Rotlicht in Wien und der Welt

„Hugh Hefner von Linz“ – Schlapp gemacht – TV 6 im Ausgleich

Posted in Linzer Szene, Oberoesterreich by rotlichtwien on 7. Mai 2005

Dating-Kanal TV 6.

(Wien/Linz, im Mai 2005) Das klang noch gut und saftig, als es im SOZ in Heft 9/03 hieß: „Liebe Freunde des SOZ-Männermagazins! Wir haben gemeinsam viele Erfolge und Freuden durch unser SOZ-Männermagazin erlebt. Doch die Zeichen der digitalen Zeit ziehen auch an unserem Gewerbe nicht spurlos vorüber. (…) Ich und SOZ werden weiter für Euch da sein. Unser Können und unser Einsatz soll Beispiel für all jene sein, die mir 20 Jahre lang geholfen haben, ein Medium wie das SOZ-Männermagazin aufzubauen. Bösen Unkenrufen zum Trotz muss ich festhalten: Das SOZ-Männermagazin ist auch in Zeiten wie diesen weder in Roten Zahlen noch hat es Liquiditätsprobleme oder ist gar Pleite. Vielmehr richtig ist, dass wir nach reiflicher Überlegung und Analyse des Marktes erkannt haben, dass die Zeit reif ist gemeinsam mit unseren Kunden ins digitale Zeitalter zu gehen. (…) Ab sofort gibt es den neuen, frei empfangbaren Fernsehsender TV6 Erotikfernsehen Nonstop Astra 19,2 Ost und die neue Internetplattform.“ (Peter Stolz)

Peter Stolz: „Zeitgemäße Art des Inserierens“

Im allerletzten SOZ-Editorial (9/03) kündigte Peter Stolz die „neuen Werbemöglichkeiten“ an, die alles bisherige schlagen. Konkret war die Idee nicht schlecht: Was bisher auf einer Seite im Monatsheft SOZ („Sex ohne Zensur“) erschien, sollte nun ein ganzes Monat als Bewegtbild in TV6 zu sehen sein. Im September 2003 war SOZ DIGITAL gegründet. Sein Studio produzierte die Clips, die im Schaltintervall von einem Monat 2.000 Euro kosteten. Gemessen, dass eine ganze Seite 4c im SOZ-Printprodukt damals auch 2.000 Euro kostete – eine innovative Idee.

SOZ. (Foto: Logo)

Die billigere Variante fand über die Internetplattform statt: Für nur 6 Euro konnte man ein Audio-Inserat aufsprechen, das zwei Minuten dauern konnte. Das war über Mehrwertnummer (an der Stolz verdiente) abzuhören, lief sowohl im Teletext von TV6, auf der Internetplattform in der entsprechenden Rubrik und im Erotikführer auf SMS-Basis.

Man merkt: Hier sollte ein aprupter, großer Wandel stattfinden. Von Papier zu papierlos. Ab 1. September 2003 sollte alles anders werden. Was man früher „Medienkonvergenz“ nannte, die Ergänzung von Internet zu Printmedien, von Internet zu TV, von Print zu TV, sollte hier aufgelöst werden. Kurz: Es war so erfolgreich wie der fehl geleitete Versuch des Kurt Falk, der die Totenglocke des Printwesens hörte und seine Tageszeitung „Täglich Alles“ über Nacht auf Internet umstellte und dann ganz abdrehte. Peter Stolz ereilte das gleiche Schicksal. Sein TV-Projekt konnte die Zeitschrift nie ganz ersetzen.

„Meilenstein“ wurde Grabstein

TV6 sah sich „als volksnaher Sender, der versucht das Thema Erotik zu enttabuisieren, indem wir einen sehr lockeren Umgang mit der wohl schönsten Sache der Welt pflegen. Jeder Mensch lebt seine eigene, seine sehr persönliche Erotik und mag mit unserem Verständnis nicht unbedingt einverstanden sein. Das liegt aber in der Natur der Sache.“

Weiter hieß es in der Selbstdarstellung: „Wir sehen uns nicht als sexuelle Reformer des 3. Jahrtausends, aber wir versuchen das Thema Erotik aus der ‚Schmuddelecke‘ zu ziehen und bieten erotische Inhalte in unserem Programm an, die jeder frei konsumieren kann. Genauso gut kann aber jeder seine Fernbedienung nehmen und auf einen anderen Kanal schalten.“

Hugh Hefner von Linz

Peter Stolz ist der Hugh Hefner von Linz. Er ist seit zwei Jahrzehnten der einflussreichste Rotlicht-Baron der Stahlstadt. Seine Freundschaftsbeziehungen reichen bis nach ganz oben in die Politik der Stadt. Nur so war es möglich, dass er mitten in der Stadt vor drei Jahren den – laut Eigenbeschreibung – „größten Erotiktempel Europas“ errichten konnte. Das war damals in Linz deshalb umstritten, weil Bürgerinitiativen durch die Nähe zu einer Schule ein Problem darin sahen. Doch die Baugenehmigungen der Stadt lagen vor und auf drei Etagen entstand ein Sündenbabel für Erwachsene.

Rotlicht-Baron von Linz: Peter Stolz (Mitte) bei der Eröffnung seines Sextempels Sexodrom 2001.

Zu Beginn, um 2001, schnurrte der Betrieb tatsächlich. Stolz hatte die vermutlich schönsten Blondinen von ganz Tschechien und der gesamten Slowakei (und auch aus Ungarn) in seinem Club versammelt. Insider aus Wien blickten mit Neid nach Linz und wußten zu erzählen, dass Mädchen „beim Stolz Peter derzeit zwischen 8.000 und 10.000 Euro im Monat“ verdienen. Dabei ging es weniger um Sex im Séparée, als um Tabledancing und allerlei Showprogramm.

