Rotlicht in Wien und der Welt

Künftiger Boxchamp Knezevic – sponsered by HC Strache

Posted in Serbien by rotlichtwien on 4. Januar 2010

Boxtalent Gogi Lionheart Knezevic wird von HC gefördert.
(Fotoquelle: Tageszeitung HEUTE, 4. Jänner 2010, S. 19)

(Wien, im Jänner 2010) Der Wiener Politiker H.C. Strache hat sich gesagt: Besser man fördert einen künftigen als einen vormaligen Weltmeister. Daher gewann der FPÖ-Parteiobmann den serbischstämmigen, österreichischen Jungboxer Gogi Knezevic als Werbepartner. Er wirbt nun auf dessen Gürtel mit dem Logo „HC Strache.at 2010“. Die Jahreszahl verweist auf den Wahlkampf im Oktober 2010, wo die FPÖ Wien einnehmen will. Dazu gehört auch die Balkan-Ethnie, die 80.000 Köpfe ausmacht.

Rechnet man dazu, dass Ende des Jahres 2009 der Muslimprediger Shaker Assem öffentlich in einem Brief „alle Muslime in Österreich“ aufrief, zur SPÖ auf Distanz zu gehen, nachdem wieder einmal eine SPÖ-Frauenministerin die islamische Religion angegriffen hatte, könnte sein, dass die FPÖ auch im muslimischen Bevölkerungssektor Wählerstimmen fischen wird. Trotz Abendland-Kampagne scheint die FPÖ das geringere Übel zu sein.

Gogi Knezevic im Ring. Starke Bilanz: 16-2 (7 k.o.). (Foto: Wiener Stadthalle)

Enger Freund Harald Haukes

Den Beginn macht aber der Boxer. Er ist noch jung, knappe 30. Er kam früher schon einmal auf dieser Webseite vor. Er ging in einem Gerichtsprozess als Zeuge. Am 9. November 2004 im Strafprozess gegen Harald Hauke, in dem am 1. Februar 2005 das Urteil gesprochen wurde. Der abschließende Prozessbericht (7. März 2005) auf der alten „Blaulicht und Graulicht“ hieß: „Aschermittwoch für Harald Hauke“. Die Passage mit Gogi Knezevic lautete:

„(…) Drei Tage wurde im kleinen Saal 311 verhandelt. Der Angeklagte Harald Hauke wies alle Vorwürfe zurück, Staradvokat Peter Philipp nankerte Kaugummi, Staatsanwalt Leiningen-Westerburg erkundigte sich über Boxen, Richter Thomas Schrammel blieb skeptisch.

Haukes Schweigen am zweiten Prozesstag

Harald Haukes Rolle war am zweiten Prozesstag beschränkt. Er schwieg fast durchgehend. Die Zeugen waren drei Stunden am Wort. Am ersten Verhandlungstag hatte sich Hauke von allem, was mit dem Wort „unter-“ beginnt, eifrig distanziert. Am zweiten Tag waren Zeugen aus eben dieser „Unterwelt“ am Wort und er saß im schwarzen Sakko ruhig daneben. Nervlich angespannt, aber gefasst. Für den Angeklagten ging es um bis zu zehn Jahre Haft.

Einer nach dem anderen trat auf. Staatsanwalt Leiningen-Westerburg mag Unterweltsprozesse. Auch er verwendete in seiner Befragung Stilblüten des Rotwelsch, um Nähe und Vertrauen herzustellen. Es ist ein Trick der Behörde, um auf künstliche Weise die berufliche Nähe in ein Milieu herzustellen, mit dem man sonst wenig zu tun hat.

Der Staatsanwalt zeigte weitere Interessen: Als Gogi Knezevic als Zeuge der Verteidigung auftrat, ein Boxathlet aus dem ehemaligen Jugoslawien, sah man ihm seine Aggression gegenüber dem Gericht nach. Der Mann war sehr geladen, hatte ihm doch erst kürzlich ein anderer Richter am Landesgericht Wien zehn Monate bedingt aufgebrummt. Man verstand die Wut des Boxers. Doch da der Athlet vier Tage zuvor in der „Lugner City“ für sein Box Team Vienna österreichischer Staatsmeister im Weltergewicht (69 Kilo) wurde, ließ man ihm einiges durchgehen.

Als sich Richter Thomas Schrammel beim Eintreten des Zeugen zum halblauten Wortgewitzel „vom Halbwelter zum Unterweltler“ hinreißen ließ, mochte niemand darüber im Saal so richtig lachen. Der abfällige Witz auf Kosten des Zeugen kam nicht an.

Lockere Konversation im Gerichtssaal

Staatsanwalt Leiningen-Westerburg war der Letzte, der sich über den Zeugen der Verteidigung beschwerte. Auch nicht, als der sportliche Zeuge den Richter direkt anfauchte, als ihn dieser wieder einmal nicht aussprechen ließ: „Herr Richter, Sie wollen mir schon wieder die Worte aus dem Mund nehmen und umdrehen.“ Knappe Replik Schrammels: „Nein, das täte ich nie. Das wäre ja unappetitlich.“

Leiningen-Westerburg schien sich überhaupt weniger für den Zeugen Knezevic als für den Boxer Knezevic zu interessieren. Staatsanwalt in seiner offiziellen Befragung: „Wie viele Zuschauer waren bei Ihrem Kampf?“ Knesevic: „Wenige, aber es werden immer mehr.“ Staatsanwalt: „Wann ist der nächste Kampf? Informieren Sie mich. Dann komme ich hin!“

Verteidiger Peter Philipp, einer von Wiens Staranwälten, die wirklich teuer sind und dessen Kanzlei in fünfter Generation „Strafrecht“ macht, lehnte während der Verhandlung lässig im Drehstuhl. Er trug keinen Talar und kippte mit zunehmender Dauer immer weiter nach hinten, sodass der Drehstuhl zum Lehnstuhl wurde. Der Anwalt kaute drei Stunden lang Kaugummi. Seine Fragen und Einwürfe blieben entsprechend haftsicher.

Knezevic: „Kenne die falsche Mentalität meiner Landsleute“

Der 25-jähriger Boxer Gogi Knezevic sang ein Loblieb auf Harald Hauke, den er „von Kindheit an kennt“.
„Seit 1989, schon als ich noch ein kleiner Bub war, hat mich Hauke immer unterstützt, auch beim Boxen.“ Zur „Erpressungssache“ führte er aus, dass er „von Harry“ zum säumigen Zahler „geschickt“ wurde und so kam in seiner Aussage nicht klar heraus, ob er es aus eigenen Antrieb tat.

Zwar ging der Exjugoslawe zum exjugoslawischen Schuldner aus Freundschaft zu Hauke, „weil ich die falsche Mentalität meiner Landsleute kenne“. Er bot sich offen und aus freien Stücken an, die Sache zu regeln. Aber er gab auch an, dass er „geschickt“ wurde und „geschickt“ bleibt „geschickt“, auch wenn es ungeschickt war.“ (…)

[2. Verhandlungstag gegen Harald Hauke. Saal 311, Landesgericht Wien, 9. November 2004]

Marcus J. Oswald (Ressort: Serbien)

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