Rotlicht in Wien und der Welt

Stummers Geheimprostituierten-Katalog

Posted in Medienhotspots by rotlichtwien on 9. September 2005

Am 13. Mai 1969 (Bildbericht aus dem sozialistischen Express) wurde der damals 31-jährige Ernst Walter Stummer (mit Brille), der ein Büro in der Wiener Sternwartestraße unterhielt, verhaftet und später auch verurteilt.
(Quelle: Zeitungsarchiv Oswald, Repro: Marcus J. Oswald)

(Wien, im September 2005) Angeblich macht Ernst Walter Stummer „seit 1968“ den „Stummers Partnerkatalog“. Mit der Eigenwahrnehmung ist es ein schweres Kreuz. Das „Gründungsjahr“ stimmt schon. Freilich muss man einige Jährchen im Durchlaufzeitraum bis heute abziehen, etwa: 6 Jahre Garsten, 7 Jahre Stein, 3 Jahre Sonnberg, 2 Jahre Sonnberg, 2 Jahre Simmering. Oder um nur das zu nennen: Jene 3 Jahre Stein, die er 1969 bekam, wegen organisierter Prostitutionszuführung und Kleindelikten. Enthaftung: 13. Mai 1972.

Zeit für klare Worte

Zeit, einmal Klartext zu reden. Der Wiener Ex-Einbrecher macht einen „Partner“-Katalog (oder „Modell“-Katalog oder „Hostessen“-Katalog, was weiß man). Bei näherer Betrachtung muss man allerdings kritische Bemerkungen treffen. Diese sind nicht lustig. Sie gefallen dem 67-Jährigen nicht. Es ist aber nicht einzusehen, dass man sie verschweigt.

Der „Partner“-Katalog ist gespickt voll mit Frauen, die in Wahrheit Geld wollen. Damit ist der „Katalog“ kein offenes Angebot, sondern ein Geschäftskatalog. Nach dem Motto: „Sage mir ob Du Geld hast und ich sage Dir, ob ich Dich besuchen komme.“

Bevor man weiter ins Detail sticht, einmal eine Galerie alter „Kataloge“. Diese liegen im hauseigenen Archiv von Blaulicht und Graulicht und das Muster ist immer das selbe.

Einer der ersten Kataloge: Nummer 2 aus 1974. Von diesem liegt leider kein Original mehr vor. Das Blatt ist vergriffen. Am Titelbild Marianne - Hostess 7. (Repro: MJO)

Früher bot der Lustmolch Stummer noch den „Service“ des Fotografierens an. Im nichtvorhandenen Studio machte er mit einer (vermutlich geklauten) Hasselblad-Kamera, später mit einer CANON EOS 5, Bilder. Wie viele, ist unklar. Ob der Fotoservice „angenommen“ wurde, ist im Reich der Vergangenheit verschwunden. Er kann oder will sich nicht mehr erinnern. Wenn er Angaben macht, bleiben sie vage bis undeutlich.

Mal erzählt er, dass ganze lange Bänke voller „Mädchen“ bei ihm in der Kleinwohnung am Döblinger Gürtel gesessen sind (naja, soo lange Bänke können dort gar nicht aufgestellt werden), das Telefon nicht aufhörte zu klingen und die Taxis eins nach dem anderen vor- und abfuhren. Es muss ein Kommen und Gehen gewesen sein.

Lange Bänke – Telefon – an- und abfahrende Taxis?

In der Erinnerung Ernst Walter Stummers klingt das immer melodramatisch und schöngezeichnet. Er leidet eben auch am Münchhausen-Syndrom. Wenn er in den siebziger Jahren so dick im Geschäft war, wo blieb der Reichtum? Warum die unzähligen Einbrüche? Niemand weiß das und eine Rekonstruktion ist so gut wie unmöglich. Angeblich war er „der erste Sexverleger Wiens“ (Eigendarstellung).

Stimmt vielleicht, mit dem Unterschied, dass der um 1978 von Thomas Janisch gegründete Nachtbote (Vorläuferprodukt des 1980 gegründeten ÖKM) auch journalistische Qualität hatte und verglichen damit Stummer immer zu sehr mit sich selbst beschäftigt war (zahllose Gerichtsverfahren und Haften), um ein ordentliches Medienprodukt zu machen.

