es gibt nichts.

Steiner ist in München in Auslieferungshaft, ebenso sein Statthalter in Spanien, aber auch Drusan S. alias „Rocky“, der in Eisenstadt auf seine Überstellung nach Wien in das „Graue Haus“ wartet. Alle werden in einer Art Sternfahrt in das größte Untersuchungsgefängnis Wiens zusammengeführt und dann erst können die Befragungen beginnen. Daher haben die Zeitungen wenig Futter.

Lauter Gesang in Medien

Die „Kronen Zeitung“ stellt am 8. April 2010 in ihrer Ausgabe aber fest: „Noch singt der Gürtelkönig nicht!“ Richtig, kann er auch nicht, da er in München ist und sein Gesang dort zwar laut, aber in Wien beim besten Willen nicht hörbar sein kann. Ob der Kopf der Wiener Gürtelfirmen und dem, was von ihnen noch übrig geblieben ist, überhaupt singen wird, bleibt fraglich. Immerhin hängen mehrere Faktoren für den Jungunternehmer und Freund des Gegengeschäfts davon ab.

  • Zum einen ist die Frage primär, was er dafür erhält, wenn er „singt“. Das Landesgericht Wien hatte 2009 einen Fall rund um einen serbischen Drogenkurier, der 104 Kilogramm Kokain ins Land Österreich gebracht hatte und dennoch nur vier Jahre Haft erhielt. Warum? Weil er Kronzeuge wurde und die Hintermänner nannte. Die Kronzeugenregelung fällt aus Sicht des Journals im Fall Steiner aus, da er keine Hintermänner hat, sondern eine Art Vordermann ist. Er ist nicht nur auf Vordermann, er gilt auch als der Chef der Gruppe Steiner.
  • Die zweite Frage ist, was die Auswirkung ist, wenn er singt. Zum Beispiel könnte sein, dass er über frühere Polizeiabsprachen Bescheid weiß und diese als Trumpf in seiner eigenen Verteidigung zu ziehen weiß. Das Schweigen, also das Nicht-Singen, könnte theoretisch auf die eine oder andere Formulierung oder Schärfe in der Anklage Auswirkungen haben.
  • Die dritte Frage ist wie immer eine Frage der „Loyalität nach Unten“. Wie loyal ist ein Gruppenführer nach unten, wenn es um die Teilverantwortlichkeiten geht? Putzt er sich ab und teilt nach unten ab oder nimmt er alles auf seine Kappe?
  • Die vierte Frage, sie betrifft die anderen Gruppenmitglieder, ist die der „Loyalität nach Oben“. Wie loyal sind Gruppenmitglieder einer Gang nach Oben, wie sehr sind sie bereit, Verantwortung alleine zu übernehmen oder wie weit schieben sie die Verantwortung nach oben und von sich weg?

Geflecht in viele Richtungen

Somit entsteht ein großes Geflecht nach allen Richtungen. Wo Geschäfte gemacht werden, die den Hauch von Schmutz haben, ist das Geflecht der Absprachen immer größer als bei einer sauberen Arbeit. Es liegt am Geschick der Ermittler, die unterschiedlichen Teile der Gruppe nach psychischer Verfassung der Einzelnen gegeneinander auszuspielen und zu mobilisieren.

Der Anwalt des Richard Steiner, der schon im Fall Cappuccino „Rocky“ vertreten hatte, Christian Werner, gibt es zu einfach. Gegenüber der „Kronen Zeitung“ am 8. April 2010: „Mein Mandant wird bestimmt nicht auspacken, da es nichts gibt, was er aufdecken könnte.“ Es sei „sinnlose Traumdeuterei“.

Das wird man sehen, wenn alle in der Sternfahrt nach Wien gekommen sind und mit den Vorwürfen konfrontiert werden.

Steiner und (einst) Bachheimer – beide stürzen mit 39 Jahren

Einst saß Harald Hauke fast ein Jahr in U-Haft, ehe es im Februar 2004 zu seinem Schuldspruch kam. Er wurde damals vom direkten Kontrahenten Richard Steiner, damals 34 Jahre alt, massiv belastet. Es ist gut möglich, dass nun ein halbes Jahr oder mehr U-Haft auf die Beteiligten warten und dann ein großer Prozess im Schwurgerichtssaal Nummer eins abgewickelt wird. Der nunmehrige Fall des Richard Steiner erinnert fast deckungsgleich an den Fall Heinz Bachheimer anno 1978. Bachheimer war damals auch 39 Jahre alt und galt als Nummer eins in der Wiener Gürtelszene. Auch er galt als Mann mit Manieren, Intelligenz und Geschäftssinn. Auch er hoffte auf Freispruch und saß zehn Monate in U-Haft. Er bekam in der ersten Oktoberwoche 1978 dreißig Monate Haft, sein erster Adlatus Waldemar Gehmayer gar dreieinhalb Jahre. Auch ihnen wurden sehr alte Dinge und mafiaähnliche Strukturen zur Last gelegt. Nach der Haft in Garsten, in der Bachheimer unter anderem mit einem gewissen Ernst Walter Stummer die Runden drehte, zog sich dieser von den Gürtel-Geschäften fast zur Gänze zurück und die alte Runde um seine Person löste sich auf.

Marcus J. Oswald (Ressort: Richard Steiner, Wien)

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