Rotlicht in Wien und der Welt

Linzer Rotlicht-Multi Peter Stolz hat Haft angetreten

Posted in Linzer Szene, Oberoesterreich, Prostitution by rotlichtwien on 19. April 2006

Moderator im eigenen TV-Sender: Peter Stolz entkam der Finanz nicht. (Foto: TV 6)

(Wien, Linz im April 2006) Nachträglich weiß man immer alles besser. Im Nachtrag auch dieser Beitrag. Der Linzer Rotlichtkönig Peter Stolz, 60, von diesem Journal schon einmal „Hugh Hefner von Linz“ genannt, hat seine Haftstrafe von 2 1/2 Jahren angetreten. Er lebt nun in der Justizanstalt Garsten. Sein Imperium von Einst liegt in Trümmern.

Ursprünglich hatte das Urteil auf vier Jahre Haft gelautet. Ende Oktober 2002 wurde er für eine sehr alte Geschichte aus den 90er Jahren wegen fahrlässiger Krida verurteilt, da er im Verdacht stand, die Finanz um einige Millionen Schilling genarrt zu haben. In einem Nachtklub aus seinem Imperium habe er „schwarz“ gewirtschaftet. Im Jahr 2003 zahlte er schließlich 180.000 Euro an die Finanz nach und erwirkte so eine Strafmilderung vor dem Oberlandesgericht Linz. Das Urteil hieß nun 2 1/2 Jahre.

Das alles geschah nur zwei Jahre, nachdem 2001 das „Sexodrom“ fertig gestellt und im Herzen von Linz (Graben 5) feierlich im Beisein von Prominenz aus Wirtschaft und Politik eröffnet wurde. Für Stolz war das damals schon eine Zitterpartie. Er hatte potenzielle Haft im Nacken.

2003 gab er das Magazin „Sex ohne Zensur“ (SOZ) ab. Es blieb ein Schuldenberg im Verlagsgeschäft. Im Jahr 2003 lief sogleich sein Sender TV 6 erstmals über den ASTRA-Satelliten. Doch die Kosten waren enorm und außer Gewinnspiele und Zockerfernsehen gab es wenig Gutes. Sein Haus wurde verpfändet, dann eine Yacht.

Peepshow-Pionier in Wien

Peter Stolz galt als Erotik-Pionier in Österreich. Um 1983 eröffnete er in Wien eine der ersten Peepshows in der Burggasse. In Linz hielt er Peepshows und Nachtklubs. Fast zwanzig Jahre danach, 2001, erreichte er mit der Eröffnung des „Sexodrom“ (hier geht es noch zur Webseite) auf fünf Etagen, nach eigenen Angaben „Europas größter Sextempel“, seinen Zenit – und übernahm sich.

Die expansiven Gelüste steigerten sich. Der 55-Jährige wollte nach den Sternen greifen und bedachte nicht, dass das TV-Geschäft via ASTRA die teuerste Form überhaupt ist, in Medien zu machen. Satelliten-TV 6 entstand – mit monatlich horrenden Satellitengebühren.

Die Ereignisse überschlugen sich. Am 8. September 2004 tauchte in der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) ein Leserbrief auf, in dem sich ein 40-jähriger Monteur aus Linz beschwerte, dass er „auf Dienstreise in Deutschland bei einem Gewinnspiel des Senders TV 6“ mitmachte, beim „Tresorspiel“ einen Zahlenkode knackte, aber die Summe von 17.000 Euro nicht ausbezahlt bekam. Regelmäßige Seher beklagten das mangelnde Konzept des Senders und unfähige Moderatoren.

Zwei Jahre Fernsehabenteuer sind genug

Am 21. April 2005 gab man die Konkursreife der „X-Gate Multimedia Broadcasting GmbH“ bekannt. Am 6. September 2005 lief die letzte TV 6-Sendung. Zurück blieb ein Chaos und Schulden in der Höhe von einigen Millionen Euro, die teilweise durch Immobilien gesichert sind. Am 19. Oktober 2005 wurde das Unternehmen „X-Gate“ zugesperrt.

Auf Grund von gerichtlicher Vergangenheit war Stolz nicht selbst Geschäftsführer. Er wurde auch nicht für diesen aktuellen Konkurs verurteilt, sondern für Malversationen aus den 90er Jahren. Nach Haftaufschub wegen orthopädischer Probleme (Ziehen im Knie) trat er seine Haft erst im Oktober 2005 an.

Peter Stolz wird im April 2008 wieder ein freier Mann sein.

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Mehr Peter Stolz hier: „Hugh Hefner von Linz“ – Schlapp gemacht – TV 6 im Ausgleich (7. Mai 2005)

Marcus J. Oswald (Ressort: Prostitution, Oberösterreich, Linzer Szene)

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