Tatsache ist, dass Stummer nie „nur“ eine Zeitschrift machen wollte, sondern immer drei Dinge zugleich:

  • 1. Zeitschrift machen.
  • 2. Eine Frau „für sich einziehen.“
  • 3. Der bezahlten Hostessenvermittlung nachgehen.

Betrachtet man es so, war und ist er ein „Strizzi“. Oder „Strolch“, wie man in Wien sagt. Die Idee lautet: Vermittlung für Geld. Er dachte nicht lange nach, ob das zwischenmenschlich fördernd ist. Auch gab es keine Überlegung, ob die Auswahl des Personals gut ist (die schwache Menschenkenntnis behielt er sich bis heute).

Am 20. Oktober 1983 enthaftet, dann Nullnummer 1984. Herausgeber Ernst Walter Stummer schreibt im Editorial: Lieber Leser! Diese erste Ausgabe nach 10 Jahren erscheint als 0-Nummer mit sehr geringer Auflage und wird an Freunde von Sewuz, bekannte Journalisten, Werbefachleute, unsere ersten Inserenten und Zeitschriftenbesteller versandt. (Repro: MJO)

Man kann nicht behaupten, wie Stummer das tut, dass sein „Partnerkatalog seit 1968“ erscheint. Denn zehn Jahre nach Ersterscheinen 1974 war Pause, wie er selbst im Editorial der „Nullnummer 1984“ auch zugibt. Die Siebziger Jahre verbachte Ernst Walter Stummer nicht mit ABBA und Boney M., sondern in der JA Garsten, wo er zwischen 1977 und 1983 einsaß. Die Zeitschriftenidee blieb vorerst ein Luftschloss.

Weiter gings erst 1984 wieder. 1983 erklärte sich eine Frau namens Eva Hedwig Anna Hofmann aus Wien (später Gerd Honsik-Getreue) bereit, einen Gewerbeschein zu lösen. Dann wurde ein Lokal gesucht, man wurde direkt neben der Favoritner Antonskirche fündig. Im Lokal wurden auch pornografische Filme verkauft, die jedoch nicht aus einem Einkauf von einem Grosshändler, sondern aus einem Einbruch in einen Sexshop im Bergisch-Gladbach (Deutschland) stammten.

SEWUZ-Büro 1984 am Antonsplatz in Wien-Favoriten, direkt neben einer Kirche. (Repro: MJO)

Wiener Antonsplatz im Jahr 2003. (Foto: Sepp Zaunegger)

Zu Stummers Büro am Antonsplatz gibt es widersprüchliche Erinnerungen. Laut Stummer herrschte „reger Betrieb“, so sehr, dass, wie man in Wien sagt, die Tür nicht zuging.

Zufällig meldete sich jedoch vor einem Jahr ein Oberösterreicher per Email, Mitte 40, der damals als junger Maurer ein Loch für einen Filmprojektor im Geschäft stemmte und ebenso kleine Ausbesserungsarbeiten machte. Er hielt sich 1984 einige Tage in diesem Geschäft auf und berichtete, dass dort am Tag vielleicht zwei bis drei Kunden kamen „und nicht viel los war“. Wie auch immer. Stummers „Partnerkatalog“ erschien 1984 indessen rege.

1984: Die erste Nummer aus dem neuen Büro am Antonsplatz 7-8, 1100 Wien. (Repro: MJO)

Das erste Editorial: Stummer beklagt unsichere Adressen. Leser beklagen, dass die Hostessen, nicht an den im Katalog angegebenen Adressen anzutreffen sind. Stummers Geheimtipp: Der Angels-Club, der jedoch abgebrannt ist. Stummers neuer Geheimtipp im Heft:
Das Puderdöschen. (Repro: MJO)

Nummer 2, wegen Nullnummer die dritte 1984. (Repro Vorderseite: MJO)

Rückseite. (Repro Rückseite: MJO)