Besuchern bot man ganz besondere Sachen. Etwa hatte Stolz ein Zwischengeschoss mit trittfestem Glas ausgestattet, sodass der Gast den Mädchen, die oben gingen, völlig legal von unten bis auf den Faden schauen konnte. Das gab es in Wien nicht. Auch nicht in Restösterreich. Stolz hatte neue Dimensionen geschaffen. Der Eintritt betrug 10 Euro, jedes Getränk kostete 5 Euro.

Trennung von Partner im SOZ – Neustart mit AV-Medien

Nach dem Bauboom wollte er medial aufstocken. Stolz, dem bisher schon die wesentlichen Etablissements in Linz gehörten, lag damals im Streit mit seinem ehemaligen Partner des monatlichen Fachmagazins für käufliche Liebe SOZ (Sex ohne Zensur). Seit Gründung und Erfindung durch Stolz im Jahr 1983 war das Heft ein großes Geschäft, da er eine Marktlücke eiskalt ausnutzte und lange vor der Internet-Ära österreichweit dem Hostessen- und Begleitgewerbe eine attraktive Werbefläche zur Selbstdarstellung bot.

Seit Anfang der 90er Jahre managte Herbert Feichtelbauer mit Stolz das SOZ, ehe sich Feichtelbauer nach zehn Jahren Zusammenarbeit 2002 mit einem eigenen Online-Portal, das er SexNews nannte, selbständig machte. Im September 2003 stellte Stolz das SOZ ein und Feichtelbauer kam im November 2003 erstmals mit dem Heft SexNews heraus, das in der Machart dem SOZ sehr ähnlich war.

Leider die letzte Ausgabe von SOZ im September 2003. Danach machte Stolz alles digital und das Unheil begann. (Zeitschriftenarchiv Oswald)

Der Umstieg von Print auf das schwierige Fernsehgeschäft klappte nicht so wie erwünscht. Die „X-Gate Multimedia Broadcasting GmbH“, situiert an der Zaubertalstraße 6, 4020 Linz, der Geschäftsadresse von Peter Stolz, kam in Schwierigkeiten. An der „X-Gate“ ist zu 60% die „SOZ VerlagsgesmbH“ beteiligt. Mittlerweile sind Schulden das Thema. Kaufmann Peter Stolz muss die Hosen weit hinunter ziehen, um mit einem blauen Auge davon zu kommen.

Der Kreditschutzverband KSV 1870 verbucht aktuell für die „X-Gate“ 2,65 Mio. Euro Passiva, wovon 1,19 Mio. Euro unbesichert seien. Der „SOZ Verlag“ wiederum habe 2,72 Mio. Euro Schulden. Wie es um Stolzens „PeepshowbeteiligungsgesmbH“ steht, die unter anderem das „Sexodrom“ betreibt, ist nicht bekannt.

Schuldenregulierung und Abtreten der Eigentumsrechte der Senderzentrale an Bank

Der Sender „TV6“ setzte im Jahr 2004 laut Eigenangaben 1,87 Mio. Euro um. Doch allein die Satelliten- und Personalkosten schlagen monatlich mit 118.000 Euro in die Bücher. Nun geht es um den Geschäftssitz in der Zaubertalstraße, die so genannte „Rosenburg“. Das ist eine großzügige und geheimnisvoll wirkende Landvilla mitten in der Stadt Linz, die der „SOZ-Verlag“ im Jahr 2000 erwarb. Hier ist der Sitz von „TV6“.

Der heutige Immobilien-Wert soll 2 Mio. Euro betragen und darauf spitzt nun die Sparkasse Neuhofen, die nicht nur 2004 die „beste Sparkasse Österreichs“ (nach einem zweiten Platz im Vorjahr) war, sondern ein Pfandrecht von 1,74 Mio. Euro auf diese Liegenschaft hat.

Die Idee der Verpfändung der Liegenschaft stammt von Stolz. Er gab dem Druck der Banken nach. Seine Kreditgeber und Lieferanten wurden nervös. Nun liegen zwei Ausgleichsanträge vor, die aus Barmitteln aber nicht bedient werden können. Daher ließ Stolz zu, dass die Sparkasse Neuhofen nun ins Grundbuch des Firmensitzes „Rosenburg“ eingetragen wird. Im Ausgleichsantrag an das BG Linz heißt es: „Um eine Zwangsversteigerung zu verhindern und die Schulden zu reduzieren, soll die Rosenburg ins Eigentum der Sparkasse übertragen werden. Zugleich soll die Sparkasse dann das Ausgleichserfordernis erbringen.“

Enge Verbindung mit Peter Stolz und nun im Grundbuch seines Firmensitzes: Die beste Sparkasse Österreichs, Neuhofen an der Krems. (Foto: Sparkasse)

Landsparkasse als Erotik-TV-Betreiber?

Stolz hat sich mit den Expansionsplänen offenbar übernommen. Wie das weiter geht, ist offen. Ob eine kleine Landsparkasse tatsächlich die Geschäfte von Europas erstem offenen Erotik-TV-Sender „TV6“ weiter finanziert, steht in den Sternen. Stolz hat sich nun mit Banken in eine tiefe Abhängigkeit begeben. Den Ausgang kann man ahnen.

Es sei denn, die jungen, männlichen Mitarbeiter der Sparkasse Neuhofen haben einen anderen Blick auf die Dinge. Bekannt ist auch, dass oberösterreichische Bankmanager durchaus mit sich reden lassen, wenn das Kompensationsgeschäft stimmt.

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Linzer Rotlicht-Multi Peter Solz hat Haft angetreten (19. April 2006)

Marcus J. Oswald (Ressort: Oberösterreich, Linzer Szene)

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