Rotlicht in Wien und der Welt

Peepshow Raaberbahngasse halbiert sich

Posted in Peepshow by rotlichtwien on 13. Dezember 2008

(Wien, im Dezember 2008) Der Sexmarkt in Österreich steht auf vierzehn Füßen. Das Fundament ist, wie es Unternehmer nennen, „breit aufgestellt“.

1. Seit Mutzenbacher gibt es klassische Rotlicht-Plüsch-Bars. 2. Es folgten amerikanische Table-Dance-Bars (meist in Innenstädten). 3. Vor 13 Jahren begannen in Wien die Kennedy-Zwillingsbrüder (nicht: John F. und Robert) mit Escortservice. 4. Es gibt den Wiener Straßenstrich (nach 90er Jahre-Reform fast verschwunden; im Prater, wo die Bäume blühn, noch vorhanden). 5. Die Kontakt-Cafés (mit Hinterzimmer). 6. Die klassische Wohnungsprostitution (gegen „Körberlgeld“ an „Hausfrauen“). 7. Die Massage-Salons (Boom seit den 90er Jahren mit vornehmlich schweigsamen Asiaten). 8. Die FKK-Saunas in großen Hallen und umgebauten Supermärkten als Supermärkte der Erotik (siehe das „Goldentime“ des verstorbenen Wolfgang Bogner oder das geschlossene „Donaudolls“ des Werner Schmuck. Betriebsmotto: zuerst ein Sonnenbad, dann ein Dampfbad, dann ein Schwimmbad, dann ein Schaumbad, dann ein Lustbad.) 9. Die Swingerclubs und „Familiensaunas“ (Pionier Viktor Hennemann mit „KORE-Palast“, nun „Atlantis“ oder „Traumland“ und andere). 10. Die flexiblen Haus- oder Hotelbesuche durch flexible Prostituierte. 11. Die elitären Fetisch- und Domina-Studios, die weniger wurden, aber teurer. 12. Die Laufhäuser, die in Wien als die Zukunft gelten. 13. Die Online-Kontaktbörsen (parship, love, websingles, partner und wie sie heißen). 14. Die niederschwelligen Peepshows in alter Tradition, die keine Katzen im Sack verkaufen. Nur mehr sechs Stück gibt es in Wien.

In Summe, so Schätzungen, finden in Wien pro Tag 11.000 Prostituierten-Kontakte statt.

Konkurrenz durch Internet

Die Peepshows sperren derzeit in Wien der Reihe nach zu. Ihre schärfste Konkurrenz sind alle Rotlicht-Sektoren, in denen Frauen am Werk sind, die über Internet anbieten. Stehende Infrastruktur und der hohe Kostenfaktor des Tagesbetriebs (Strom, Heizung, Personal) einer Peepshow machen den Betreibern zu schaffen. In virtuellen Zeiten gehen sie am Grat zum Abgrund.

Zu Siggi Köhlers Zeiten, bis 2006, wurde das Marketing aktiv und solide betrieben. (Foto: Oswald)

Eine Wiener Peepshow macht nun etwas, was man als letztes Ausatmen deuten muss. Man halbierte die Preise. Die Peepshow Raaberbahngasse senkte im gesamten Dezember den Preis für Dienstleistungen um die Hälfte ab. Statt einen Euro verlangt man nur 50 Cent.

Halbpreis auf Alles!

Die Minute „Peepen“ in den Kreisel kostet 50 Cent statt einen Euro, die Minute „Videofilm“ kostet nur 50 Cent statt einen Euro. Andere Dienstleistungen: Halbiert.

Dumping: Bekommt man in einer Peepshow für weniger Geld das Gleiche, weniger oder mehr? Gültig und gesehen im Dezember 2008. (Foto: B&G)

Dem Besucherschwund im Geschäft der Peepshow Raaberbahngasse tut das keinen Abbruch. Im Lokal herrscht gähnende Leere. Die schöne Webseite aus Siggi Köhlers Zeiten (online: 2001) will darüber hinweg täuschen.

Preiselastiziät

In der Sprache der Ökonomie nennt man das Preiselastizität. Nach diesem Modell werden Preise für Dienstleistungen nach unten gezogen. Dem Dumping wird Tür und Tor geöffnet. Erfahrene Geschäftsleute wissen, dass dieser Weg falsch ist und Schlußverkauf kurz vor der Schließung steht, da der Dienstleistung kein Wert mehr gegenüber steht.

Der Peepshowsektor reduzierte sich in den letzten Jahren in Wien von elf auf sechs Anbieter. Im long run einer Geschäftstätigkeit garantiert nur Preisstabilität eine kaufmännische Performance. Salopp gesagt heißt es im Geschäftsleben: Ist der Preis erst einmal über die Knie, dann rutscht er auch über die Knöchel und man bringt ihn nicht mehr hoch.

Abverkauf

Dieses Journal behauptete schon Mitte 2008, dass die Peepshow Raaberbahngasse bald zusperrt und den teuren Geschäftsraum (Miete: 8.000 Euro) in eine lukrativere Table-Dance Bar umwandelt. Die Aldi-Methoden der deutschen Inhaber, Kessler-Brüder, weisen in diese Richtung.

Noch einmal Massen-Abverkauf von DVD-Ware aus Deutschland (Deutscher Video Ring). Die Peepshow Raaberbahn in Wien-Favoriten gleicht schon lange mehr einem Erotiksupermarkt. Und nächstes Jahr? Im Jänner 2009 werden die wenigen verbliebenen Kunden sagen: Im Dezember zahlten wir pro Minute Peepen nur 50 Cent und nun wieder einen Euro? Nicht mit uns. Die Taktik ist insgesamt unklug. Kein Taxilenker käme auf die Idee, nur weil Weihnachten ist, die Fuhre um den halben Preis zu fahren.

Es sind Geschenke, die an Selbstaufgabe grenzen. Die „Raaberbahn“ hat sich im Dezember 2008 selbst aufgegeben.

Aldi unter den Wiener Peepshows: Peepshow Raaberbahngasse. Noch einmal zum Ansehen, denn Bestand hat das Geschäftsmodell nicht. Bald herrscht tiefe Nacht. (Foto: Sepp Zaunegger für B&G)

Marcus J. Oswald (Ressort: Peepshow)

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