In der Ausgabe 3 (Herbst 1984) werden heiße Neuigkeiten im redaktionellen Teil berichtet: Eine fünf Druckseiten lange „Aktenabschrift“ zur Festnahme seiner Geschäftspartnerin und Gewerbescheinhalterin Eva Hedwig Anna Hofmann, geboren 1936. Sie wurde nach dem Verdacht der „Förderung der gewerbsmäßigen Unzucht“, sprich „Geheimprostitution“, verhaftet. Das Sicherheitsbüro ermittelte. Einvernommene Mädchen berichten, dass sie über das „Vermittlungsbüro“ SEWUZ, situiert am Antonsplatz 7-8, 1100 Wien, neben der Antonskirche, mit Kunden in Kontakt gebracht wurden. Eine Kellnerin namens Brigitte H. wurde am 27. Juni 1984 im Hotel H. festgenommen. Sie verlangte vom „Gast“ 1.500 Schilling und durfte 1.000 Schilling selbst behalten. Den Rest hatte sie bei Ernst Walter Stummer und Hofmann „im Büro“ abzuliefern. Am selben Tag klickten auch für Hofmann die Handschellen. Stummer blieb auf freiem Fuss.

Stummer: Nicht nur Zeitschrift machen, sondern auch am Rad mitdrehen

Sieben Frauen wurden einvernommen und gaben alle an, durch das „Vermittlungsbüro“ SEWUZ engagiert worden zu sein. Indessen fuhr Stummer nach Linz, wo er bald mit einer längeren Einbruchsserie in Verbindung gebracht wurde. Er saß dann 18 Monate bis Herbst 1986 in der JA Linz.

Nächster Mädchen-Katalog 1984. (Repro Vorderseite: MJO)

Katalog 4/1984. (Repro: MJO)

(Diese Rückseite ginge als Kunstfotografie von Jürgen Teller durch.)

Katalog 1/1985 (Repro Vorderseite: MJO)

Rückseite (Repro Rückseite: MJO)

1986 begann in Wien und Salzburg eine beachtliche Einbruchsserie. Unter anderem bei der Unternehmerfamilie Kaindl in Salzburg, beim Millionär Fellner in Wien und beim mexikanischen Botschafter der IAEA in Wien. Stummer wird 1987 zu 84 Monaten Haft verurteilt werden. Er wird bis 1994 in der JA Stein sitzen.

Noch tut Stummer, als wäre nichts geschehen. Er bezieht indessen ein neues Büro:

1986: Nach 18 Monaten Linzer Haft, war in der Geblergasse 114 im 17. Wiener Bezirk das neue Refugium des SEWUZ-Verlages.
(Foto: Archiv, Repro: MJO)

Der 48-jährige will noch einmal durchstarten. Mit einem Verlag. Parallel laufen zahlreiche Großeinbrüche. Er führt 1986 ein Doppelleben. (Foto: Archiv, Repro: MJO)

Katalog 1/1987. (Repro: MJO)

Im Editorial der Ausgabe 1/87 gibt sich Stummer mit neuer Assistentin (wörtlich: die bildhübsche Redaktionsassistentin Imelda) zuversichtlich. Eine Zeitschrift am linken Sexrand wolle er machen, eine anspruchsvolle Männerzeitschrift, die auch von Frauen gelesen wird, die Männer verstehen wollen. Traumgebilde! Er verschweigt, dass zum Zeitpunkt zahlreiche Einbrüche in Salzburg und Wien Statt fanden (Beute bis zu 10 Millionen Schilling), in die er massgeblich involviert war. Am 13. Mai 1987 wurde er inhaftiert und bald darauf zu 84 Monaten Haft verurteilt. (Repro: MJO)

Katalog 2/87. Die letzte SEWUZ in dieser Form. (Repro: MJO)

Ausgabe 3/87 blieb nur mehr Skribble aus der Justizanstalt Stein. (Repro: MJO)

Ernst Walter Stummer wäre gern Verleger. Doch das war stets nur nebenberuflich. Schlagzeilen machte er anders. Hier im Kurier am 20. Oktober 1987. (Zeitschriftenarchiv Oswald, Repro: MJO)

Nach seiner siebenjährigen Steiner Haft, die er bis auf den letzten Tag absaß, tat sich Stummer 1996 mit einem Perser namens „Aymann“ zusammen und der Katalog bekam plötzlich ein neues, sehr eindeutiges Gesicht. SEWUZ war nun eine „Pornovermittlungsagentur“.

