Rotlicht in Wien und der Welt

Richard Steiner verhaftet – Gürtelpartie dezimiert

Posted in Richard Steiner, Wien by rotlichtwien on 7. April 2010
Richard Steiner inmitten seiner Freunde.

Richard Steiner und einige Freunde wurden in einer Kommandoaktion am 5. April 2010 verhaftet. (Foto: vegan.at)

(Wien, im April 2010) Die ehemaligen Widersacher haben lange darauf gewartet. Sie sagten im Jahr 2009 schon zum Journal: „Wenn Richard Steiner in Wien nur bei Rot über die Ampel geht, wird er verhaftet werden.“ Viele haben das als typisches Rotlichtgerede abgetan. Man konnte sich nicht denken, was gegen Vladimir Barisic vorliegt.

Zum Zeitpunkt 2009 lebte er in Mallorca und wechselweise in der Dominicanischen Republik unter der heißen Sonne, verwaltete das Geld aus Wien, hielt tägliche Videokonferenzen und soll in Immobilien investiert haben. Auch das Lesen kam nicht zu kurz. Philosophen aller Länder und Zeiten sollten dem Rotlicht-Geschäft einen höheren Sinn geben. Damit ähnelt der Jungunternehmer mit dem eingedeutschten Namen nicht nur Top-Managern, die auf der einen Seite ihren Geschäften nachgehen und in ihrer Freizeit an der Sinnleere ihrer Geschäfte leiden.

Easy, Rocky, Zopf, langer Peter und andere

Wie es auch sei. Am 5. April 2010 wurde Richard Steiner am Flughafen in München festgenommen, als er von der DomRep einreisen wollte. Er wollte den Wienern einen Besuch abstatten. Verhaftet wurden auch einige Getreue bei Hausdurchsuchungen in Wien und Umgebung. Unter anderem der „Sicherheitsexperte“ mit Spitznamen „Rocky“, sowie Steiners Bugl, der „lange Peter“, ein ehemaliger Briefträger mit beachtlicher Länge von 2 Meter 13. Dragan Repic „der Zopf“ soll ersten Meldungen zufolge auch in Untersuchungshaft gewandert sein. Er soll eine unbehandelte Schusswunde an der Hand haben. Umgehend dementierte die Wiener Justiz, dass Repic in Haft sei. In Haft hingegen ist „Easy“ der ganzkörpertätowierte Vorarlberger, der in Wien mit eleganter schwarzer Audi-Limousine rund um den Neubaugürtel abends seine Runden zog. Auch in Spanien wurde eine Person arretiert. Der verheiratete Rocky hatte kürzlich erst seine Geliebte verloren, die Kellnerin im Steiner-Lokal 599 am Lerchenfelder Gürtel war und kürzlich erschossen wurde. In der Rotlicht-Szene leugnete man einen Zusammenhang mit Rivalitäten. Als Täter wurde tatsächlich ein offenbar gänzlich Unbeteiligter verhaftet.

Was die langen Hintergründe für die nunmehrigen Verhaftungen sind, kann man erahnen: Der 39-Jährige Richard Steiner war zwar bei Betrieben beteiligt (unter anderem mit 100.000 ATS Stammeinlage in der Höbaus Firma am Neubaugürtel), er führte aber, so erweckt es den Anschein auf Außenstehende, seine Firmen wie kriminelle Organisationen. Diverse Bilder erinnern an Mafia-Filme aus Hollywood. Diese Bilder geben noch nicht einen Grund für Verhaftungen. Mehr schon ließ der Firmenchef damit aufhorchen, dass er sich monatlich 200.000 Schilling aus den Firmen entnimmt und überweisen lässt. Daran knüpft sich die Frage, woher das Geld stammt.

Großer Lauschangriff

Die Staatsanwältin in diesem Falll ist Susanne Kerbl-Cortella. Sie gab einen großen Lauschangriff in Auftrag und überwachte mit Wanzen die Firmenzentrale des Eduard Höbaus und des Richard Steiner am Neubaugürtel 15, genannt „Pour Platin“ mehrere Monate lang rund um die Uhr. Das Gebäude wurde zudem ein ganzes Jahr rund um die Uhr beschattet (die Sicht auf das straßenseitige Gebäude gegenüber des Hotel Wimberger ist gut). Die Polizeiermittler hörten dazu Mobiltelefone ab. Aus dem Gesamten wurden Protokolle gefertigt, wie immer bei solchen Causen, mehrere tausend Seiten.

Ein weiterer Hintergrund ist der nach wie vor ungeklärte Mord im Café Capuccino (heute „Café Polo“) in der Ottakringerstraße in Wien. Dort wurde ein Mann erschossen, dann saß ein Hauptverdächtiger über ein Jahr in U-Haft und wurde freigesprochen. Dann wurden einige Urteile nach Falschaussage gefällt und der richtige Täter sitzt noch immer nicht. Man vermutet seit langem am Landesgericht Wien, dass ein Zusammenhang mit dem Mord im engen Lokal und der „Gürtel-Partie“ herrscht. Freilich gab es in der Aufklärung dieser Tat kein Weiterkommen. Die U-Haft wurde vermutlich aus diesem Grund verhängt: Weil der Haftdruck so manche schon aufgeweckt hat.

Der gesamte Akt ist laut Aussage des Wiener Anwalts Christian Werner ein Verschlussakt und daher ist der Öffentlichkeit bisher wenig davon bekannt.

Marcus J. Oswald (Ressort: Wien)

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