Aus einem Singlekatalog wurde 1996 eine Pornovermittlungsbüro. Entsprechende Videos wurden gedreht, Castinggespräche geführt. (Foto: Archiv, 1996)

Mit „Partnerschaft“ und „Heirat“ hatte das nicht mehr die Bohne zu tun. Das Büro übersiedelte in die Schönbrunnerstraße in den 4. Wiener Bezirk.

Ernst Walter Stummer in seinem Pornovermittlungsbüro in der Schönbrunnerstraße im 4. Wiener Bezirk. (Foto: Archiv Oswald)

Zu den Aktivitäten aus den Jahren 1996 existiert ein Tagebuch.

Das interne Tagebuch aus 1996 über Geschäftspraktiken. (Repro: MJO)

Hier einige Auszüge aus dem so genannten SEWUZ-Geschäftsbuch:

Auszug Mai 1996: Einer unserer Katalogbezieher möchte Nr. 41 aus Ungarn für Donnerstag und ich soll fragen, ob wieviele Stunden sie kommt und ob sie griechisch macht. (Repro: MJO)

Auszug 8. Mai 1996: Anruf 17 Uhr Herr Supan - kein Interesse an Anita. Aber er braucht MELINDA und J3 für eine Stunde und er hat einen Freund, der auch Interesse an den beiden Mädels hat. O16 und O19: Self-Made Video 90 Minuten, wirklich gute Qualität machen und die Letten sollen ein Angebot machen, was sie verlangen.

Das Geschäft lief nicht sehr lange, denn es folgten drei mittellange Haften zwischen 1996 und 1999, zwischen 1999 und 2002 und zwischen 2002 und 2004.

Ab Mitte 2003 aus JA Simmering – Neuentwicklung

Ab Mitte 2003, noch in Haft, aber die letzten acht Monate des Jahres als Blancheur (Abwäscher) im Justizministerium außerhalb der Mauer der JA Simmering beschäftigt, wo ihn der Herausgeber dieser Seite regelmäßig besuchte, begann Stummer wieder mit der Entwicklung seines „Partner-Kataloges“. Er ist mittlerweile im Internet auf zwei Ebenen präsent und die Methode ist (fast) nicht viel anders als in den vielen Jahren zuvor.

Seit 2004: Ernst Walter Stummer rühmt sich im Internet erfolgreiche Partnervermittlung zu Stande zu bringen. Davon ist zwar nichts bekannt. Es ist eine schöne Ankündigung, die jedoch aus dem geschichtlichen Kontext einer Gesamtentwicklung und der Art, Geschäfte zu machen, wenig glaubhaft ist. (Screenshot am 8. September 2005, Repro: Marcus J. Oswald)

Doppelter Webauftritt

Neben der Webseite, die ihm der Wiener DJ Mickey Kodak gestaltet hat, unterhält Stummer auch einen Weblog. Dieser heißt kurz: SEWUZ. Stummer Ernst Walter Unsere Zeitung. Wie gehabt.

Ernst Walter Stummers Weblog setzt moderne Mittel für das älteste Gewerbe ein. (Screenshot am 8. September 2005, Repro: Oswald)

Besieht man sich den aktuellen Katalog, stößt man immer wieder auf Ungereimtheiten. Die Printausgabe enthält Damen aus aller Herren Länder. Blickt man in die Printausgabe, die für 25 Euro verkauft wird, bleiben viele Zweifel an der Seriosität aller Beteiligten.

Aktueller „Katalog“ 2005: Polin vielleicht „Ex-Model“, auf jeden Fall mit Kleinkind und Freund

Da wäre etwa die 28jährige Polin, die in Stummers „Partnerkatalog“ als blond, ledig, „Ex-Model“ angepriesen wird. Wohnhaft nahe Hütteldorferstraße. So weit alles stimmig, Bild ist keines dabei. Doch leider ist das Inserat unvollständig. Auf investigative Nachfrage ergibt sich folgendes Szenario: 28 Jahre, korrekt. Ledig (na) jein, denn mit Freund. Nachfrage: „Warum Inserat?“ Antwort: „Bin mit dem Freund unzufrieden, will ihn austauschen.“ Aha. Dann stellt sich noch heraus, dass die Frau ein fünfjähriges Kind hat. Davon steht kein Wort in Stummers „Partnerkatalog“. Wenn man also Wickel mit einem polnischen Kindvater haben will (der vielleicht soeben „ausgetauscht“ wurde), beginnt man am Besten über Stummers „Partnerkatalog“ eine Ehe mit dieser Frau. Die zudem Anforderungen an den künftigen Mann stellt: „Er muss eine Arbeit haben und Geld verdienen.“ Na bitte.

Das afrikanische Duo auf Plateauschuhen – Die Nigeria-Connection

Welche Wege nach Rom führen sollen, zeigt ein anderes Beispiel. Kürzlich liefen einem Freund Stummers und ihm bei der U-Bahnstation „Kettenbrückengasse“ zwei Schwarzafrikanerinnen über den Weg. Sie sprachen sie trotz der auffällig hohen Plateauschuhe und nuttigen Kleidung sofort an. Die Damen wurden gleich von der Straße weg in Stummers „Büro“ eingeladen. In Döbling ließen sie sich überreden, die (wie sich herausstellte, falschen) Kenndaten anzugeben. Sie wurden in den „Partnerkatalog“ aufgenommen. Nun stehen zwei Nigerianerinnen in Stummers „Partnerkatalog“, die angeben, im fünften Bezirk zu wohnen.

Dann traf ein Mann eine der beiden im Caféhaus. Ein harmloses Treffen. Doch die jüngere der beiden Nigerianerinnen redete eine Stunde nur über Geld. „Do you habe money? I need money.“ „Do you want to marry me?“, fragte sie Gerhard schon nach 30 Minuten. Und: „If we live together, you have to give me money.“ „Do you have a job? How much do you earn?“ Dann fragte sie ihn noch (alles in einer Stunde Cafehaus), wann er Urlaub habe, zum gemeinsamen Wegfahren. Gerhard erfuhr noch, dass die Frau von der Caritas 300 Euro im Monat erhält.

Nigerianische Freundin der Frau nur in Stummers „Partnerkatalog“ ledig

Sie sagte, sie braucht mehr Geld, für Kleidung, Schmuck und so. Gerhard wurde ausgefragt, ob er Afrikaner mag und erfuhr: „African Women are intelligent women“. Er erfuhr auch, dass die Frau offenbar im zweiten Bezirk (!) wohnt, eine Station von Schottenring entfernt. In Stummers „Katalog“ ist jedoch eine Adresse im fünften Bezirk (!) angegeben. Außerdem scheint die Freundin der Nigerianerin nur in Stummers „Katalog“ ledig zu sein. Gerhard erfuhr, dass sie mit einem „Salzburger“ verheiratet ist, der an diesem Tag auch in Wien sei. Lug und Trug also (wohl auf beiden Seiten) und eine Abzocke. Gerhard zahlte die Zeche und ging nach einer Stunde.

Die Polizeiarretierten – „Suchen alle einen Mann“ (Ernst Walter Stummer)

Wenn man Damen kennen lernen will, die einen Eintragvermerk „Ist bis 31. Juli im Spital“ haben, kauft man Stummers „Partnerkatalog“. Man muss nicht besorgt sein, dass diese Frauen unheilbar krank sind. „Im Spital“ ist ein Codewort für „Ist derzeit im Gefängnis“. Im August 2005 waren knapp zehn Damen mit diesem Vermerk in seinem „Katalog“. Häfenbräute! Eventuelle Anrufe auf Handies liefen ins bodenlose Leere. Einige dieser Damen saßen wegen nichtbezahlter Rechnungen in der Wiener „Liesl“ (städtischer Polizeiarrest) Strafen ab. Einige saßen sechs volle Wochen wegen der Verwaltungsübertretung für Geheimprostitution in stadtbekannten, privaten Hostessenwohnungen im 11. Wiener Bezirk im Häfen.

Feine Damen also, die aber „einen Mann suchen“. Auf die Frage an Stummer: „Wofür? Für eine Beziehung oder für bezahlte Dienste?“ wird Stummer leicht hysterisch, da er diese Art der Fragen nicht mag. Seine Antwort: „Ja, einen Mann halt, wofür weiß ich nicht. Woher soll ich das wissen? Die brauchen eben alle Geld.“ Wer hätte das gedacht.

Unzufriedene Käufer mehren sich

Insgesamt mehren sich unzufriedene Kunden. Ein Gerichtsmitarbeiter aus Niederösterreich, der den Katalog kaufte, kündigte eine Betrugsanzeige an, die dann nicht erfolgte. Andere zweifeln am Slogan „erfolgreiche Partnervermittlung“, meiden aber Anzeigen, da der Verlust von 25 Euro nicht allzu groß ist. Früher, Mitte der 90er Jahre, verkaufte Stummer seine Kataloge um satte 600 Schilling. Nun senkte er den Preis ab, wohl im Wissen, dass das strafrechtliche Risiko dadurch ebenso sinkt.

Zudem zieht eine Anzeige immer auch die öffentliche Peinlichkeit der Selbstenttarnung nach sich. Das ist genau das Prinzip der Rotlichtbranche, die auf Qualitätssicherung nie großen Wert legen musste, da gewisse Leistungen einfach nicht einklagbar sind. Zivilklagen haben sowieso keine Chance, da es keine Geschäftsbedingungen gibt. Die ganze Sache ist also grauestes Graulicht. Und damit erklärt sich auch, warum Stummer auf dieser Webseite Berichte und am Schwesternmagazin sogar eine eigene Rubrik hat. Das hat nicht jeder!

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Weiterblättern (nur Wesentliches):
Nach acht Jahren – Verhandlung Stummer gegen Österreich am EGMR (25. Juni 2010)
Marcus J. Oswald und Martin Luksan über: Ernst Walter Stummer 1968 (13. September 2009, Lesestück aus: 2003)
Stummer im ORF – Im Zentrum (9. Mai 2009)
Einbruch in Golf Löwe (2007) – Verdacht lag auf Stummer (18. Mai 2009) – offline gesetzt
Stummer im Kurier (Doppelseite) (15. Mai 2009)
Ernst Walter Stummer – Rein kommt man überall (11. Mai 2009)
Stummer im Kino – Bei Diskussion (9. April 2009)
Stummer, Sommer, Leisch am Karfreitag für Abschaffung der Gefängnisse (4. April 2009)
Einbrecher i. R. Ernst Walter Stummer ab morgen beim Jobcoaching (9. November 2008)
Artikel zu Stummer im Fachorgan “Der Kriminalbeamte” – durfte nicht erscheinen (25. Mai 2007; mit PDF)
Stummers Freunde (bei der Polizei) (22. Dezember 2006)
Stummer als Symbolfoto (13. Juni 2006)
Stummers zweiter NEWS-Auftritt (18/2006) (27. Mai 2006)
Stummers Inserat auf Love.at (15. Jänner 2006)
Stummers Gastauftritt (in Oswalds Stamm-Trafik mit ATV) (24. Oktober 2005)
Sicherheitsvideo – Ernst Walter Stummer – Einbrecherking (22. Oktober 2005)
Stummers Fussball (18. Oktober 2005)
Stummers Geheimprostituierten-Katalog (9. September 2005)
Stummers Kinder (20. August 2005)
Stummers Hochzeit (4. August 2005)
Stummers 700 Frauen (14. Juni 2005)
Stummers Messeauftritt (20. Februar 2005)
Stummer gegen Republik Österreich (12. Februar 2005)
Stummers Marketingaktion (noch ohne Fotos!) (5. Februar 2005)
Stummer-Kolumne – Augustin – Am Schmalz – Teil 3 (24. Juli 2003)
Stummer-Kolumne – Augustin – Am Schmalz – Teil 2 (10. Juli 2003)
Stummer-Kolumne – Augustin – Am Schmalz – Teil 1 (27. Juni 2003)
Brief an Stummer – Meine Spalte – Kolumne in Augustin (2003) (28. Mai 2003)

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienhotspots)

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